Skip to main content

Schweizer Detailhandel unter Druck

News   •   Jan 10, 2019 17:35 CET

Die Studie «Retail Outlook» veröffentlicht die Credit Suisse in der Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz jährlich.

Der Schweizer Detailhandel ist mit drei Arten ausländischer Konkurrenz konfrontiert, so die Ökonomen der Credit Suisse in ihrer Studie «Retail Outlook 2019»: Durch ausländische Anbieter in der Schweiz (Aldi, Lidl), durch Einkäufe im grenznahen Ausland (Frankenstärke) sowie durch ausländischen Onlinehandel (Amazon etc.).

Der «Retail Outlook 2019» legt seinen Fokus auf die Internationalisierung des Wettbewerbs. Trotz robustem Arbeitsmarkt mit durchschnittlich 2.6% Arbeitslosenquote bestehe keine erhöhte Kauflust im Land. Dämpfend wirke die allgemeine Teuerung. 

Zalando mit 10% Marktanteil – Amazon ohne Dammbruch

Das Non-Food-Segment geriet ins Minus, vor allem wegen des Umsatzrückgangs der Bekleidungsdetailhandels von ca. 9%. Begründet wird dies mit dem warmen Frühling und Sommer sowie dem gewachsenen Marktanteil von Zalando in der Schweiz von knapp 10% auf einen Umsatz von CHF 800 Mio. Zugelegt hat zudem auch Food um 1.5%.

Für Amazon erwarten die Ökonomen in der Schweiz kein leichtes Spiel. Zumal Schweizer schon länger beim Onlineriesen einkaufen und der Markteintritt (Post-Deal) nicht plötzlich kommt, sondern seit Jahren schleichend stattfindet. Dann besteht hierzulande bereits viel Online-Konkurrenz für Amazon. Zudem wächst Amazon in Deutschland über Drittanbieter (Marktplatz), die nicht in die Schweiz liefern.

Die Schweiz ist kein Discounter-Land

Der Schweizer Detailhandel steht mittlerweile in Konkurrenz mit Anbietern aus der ganzen Welt. «Trotz Aldi und Lidl ist die Schweiz kein Discounter-Land», schreiben die Analysten in der Studie, obwohl deren Markteintritte einen Strukturwandel auslöste und im Lebensmitteldetailhandel deutlich zu spüren sei. Im internationalen Vergleich liegen die Umsatzanteile der Discounter hierzulande allerdings unter dem Durchschnitt.

Der Wettbewerb wurde auch durch die wiederholte Frankenaufwertung internationaler. Die Einkäufe im grenznahen Ausland hätten sich folglich in den letzten zwei Jahren auf hohem Niveau stabilisiert. Im Onlinehandel verschwimmen Landesgrenzen und die Reichweite der Anbieter erhöht sich. So sorge auch der ausländische Onlinehandel für einen intensiveren Wettbewerb.

Schweiz für ausländische Anbieter attraktiv

Die Zunahme der ausländischen Wettbewerbsintensität ist für die Händler deutlich spürbar: «Vor zehn Jahren hatte erst jeder dritte wichtige Wettbewerber aus dem Ausland – heute ist es jeder zweite. Diese Entwicklung hat Folgen: In fast keinem westeuropäischen Land entwickelten sich die Detailhandelsumsätze, bereinigt um die allgemeine Inflation und Wirtschaftsentwicklung, zwischen 2005 und 2017 so schwach wie in der Schweiz. 

Während die Zahl der Detailhandelsmitarbeitenden in den meisten westeuropäischen Ländern stieg, nahm sie in der Schweiz um 3% ab», so die Ökonomen der Studie. Der Beschäftigungsrückgang sei indessen umso stärker ausgefallen, je näher sich ein Gebiet an einem ausländischen Supermarkt befand – eine direkte Folge des stationären Einkaufstourismus.

Konjunkturelle Schützenhilfe 2019

2019 dürfte die Konjunktur dem Detailhandel ähnlich starke Impulse liefern wie im vergangenen Jahr. Insgesamt dürfte sich das Wirtschaftswachstum zwar etwas abkühlen, was aber voraussichtlich der geringeren Aussenhandelsaktivität und weniger der Inlandnachfrage geschuldet sein wird. Die Analysten des Retail Outlook 2019 gehen davon aus, dass die Kaufkraft dank stärker wachsender Löhne und einer leicht tieferen Inflation wieder etwas zulegen wird. 

Sollten sich die geopolitischen Konflikte beruhigen, erwarten die Ökonomen eine Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro. Jedoch dürften allfällige starke Aufwertungsschübe von der Schweizerischen Nationalbank bekämpft werden – zumindest temporär. Dem positiven Konjunkturbild stehen die negativen Effekte des strukturellen Wandels gegenüber, welcher im Non-Food-Segment auch 2019 überwiegen dürfte. 

Hier erwarten die Analysten einen minimen nominalen Umsatzrückgang (–0.3% ggü. 2018) und stagnierende Preise (+0.1%). Dies deckt sich weitgehend mit der Einschätzung der von Fuhrer & Hotz befragten Unternehmen: Nur knapp die Hälfte der Vertreter des Non-Food-Segments geht von wachsenden Umsätzen aus. Derweil dürften gemäss Einschätzung der Studie die nominalen Umsätze im Lebensmitteldetailhandel etwas schneller als die Bevölkerung wachsen (+1.3%), die Preise aber nur geringfügig steigen (+0.5%).

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Kommentar

Durch das Absenden Ihres Kommentars akzeptieren Sie, dass Ihre persönlichen Daten Mynewsdesks Datenschutzerklärung entsprechend verarbeitet werden.