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„Alkohol und Drogenverstöße auf See stärker kontrollieren“

Pressemitteilung   •   Feb 15, 2018 12:56 CET

Referenten und Organisatoren des Symposiums „Alkohol, Drogen, Verkehrseignung - Schifffahrt“ am 14. Februar 2018 in Hamburg

Hamburg (nr). Fällt ein Autofahrer einer Polizeistreife durch einen Fahrfehler auf, liegt die Vermutung nahe, dass Alkohol oder Drogen Auslöser sein könnten. Pusten oder eine Blutalkoholkontrolle sind dann unweigerlich die Folge. Alkohol am Ruder dagegen wird aufgrund des bewegten Wassers so gut wie gar nicht durch Fahrfehler erkennbar. So ermittelte die Wassserschutzpolizei Hamburg im Jahr 2016 nur insgesamt fünf Fälle in der Binnen- und Seeschifffahrt. Da nach einer Studie aber 81 % der Seeleute Alkohol zu sich nehmen, liegt die Dunkelziffer deutlich höher.

Dies wurde unter anderem jetzt auf dem gemeinsamen Wissenschaftlichen Symposium „Alkohol, Drogen, Verkehrseignung - Schifffahrt“ in Hamburg deutlich. Eingeladen zu der von gut hundert Fachleuten besuchten Veranstaltung hatte der BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr) mit seinen norddeutschen Landessektionen sowie das Institut für Rechtsmedizin am UKE in Hamburg.

Der Beruf des Seemanns zählt zu den sogenannten risikoreichen Stressberufen, d.h. sie sind besonderen Anforderungen ausgesetzt. Neben der sozialen Isolation, die durch die lange Abwesenheit von zu Hause kein normales Familienleben oder gar die Pflege von Freundschaften zulässt, stressen zusätzlich die Pflicht zum Schichtdienst und meist eine zu geringe Zahl an Besatzungsmitgliedern. Auch Gefahren durch die Wetterlage, durch Flüchtlinge, die sich nicht selten vor den Augen der Mannschaften in Seenot befinden, belasten die Seeleute.

Hier wie auch in der Sportschifffahrt sollte nach Auffassung der Experten der verstärkte Einsatz von präventiven, zufallsgesteuerten nicht angekündigten Messungen von Alkohol und Drogen für risikobehaftete Arbeitsplätze erfolgen. Hierzu fehle aber der politische Wille.

Dabei gelten auf der Straße wie auf dem Wasser die strafrechtlichen Bestimmungen der Paragrafen 315 und 316STGB.

In den Fokus bei Alkohol- und Drogenkonsum an Bord rücken die Reedereien. Während sie grundsätzlich den Konsum von Drogen verbieten, erlauben viele den Genuss von Alkohol oder überlassen die Entscheidung den Kapitänen.

Der Präsident des BADS, Dr. Peter Gerhardt, setzt sich für eine Gleichbehandlung bei Delikten auf See und an Land ein. „Alkohol und Drogen am Ruder gefährden sowohl in der Seeschifffahrt als auch auf Binnengewässern Menschen und Sachwerte.“ Durch den Boom bei Kreuzfahrtschiffen und durch immer größere Containerfrachter müssten entstehende Gefahren durch den Konsum von Alkohol und Drogen bei Kapitän und Steuermann entsprechend kontrolliert werden, so Gerhardt weiter.

Auf dem Symposium referierten Dr. Philipp Langenbuch und Jörg Abel vom SeeärztlichenDienst,Arno Lehmann (Schifffahrtsgericht Hamburg), Dr. Stefan Steinmeyer (Dräger Safety), Ulf Petereit (Wasserschutzpolizei Hamburg) sowie Dr. Marcus Oldenburg (Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin). Die Referate des Symposiums sollen in einer der nächsten Ausgaben der fachwissenschaftlichen Zeitschrift BLUTALKOHOL des BADS veröffentlicht werden.

Dr. Paul Brieler als Vorsitzender der Landessektion Schleswig-Holstein des BADS und der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am UKE, Prof. Dr. Klaus Püschel, kündigten die Fortsetzung wissenschaftlicher Symposien an.

Der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr wurde 1950 gegründet. Nach der Satzung des gemeinnützigen Vereins gehören zu seinen Aufgaben unter anderem die Aufklärung über die Gefährlichkeit von Alkohol und Drogen und die Förderung der Forschung auf diesem Gebiet. Der Schwerpunkt seiner Erziehungs- und Aufklärungsarbeit wird von 21 Landessektionen getragen. Internationale Akzeptanz findet unsere renommierte wissenschaftliche Publikation BLUTALKOHOL. Jährlich verleihen wir an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für ihr Engagement um mehr Sicherheit auf unseren Straßen die Senator-Lothar-Danner-Medaille in Gold. Der B.A.D.S.  finanziert seine Arbeit hauptsächlich aus den von Staatsanwaltschaften und Gerichten zufließenden Geldbußen, aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

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