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MANZ Porträt des Monats: Bunt und geradlinig - Sabine Kirchmayr-Schliesselberger

News   •   Okt 12, 2019 10:05 CEST

Sabine Kirchmayr-Schliesselberger (Foto: Christina Andorfer)

„Warten Sie, einen Moment, ich muss nur noch kurz dieses eine Mail fertigschreiben, bin gleich da“, sagt Sabine Kirchmayr-Schliesselberger hinter einem großen Schreibtisch hervor, wo ein paar luftige Papierstapel auf ihre Abarbeitung zu warten scheinen. In der Ecke stehen ein Paar Turnschuhe. „Früher bin ich viel mehr gelaufen, ich schaffe es nur mehr zwei bis drei Mal die Woche“, sagt sie und kommt mit einem dicken MANZ-­Wälzer zum Besprechungstisch. Zusammen mit ihrem Kollegen Gunter Mayr hat sie die Bearbeitung des juristischen Rechts-Klassikers Doralt/Ruppe, „Grundriss des Österreichischen Steuerrechts Band I“ übernommen. Das Buch, in dem sie für die Einkommensteuer und das Internationale Steuerrecht verantwortlich zeichnet, ist druckfrisch und sie freut sich, dass es nach langer Vor­bereitung endlich auf dem Tisch liegt. Doch sie denkt schon voraus: „Wäre super, wenn die geplante EStG­Reform endlich umgesetzt würde“, sagt sie. Als Steuer­expertin bringt sie immer wieder Stellungnahmen dazu ein, hat bei der KESt-Reform 2011 mitgewirkt und war sogar einmal anlässlich der deutschen Invest­mentsteuerrechtsreform in den Deutschen Bundestag als Expertin geladen. „Da bin ich schon stolz drauf.“

"Meine Leidenschaft war immer Jus"

Die Finanzrechtsexpertin ist Oberösterreicherin, geboren 1967, und verbrachte eine schöne Kindheit und Jugend mit drei Geschwistern in Wels. Nach bestandener Matura entschied sie sich für ein Jus-Studium in Inns­bruck, „vielleicht, weil ich als Teenager sehr gerne die Anwaltsserie Petrocelli im Fernsehen angeschaut habe“, sagt sie lachend. Kirchmayr, der das Lernen stets leicht gefallen ist, inskribierte zusätzlich auch noch Betriebs­wirtschaft. „Aber meine Leidenschaft war immer Jus. Es ist Wissen, das Selbstbewusstsein gibt“, betont sie.

Eine wichtige Rolle für ihre berufliche Entwicklung sollte der Wiener Finanzrechtsexperte Werner Doralt spielen. Er begeisterte die junge Studentin sehr schnell für das Steuerrecht. „Sein Blick auf das große Ganze, sein politisches Interesse und seine Lust am kontroversiellen Meinungsaustausch haben mich geprägt“, sagt sie und meint auch seine Lehrveranstaltungen. Heute, selbst Professorin, versucht sie, das Ideal des selbständigen Denkens weiterzutragen. Als Kirchmayr („Sie können den Doppelnamen weglassen, er ist wirklich extrem lang“) 1991 mit beiden Studien fertig war, übersiedelte sie nach Wien, wo sie als Schriftführerin am Verwal­tungsgerichtshof zu arbeiten begann, „als blutjunge Juristin war das sehr eindrucksvoll“.

Umwelt- und Digitalsteuern sind die spannenden Zu­kunftsthemen

Doch das Finanzrecht ganz aufgeben? Das wollte sie dann doch nicht. Sie wechselte 1998 in die Steuerberatung, arbeitete fünf Jahre lang bei der KPMG, dann bei Ernst & Young und schließlich 2015 als Partnerin bei Leitner & Leitner. In all dieser, wie sie sagt, lustigen und arbeitsreichen Zeit hielt sie immer Kontakt zu Werner Doralt, der sie stets zu einer Habi­litation anzustacheln versuchte. „Ich mag Herausfor­derungen“, sagt sie und hatte sie schließlich 2003 fertig geschrieben. 2004 wurde eine Professur in Salzburg vakant, sie bewarb sich und bekam die Stelle. Nach fünf Jahren Pendeln zwischen Wien und Salzburg und der Geburt ihrer Tochter Alina im Jahr 2009 - Kirchmayr ist mit dem Innenpolitik-Redakteur der Salzburger Nachrichten liiert - ging Werner Doralt in Pension. „Das Hearing war mein erster wichtiger Termin nach der Geburt meiner Tochter“, erinnert sie sich an ein hartes Auswahlverfahren und ihre Freude darüber, die Nachfolgerin von Doralt und damit Leiterin des Instituts für Finanzrecht in Wien zu werden. Karrieretechnisch ein glatter Durchmarsch also? „Ich hatte immer ein Riesenglück, beruflich betrachtet hatte ich viele Lotto­-Sechser.“ Welche Pläne sie weiter hat? „Inhaltlich sind die Umwelt- und Digitalsteuern die spannenden Zu­kunftsthemen im Steuerrecht“, sagt sie und insgesamt mag sie es „gerne bunt, in jeder Hinsicht“.

Bunt ist auch ihr Privatleben. Sie kocht gerne, hat viel zu wenig Zeit für Theater und Kino und das größte Hobby ist Sport, „nicht nur aktiv, sondern auch passiv“, sagt sie, und geht für ein gutes Fußball- oder Rugby­match sogar ins Stadion. Mehr als alles andere mag sie allerdings Tennis bewerbe. Als bekennender Dominic-Thiem-Fan war sie dieses Jahr zum dritten Mal in Roland Garros in Paris live mit dabei. Zu den US Open nach Flushing Meadows zu fahren, ist einstweilen ihr großer Traum. Und eine wirkliche Freude ist, dass ihre Tochter in eine ähnliche Kerbe zu schlagen scheint. Die Zehnjährige ist unlängst schon beim Wien-Lauf mitgelaufen.

Karin Pollack

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