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Auslandsstudium oder Auslandssemester in den USA: Was ist der richtige Weg für mich?

Blog-Eintrag   •   Jan 26, 2017 12:18 CET

Die USA bleiben nach wie vor ein populäres Ziel für Abiturientinnen und Abiturienten, die nach ihren Prüfungen ihre Horizonte mit einem Auslandsstudium erweitern wollen. Dabei decken sich ihre Erwartungen und Pläne nicht immer mit den Gegebenheiten vor Ort – so mancher nimmt bestehende Möglichkeiten nicht wahr oder erhofft etwas, was sich in den USA nicht umsetzen lässt. Das ganze Feld ist komplizierter als man häufig denkt.

Austauschsemester

Eine preiswerte und bewährte Art, ein oder zwei Auslandssemester in den USA zu verbringen, stellt das Austauschsemester dar. Er kommt allerdings nur für immatrikulierte Studenten (meistens ab dem 4. Semester) in Frage, denn der Austausch beruht auf Gegenseitigkeit: Deutsche Hochschulen bieten amerikanischen Studenten vereinfachte Bewerbungsverfahren und den Erlass von Studiengebühren, und die amerikanischen Unis bieten Deutschen dasselbe an. Da amerikanische Studiengebühren erheblich höher sind als deutsche, lohnt sich das Warten bis zum 4. Semester.

Austauschprogramme fußen auf Verträgen zwischen einzelnen Hochschulen, die vom akademischen Auslandsamt in Kooperation mit den Fakultäten ausgearbeitet werden. Bei den Verträgen wird darauf geachtet, dass die Inhalte auf beiden Seiten des Atlantiks einander ergänzen. Das hat zur Folge, dass das akademische Auslandsamt Studenten nicht an jede beliebige Hochschule im Angebot vermittelt, sondern eine fachliche Auswahl trifft. Ein bestehendes Austauschprogramm hat dafür aber den organisatorischen Vorteil, dass die im Ausland erworbenen Leistungspunkte in Deutschland leicht oder gar automatisch angerechnet werden, weil die dafür zuständige Fakultät deren Inhalte schon geprüft hat.

Es gibt aber viele Fälle, wo ein über das akademische Auslandsamt organisiertes Austauschprogramm nicht in Frage kommt. Viele Abiturienten oder Absolventen mit Wanderlust sind an keiner Hochschule eingeschrieben, wollen an einen ganz bestimmten Hochschulort oder möchten in den USA etwas anderes studieren, als sie es in Deutschland getan haben. Einige von ihnen sind gut aufgehoben in einem »Schnupperstudium«, das verschiedene Formen annehmen kann.

Schnupperstudium

Wer vor einem Studium oder einer Ausbildung in verschiedene Fächer »reinschnuppern« will und die finanziellen Mittel dafür aufbringen kann, der findet in USA mehrere Möglichkeiten vor. Hier werden vier davon kurz umrissen: Sprachkurse an Universitäten, verbunden mit dem Besuch von Kursen; Summer Sessions; internationale Programme im regulären Semester und die normale Einschreibung als Student.

- Mit Sprachkurs

Viele Abiturienten verfügen über Englischkenntnisse, die zwar für den Alltag und etwas darüber hinaus reichen, aber nicht ganz reif für die akademische Welt sind. Hier kommen akademische Englischkurse in Frage, wie sie unter anderem von der Organisation ELS an vielen Hochschulorten angeboten werden (ab ca. 2.500 € für einen Monat mit Unterkunft). Manche dieser Standorte erlauben Studierenden, die ein ausreichendes Sprachniveau erreicht haben (unterschiedlich je nach Hochschule), den Besuch von Vorlesungen und Seminaren als Gasthörer. Viele Hochschulen – darunter auch die weltbekannte UCLA (University of California, Los Angeles) – bieten ähnliche akademische Englischkurse an, allerdings ohne die Möglichkeit, gleichzeitig reguläre Fachkurse zu besuchen.

Einige Universitäten befreien erfolgreiche Absolventen von ausgewählten Sprachkursen von der Pflicht, ihre Kenntnisse durch einen standardisierten Test nachzuweisen, sodass sie ausnahmsweise keine Ergebnisse von einem standardisierten Sprachtest (fast immer TOEFL) bei der Bewerbung vorlegen müssen. In solchen Fällen wird eine »Conditional Admission« erteilt, eine bedingte Zulassung, sofern der Bewerber die akademischen Anforderungen erfüllt. Werden die sprachlichen Anforderungen vor Semesterbeginn durch den Abschluss eines Sprachkurses erfüllt, so wird der Student regulär aufgenommen. Eine »Conditional Admission« kann auch einen nachgereichten TOEFL-Test vorsehen; aber die Einschreibungsfristen und die Lieferzeit für die Ergebnisse sorgen dafür, dass das verbesserte Sprachniveau mit etwa 3 Monaten Verzögerung an der Hochschule ankommt – oft zu spät, um die Sprachauflage zu erfüllen.

