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Ich hüte das Buddha-Baby: Gedichte von Ozaki Hôsai (20 Jahre Angkor Verlag)

Pressemitteilung   •   Sep 21, 2019 09:09 CEST

Hungrige Sperlinge (Copyright: Rica Ojara)

雀がさわぐお堂で朝の粥腹をへらして居る

Der Tempel-Spatz schimpft, sein Morgenbrei ist kleiner geworden

Ozaki Hôsai (1885–1926) war ein viel versprechender japanischer Dichter, der aber nur einen posthum veröffentlichten Band Haiku mit gut 500 Gedichten und sechs kurzen Prosastücken hinterließ: Taiku 大空 („Weiter Himmel“). Er studierte zunächst Jura (nach einer anderen Quelle: Politikwissenschaft), arbeitete dann in leitender Position bei einer Versicherung. Sein Alkoholismus verhinderte jedoch eine Karriere. 1922 wechselte er zu einer Firma in Korea, begab sich aber bald schon auf Wanderschaft durch Nordchina, wo er an Brustfellentzündung erkrankte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat Japan gab er all seinen Besitz auf und verließ seine Frau, um sich der Gemeinschaft Ittôen anzuschließen, deren Mitglieder sich – an den Zen-Buddhismus anlehnend – im Geist des Dienens schulen und vor allem für die Reinigungen von Toiletten Fremder bekannt wurden. Als Wandermönch war Ozaki Tempeldiener im Chio-in, Fukushô-ji und Jôkô-ji, ehe er sich auf der Insel Shôdo niederließ, wo man ihm die Klause Minango-an des Tempels Saiko-ji anvertraute. Dort starb er an Tuberkulose.

Schon in der Hochschule von seinem Dichterfreund Ogiwara Seisensui beeinflusst, gab er alle traditionellen Regeln des Haiku auf und entschied sich für „freie Verse“. Während der Freund damit vor allem gegen die herrschende Ordnung protestierte, ging es Ozaki wohl mehr um den Ausdruck seines freien Zen-Geistes.

Es wird vermutet, dass die Einsamkeit, die aus vielen von Ozakis Versen spricht, ihre Ursache auch darin hat, dass man ihm die Heirat mit einer Cousine verweigerte. Seine Haiku sind überwiegend schlichte Momentaufnahmen des Alltags, die von Melancholie und einem leisen Humor getragen werden. Äußere Anlässe führen hierbei oft zur Introspektion.

Üblicherweise sind japanische Haiku in einer Zeile angelegt und folgen dem Muster der Silbenanzahl 5-7-5, was im Deutschen gemeinhin in drei Zeilen wiedergegeben wird. Wir folgen hier der einzeiligen englischen Vorlage von Hiroaki Sato und gehen weit sparsamer als üblich mit Satzzeichen um.

口笛吹かるる朝の森の青さは

Ich muss einfach pfeifen der Morgen die Wälder wie stimmungsvoll

犬が覗いて行く垣根にて何事もない昼

Am Zaun geht ein Hund vorüber, schaut herein, nichts passiert heute Nachmittag

蟻を殺す殺すつぎから出てくる

Während ich Ameisen töte kommen noch mehr heraus

Ozaki, Hôsai:Ich hüte das Buddha-Baby. Haiku.

Zweisprachig Japanisch-Deutsch. Deutsch von Keller. Illustriert von Rica Ojara.

Kindle E-Book (2,99 €)

www.angkor-verlag.de

Der Angkor Verlag hat sich auf Zen-Buddhismus spezialisiert und veröffentlicht außerdem Belletristik mit Länderschwerpunkten, z. B. aus Japan und Indonesien.

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