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Interview: "Unternehmensjuristen müssen vernetzt denken und interdisziplinär arbeiten"

Blog-Eintrag   •   Jul 22, 2019 10:01 CEST

Andreas Balog, Max Kindler und Eva-Maria Tos von der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen

MANZ: Am 8. Oktober 2019 findet erstmals der Unternehmensjuristenkongress statt, eine Kooperationsveranstaltung der VUJ mit MANZ. Woher stammt eigentlich die Idee für diesen Kongress?

Balog: An nur einem Tag sollen verschiedene Elemente kombiniert werden: Zum einen bedarfsorientierte Themen, die Unternehmensjuristen aktuell bewegen. Wir haben im Vorfeld eine Umfrage gestartet, damit unsere Mitglieder den Kongress proaktiv mitgestalten können.

Weiters haben wir nach dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ Wert darauf gelegt, vor allem auch Unternehmensjuristen als Vortragende zu gewinnen. Schließlich soll der Tag als Plattform des Informations- und Erfahrungsaustausches Unternehmensjuristen vernetzen. Am Abend gibt es einen kostenlosen Bustransfer zu unseren „Promoting the Best Awards 2019“ im Looshaus, wo wir heuer bereits zum zweiten Mal Rechtsabteilungen, die sich besonders verdient gemacht haben, vor den Vorhang bitten.

Außerdem sollen Unternehmensjuristen die Möglichkeit bekommen, die Zukunft ihres Berufsstands mitzugestalten und sich über die neuesten Entwicklungen auf europäischer Ebene zu informieren. Dazu haben wir etwa die VUJ-Generalversammlung in den Kongress integriert und den Managing Director der European Company Lawyers Association (ECLA) zu Gast.

Schließlich wollen wir auch einen Blick über den Tellerrand werfen und freuen uns auf den Impulsvortrag des international renommierten Forschers und Genetikers Prof. Markus Hengstschläger „Wie Unternehmensjuristen der Durchschnittsfalle entkommen“.

MANZ: Warum hat der Unternehmensjurist, die Unternehmensjuristin einen besonderen Bedarf nach Fachinformation? Worin unterscheidet sich dieser Bedarf von dem eines Anwalts oder Richters?

Kindler: An Unternehmensjuristen werden vielfältige Anforderungen gestellt. Es wird zu Recht vorausgesetzt, dass Insourcing von Rechtsangelegenheiten einen messbaren Mehrwert gegenüber der rein externen Beratung für das Unternehmen bringt. Die Qualität der internen Rechtsarbeit soll inhaltlich der von externen Rechtsanwälten erbrachten Beratung entsprechen. Der zentrale Unterschied besteht wohl darin, dass sich der Unternehmensjurist, mehr als selbst der Bezug habende Rechtsanwalt, mit der unternehmensinternen Kultur, den betrieblichen Anforderungen, der Organisation und deren Prozessen befassen muss, um rechtlichen Bedarf möglichst frühzeitig und präventiv wirkend zu identifizieren. Der Rechtsanwalt wird in den allermeisten Fällen reaktiv oder konfliktlösend tätig. Somit muss sich der Unternehmensjurist nicht nur gleich dem Rechtsanwalt fachlich up to date halten, sondern auch permanent seine Antizipationsfähigkeit für betriebliche Zusammenhänge und Bedürfnisse schärfen.

MANZ: Wie sieht generell die Rolle des Unternehmensjuristen in der heutigen Zeit aus?

Tos: Diese Rolle ist vielschichtig und für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens von zunehmender Bedeutung. Unternehmensjuristinnen und -juristen bekleiden die klassische Beratungsfunktion für alle rechtlichen Fragestellungen im Unternehmen. Daneben steigt die Bedeutung ihrer Managementfunktion rasant an. Unternehmensjuristen sind eng an das Management angebunden und werden als Risikomanager zum Zweck der Risikoprävention, aber auch zu dem Zweck, Handlungsoptionen zu erkennen und zu schaffen, in sämtliche Unternehmensprozesse eingebunden. Daneben sind sie oft für Compliance, Datenschutz und die Begleitung von Rechtssetzungsprozessen zuständig und leisten immer häufiger einen Beitrag zur Wertschöpfung.

Unternehmensjuristen müssen vernetzt denken und interdisziplinär arbeiten. Die Tätigkeit erfordert fundierte Kenntnisse über das Unternehmen, allem voran über dessen unternehmerische Prozesse und Geschäftszweig, sowie ein verknüpftes Verständnis von Recht und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Somit beeinflussen bzw. gestalten sie unternehmerische Prozesse mit und bekleiden damit eine Schlüsselposition im Unternehmen.

MANZ: Welche Themen beschäftigen den Unternehmensjuristen aktuell? Kommt er überhaupt um das Thema Legal Tech bzw. Legal Operations herum?

Balog: Unsere Umfrage aus dem Februar 2019 hat ein klares Bild gezeichnet: Unter den Themen, die Unternehmensjuristen aktuell besonders bewegen, sind Legal Operations ganz an der Spitze, dicht gefolgt von Legal Tech.

Der Einfluss der Digitalisierung hat sich auch schon in unserer letztjährigen Gemeinschaftsumfrage „Rechtsabteilung 2035“ gezeigt: Fast 70% der Unternehmensjuristen haben den Einfluss der Digitalisierung auf den Erfolg der Rechtsabteilung als äußerst stark, sehr stark oder zumindest stark bewertet.

Um Schritt zu halten, wird künftig ein verknüpftes Ausbildungsangebot wichtig, das neben Legal-Tech-Anwendungen auch den aktuellen Entwicklungsstand der digitalen Transformation behandelt, ein Grundverständnis hinsichtlich der Begriffe und Technik vermittelt, die zentralen rechtlichen Fragen beantwortet und einen ausreichenden Praxisbezug aufweist.

MANZ: Was raten Sie Unternehmensjuristen, um den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen zu sein?

Kindler: Aus persönlicher Erfahrung, sowohl als General Counsel als auch als operativer Manager, kann ich raten, sich intensiv für die Aufbau- und Ablauforganisation seines Unternehmens zu interessieren, die betrieblichen Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Abhängigkeiten verstehen zu wollen und die eigene Rolle so zu definieren, dass sie möglichst der Wertschöpfungskette des Unternehmens dienlich ist. Darüber hinaus haben Unternehmensjuristen die ganz besonders lohnende Möglichkeit, an der Kultur eines Unternehmens maßgeblich mitzuwirken und Recht als etwas Dienliches und Wertvolles zu positionieren. Um fachlich am Ball zu bleiben, empfehlen wir, bei der VUJ Mitglied zu werden und die vielfältigen Gelegenheiten der erheblich preisreduzierten Fach- und Weiterbildung in Zusammenarbeit der VUJ mit der MANZ Rechtsakademie (z.B. beim Unternehmensjuristenkongress) in Anspruch zu nehmen. Eine Mitgliedschaft bei der VUJ erleichtert auch den persönlichen Austausch mit Unternehmensjuristen anderer Unternehmen über die VUJ-Fachkreise oder über die Kontaktherstellung mit anderen Unternehmensjuristen mit ähnlich gelagerten Aufgabenstellungen. Wir helfen gerne weiter! 

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