- Im Sommer

In den sogenannten Summer Sessions können Studentinnen und Studenten für 6-12 Wochen die Kurse ihrer Wahl etwa an der UC Berkeley, UC Irvine oder UCLA belegen und dabei die komplizierte Zulassungsbürokratie eines normalen Studiums umgehen. Mit Kosten ab ca. 6.000 € inkl. Unterkunft auf dem Campus sind die Summer Sessions zwar teurer als die meisten deutschen Studierenden es gewohnt sind, aber immerhin eine preiswerte Alternative zu einem vollen amerikanischen Studienjahr.

Summer Sessions setzen nur das Abitur und ausreichende Englischkenntnisse voraus, können aber nicht als reguläres Studium fortgesetzt werden, da die Teilnehmer nicht den vollen Studentenstatus erhalten. Wem eine Summer Session zu kurz ist, kann aber trotzdem reinschnuppern in ein oder zwei reguläre Semester:

- Im regulären Semester

Einige Hochschulen wie etwa die San Diego State University sehen vor, dass ausländische Studierende 1-2 Semester Kurse belegen, ohne sich aufwendig bewerben zu müssen. Die Gesamtkosten hierfür inkl. Unterkunft belaufen sich auf etwa 10.000 € im Semester . An der SDSU kann man sich als ausländischer Student oder Studentin allerdings erst für Kurse einschreiben nachdem die einheimischen Studenten ihre Wahl getroffen haben. Anderswo erfolgt die Einschreibung parallel. In beiden Fällen müssen Teilnehmer aus anderen Ländern früh dabei sein, um sich rechtzeitig Plätze in den gewünschten Kursen schnappen zu können.

Wie auch die Summer Sessions lassen sich die »credits« der Semesterprogramme für internationale Studierende zwar anrechnen, aber man kann ein Semesterprogramm nicht ohne volle Bewerbung als reguläres Studium fortsetzen. Studenten, aus deren Schnupperstudium vielleicht ein ganzes Studium werden soll, müssen sich also als Alternative von vornherein eine normale Bewerbung für einen Studiengang in den USA überlegen.

- Normale Bewerbung und Immatrikulation

Deutsche Abiturienten, die ein Semester oder ein Jahr in den USA verbringen wollen und bereit sind, die Zeit für eine volle Bewerbung aufzubringen, können sich wie alle anderen Studenten über CommonApp oder die Bewerbungssysteme der einzelnen Hochschulen bewerben. Wegen der besonderen Struktur des amerikanischen Hochschulsystems eignet sich das erste Jahr des Studiums gut zum Ausprobieren neuer Fächer.

Was in Deutschland als Unschlüssigkeit bei der Wahl eines Studiengangs gilt, ist in den USA fast die Regel: Man belegt im ersten Semester häufig Grundkurse (101-Kurse) in mehreren Bereichen, so dass das erste Jahr an der Uni fast wie das letzte Jahr an der Schule aufgebaut ist. Dieses erste Jahr – gleich ob ihm 3 weitere Jahre Studium und ein Bachelor-Abschluss folgen oder nicht – kann also als eine Art Schnupperstudium dienen, in dem man Grundkurse in vielen unterschiedlichen Disziplinen belegen kann – theoretisch sogar 8-10 oder mehr.

Der flexible Charakter der ersten Semester ist unter anderem den »General Education Requirements« in den USA geschuldet: Die allermeisten Hochschulen verpflichten ihre Studierenden, einige Kurse zu belegen, die nicht zu ihrem eigenen Fach gehören. So kommen Geisteswissenschaftler mindestens einmal in Kontakt mit den Naturwissenschaften und umgekehrt. Kurse in Fremdsprachen, in akademischem Schreiben, in Kunst und Soziologie erfüllen häufig auch diese »general education«- Anforderungen. Dazu kommen die Optionen »undecided« und »general studies«, die Studierende anstelle eines konkreten Studiengangs als »major« (Haupt- und Abschlussfach) wählen können.

Nicht wenige Studierende ändern im ersten, experimentellen Jahr den Studiengang, weil sie einen finden, der ihnen besser gefällt. Die Kurse, die sich nicht für das neue Fach anrechnen lassen, dienen trotzdem dem Abschluss in der Regelzeit von 4 Jahren, wenn sie die »General Education Requirements« erfüllen (siehe z.B. diejenigen von Harvard). Wer nach einem Semester oder Jahr als regelmäßiger Student sein Studium in den USA abbricht, der kann seine Zeit dort in seinem Lebenslauf gut darstellen als das, was sie war: ein Schnupperstudium.

Der Nachteil: Es fallen bei diesem Weg weitgehend dieselben Kosten an wie bei einem Standard-Studiengang – und man hat den gleichen Zeitaufwand.

