Alerta Bokförlaget

Liebe, Freundschaft und Rock n'Roll (13)

Blog-Eintrag   •   Dez 22, 2012 10:47 CET

Leseprobe aus dem Dokumentarroman "Liebe, Freundschaft und Rock n'Roll"

Von himmlischer Musik wurde sie aus ihren Gedanken geweckt. Bei einem Tisch weiter weg standen drei Geiger, drei Zigeunerjungen. Der eine spielte auf einer fast schwarzen Geige und er spielte mit einer eigenartigen sinnlichen Intensität, den Bogen führte er mit weicher Eleganz über die Saiten, die schmachtende wunderbar klingende Töne von sich gaben und die Atmosphäre zum Vibrieren brachten. 

Die Intensität der Musik nahm unentwegt zu, der Bogen des Jungen bewegte sich über die Saiten in einem immer intensiveren Tempo bis die Musik plötzlich zum Stillstand kam. Das Publikum war entzückt, man klatschte begeistert in die Hände und die drei Musikanten zogen zum nächsten Tisch weiter und dann zum übernächsten. Am Ende standen sie bei Helenas Tisch und der Mann sah die Aufregung in ihren Augen und ahnte, wie seine Musik sie berührte. Er kam ihr immer näher und sah ihr tief in die Augen, nickte seinen Mitspielern zu und begann einen Tanz von Johannes Brahms zu spielen. Helena erkannte ihn sofort, Tanz Nummer fünf. Sie hatte ihn gut gelernt und oft genug zusammen mit ihrem Lehrer, Herrn Gentzel, in der Schule gespielt. Sie stampfte den Takt mit dem rechten Fuß und hatte Schwierigkeiten, am Sessel sitzen zu bleiben. 

Plötzlich reicht ihr einer der Geiger sein Instrument, sie steht auf, nimmt ihm die Geige aus der Hand, setzt an und zieht den Bogen versuchsweise über die Saiten.„B-dur“ flüstert der Geiger. Helena zählt den Takt, und jetzt ist sie drinnen, jetzt spielt sie mit. Sie fixiert den Bogen des Mitspielers, folgt ihm, der Tanz wird zu einem Rausch, ein Rausch, der viel stärker ist, als je der des Weines. Das Publikum hilft mit, sie stehen schon auf, laufen auf die Tanzfläche, die Männer fassen ihre Frauen um die Taillen und sie stolpern herum eins, zwei, eins, zwei, rund in einem wilden Tanz. Wenn der Tanz zum zweiten oder dritten mal gespielt worden ist, bleibt die Musik genau so plötzlich stehen wie sie begonnen hat. Die Tanzenden kehren wieder zu den Tischen zurück und auf ihren Tellern liegt das Fleisch in der Sauce, nunmehr zu Gelee verwandelt.Die Stimmung im Saal ist lebhaft, man schiebt die kalten Speisen zur Seite und ruft den Ober, der den Kellner beauftragt, Getränke den durstenden Gästen zu kredenzen.Helena, noch immer von der Musik berauscht, lässt sich schwer auf den Stuhl fallen. 

Sie bemerkt zuerst nicht, dass sie allein bei Tisch ist. Als sie sich umdreht, um ihr Wasserglas aufzufüllen, ist der Tisch leer. Verwundert schaut sie auf die Tanzfläche, er liegt ebenfalls verlassen. Vergebens wartet sie, sucht mit dem Blick in jede Ecke, aber ihre Freunde sind spurlos verschwunden. Sie erinnert sich noch an die Zimmernummer und fährt mit dem Lift in den zweiten Stock. Die Tür zum Raum Nummer zweihundertzehn ist zu. Sie klopft vorsichtig an und hofft, dass sie nicht bei der verkehrten Tür angelangt sei. 

Sobald Wolfgang die Tür aufmacht, bemerkt sie an seinem Gesicht, das etwas sehr falsch gelaufen ist.

„Kommst du schon?“

„Ihr seid verschwunden gewesen.“

„Du warst ja so beschäftigt. Ich wollte dich nicht stören und auch niemand anderer legte Wert darauf.“

„Ich habe ja gespielt….“

„Eben! Hattest du etwa einen Sonderauftrag als Unterhalter oder etwas?“

Helena betrachtet aufmerksam den bunten Teppich.

„Du hast ja überhaupt kein Gefühl für das was anständig ist! Da aufzustehen und sich vor allen Leuten lächerlich zu machen!“ 

Er umwanderte sie wie ein Jäger sein Wild.

 „Da strengen wir uns an, einen netten Abend zu machen und dann müssen wir uns deinetwegen schämen! Du glaubst doch nicht, dass wir mit Leuten verkehren wollen, die sich nicht benehmen können?"

 „Ich habe euch doch keine Schande gemacht, ich habe ja nur Geige gespielt und die Leute schienen sich zu amüsieren!"

„Versteh doch, dass wir so etwas nicht dulden können. Du warst ja direkt herausfordernd. Und, überhaupt, wie du diesem Tschuschen in die Augen geschaut hast! …„Und ich schäme mich in der Gesellschaft einer Halbdame zu sein, die hergeht und jedem dahergelaufenen Zigeuner Augen macht. Eine richtige Dame benimmt sich nicht so, jedenfalls in diesem Lande nicht. Kann sein, dass man so ein Benehmen in Schweden duldet. Da sind ja alle Frauen aus dem gleichen Holz, aber hier in diesem Land haben die Frauen Stil, verstehst du! Stil! Keine Dame würde sich je vorstellen können, so wie du aufzutreten!“

Wolfgang geht ins Bett. Bei der Tür steht Helena und kann sich nicht entscheiden. Wohin jetzt?

Leseprobe aus  „Liebe, Freundschaft und Rock n' Roll"

"Kärlek, vänskap och Rock n' Roll" ist der schwedische Titel dieses Buches.

 Lilian O. Montmar, Schriftstellerin

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