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Postkarte 12 wird heute veröffentlicht

Pressemitteilung   •   Nov 09, 2010 11:08 CET

Vor zehn Jahren wurden auf einem Dachboden in Stockholm einige Umzugskartons gefunden. Sie enthielten Briefe, Tagebücher, alte Aufsatzhefte, Zeitungsausschnitte und eine Zigarrenschachtel mit Schwarzweißfotografien. Erinnerungen aus einem siebzigjährigen Leben. In einem der Kartons lag zuunterst eine Plastiktüte mit 32 Briefkarten in Sütterlin, die  während des Weltkriegs von Deutschland nach Schweden geschickt wurden.

Die Geschichte, die in diesen Briefkarten erzählt wird, handelt von einigen Menschen, die zum Untergang verurteilt waren, und von der Stadt, in der sie lebten. Aber vor allem geht es in dieser Erzählung um Liebe und den Glauben an die Zukunft. Im Nachhinein ist es leicht, die deutsch-jüdische Epoche als ein Scheitern zu verurteilen und auf ihr schreckliches Ende zu verweisen. Aber hinterher Urteile über die Geschichte zu fällen, ist nicht unbedingt die beste Vorgehensweise, wenn man eine Epoche und die wirklichen Ereignisse in ihr verstehen möchte.

Die Geschichte der assimilierten Juden in Deutschland ist zwar eine Erzählung über eine Tragödie. Sie war zudem lange Zeit die Geschichte eines einzigartigen Erfolgs, der am ehesten mit den Juden im Nordamerika von heute verglichen werden kann. Bereits Anfang der zwanziger Jahre hatte Deutschland seinen ersten deutsch-jüdischen Außenminister, Dr. Walter Rathenau, also fünfzig Jahre bevor die USA ihren ersten deutsch-jüdischen Außenminister, Dr. Henry Kissinger, hatten.

Selten hat es eine so fruchtbare und tödliche Verschmelzung zweier Kulturen gegeben wie die der jüdischen und der deutschen. Heute geht es um andere Minderheiten, aber die Fragestellungen sind in ganz Europa die gleichen. Fragen von Integration und Assimilierung einerseits und des Bewahrens von Eigenarten andererseits zu bewältigen, ist die große Herausforderung unserer Zeit.

Auf 32postkarten.com können Sie 32 authentische Briefkarten lesen, die in den Jahren 1940 und 1941von Hamburg nach Schweden geschickt wurden. Die erste wurde am 29. März 2010 veröffentlicht, also auf den Tag genau 70 Jahre, nachdem sie geschrieben wurde. Die folgenden 31 Briefkarten werden in „simulierter Echtzeit“ veröffentlicht – am Datum ihrer Entstehung, aber mit siebzigjähriger Verzögerung.