Ganzer Studiengang

Die Idee, einen ganzen Studiengang in den USA zu absolvieren, reizt Schüler und Bachelor-Absolventen aus verschiedenen Gründen: Einige wollen etwas ganz Neues erleben, andere haben persönliche Verbindungen in die USA, und noch andere reizt der Gedanke, an einer Elitehochschule zu studieren: 2016 sahen die Times Higher Education World University Rankings 6 aus den 10 leistungsstärksten Unis der Welt in den USA.

Die vielleicht größte Hürde für potentielle Bewerber sind die Kosten: Studiengebühren und Unterkunft für eine private Universität können bis zu 60.000 $ im Jahr kosten; etwa die Hälfte davon bezahlt man an einer staatlichen Hochschule; etwa ein Viertel an einem Community College (eine Mischform von Fachschule und Fachhochschule). Ausländische Studierende sind explizit von staatlichen Stipendien für Bedürftige ausgeschlossen. Tausende von privaten Stipendiengebern schreiben jedoch kleine Stipendien von meistens 500 $ –5.000 $ aus, die zwar eine gewisse Entlastung darstellen, aber nicht das ganze Studium finanzieren.

Bei den meisten zugelassenen Bewerbern stellen sich Leistungsstipendien der Hochschulen selbst als die größte finanzielle Entlastung dar. Diese Stipendien werden bei der Zulassung vergeben, um Studenten anzuziehen, die den Leistungsdurchschnitt der Hochschule erhöhen, sei es weil sie überdurchschnittliche Ergebnisse bei den Leistungstests SAT und ACT erzielt haben, oder überdurchschnittliche Noten oder hervorragende sportliche Leistungen vorweisen können. Diese Optimierung der Studentenschaft durch finanzielle Anreize gehört zum sogenannten » Enrollment Management«, der rationalisierten des Zulassungsprozesses nach akademischen, wirtschaftlichen und sozialen Kriterien.

Wer zu den weniger als 10 % der glücklichen Bewerber für Hochschulen aus der » Ivy League« gehört, die dort angenommen werden, erhält oft ein großzügiges Stipendium, das sogar die besonders hohen Studiengebühren dieser Elitehochschulen deckt. Doch selbst bei perfekten Noten und Testergebnissen, die zu den besten 10% gehören, ist die Zulassung alles andere als sicher. Wo bei den meisten U.S. Hochschulen die Noten von ausländischen Bewerbern genügen, fordern die »Ivies« neben Noten auch einen Eignungstest (entweder den ACT oder den SAT) von ausländischen Studierenden, der nur auf Englisch abgelegt werden kann.

Auf deutscher Seite ist eine Förderung für ganze Studiengänge in den USA eher die Ausnahme als die Regel: Der DAAD verwaltet die Vergabe von vielen Semester- und Jahresstipendien, allerdings fast nur für Studierende, die schon in Deutschland studieren und nach maximal einem Jahr zurückkehren. Zwei nennenswerte Stiftungen brechen mit diesem Muster und schließen ganze Studiengänge im außereuropäischen Ausland nicht von der Förderung aus: die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Eine deutliche Reduzierung der Kosten und der Bürokratie gehen mit dem zweijährigen Studium an einem Community College einher. Community Colleges sind zur Vergabe von »Associate Degrees« mit einer Regelstudienzeit von zwei Jahren berechtigt. Nach zwei Jahren an einem Community College können Studenten mit dem »Associate Degree« zu einem 4-Jahres-College (berechtigt zur Vergabe von Bachelor-Abschlüssen) oder zu einer University (auch Master-Abschlüsse und Promotion) wechseln. Die meisten Community Colleges pflegen gute Verbindungen zu den Universitäten in ihrer Region und schließen Transferabkommen mit ihnen, die eine nahtlose Anerkennung von Leistungen aus den ersten zwei Jahren ermöglichen. Auch die Bewerbungsfristen sind an Community Colleges kulanter, denn sie liegen nicht im Januar oder sogar im Dezember des Vorjahres, sondern meistens im Sommer vor dem Studienbeginn.

Einsteigen als Aussteiger

Ein Frankokanadier namens Guillaume Dumas bahnte sich einen alternativen Weg zum Studium in den USA: Er ist unbürokratisch in Vorlesungen an den besten und teuersten Unis Nordamerikas hineinspaziert, ohne sich zu immatrikulieren oder anzumelden. Manchmal wurde er des Campus verwiesen, aber dafür hat er in verschiedensten Disziplinen dieselbe Bildung wie die voll zahlenden Studenten genossen, ohne einen Cent dafür bezahlt zu haben. Der Spiegel hat neben vielen – wesentlich wenige kritischen – englischsprachigen Zeitungen den unkonventionellen Werdegang des Herrn Dumas dokumentiert.

Für diesen Weg gibt es natürlich kein geeignetes Visum, keine Anmeldung und keinerlei offizielle Unterstützung. Er ist allerdings in seiner Gleichgültigkeit gegenüber Formalitäten und seinem Individualismus typisch amerikanisch – und das von einem Kanadier.