Alerta Bokförlaget

Mein Freund aus Metaponto (11)

Blog-Eintrag   •   Apr 09, 2013 16:16 CEST

Barbro trifft sich häufig mit ihrer gleichaltrigen österreichischen Freundin Roswitha. Die jungen Mütter führen ihre Kleinkinder im Park spazieren.

 „Sag mal, hast du jemals bereut, dass du von Österreich nach Deutschland übersiedelt bist?”

„Du meinst gerade nach Deutschland?”

„Im Ausland zu leben ist doch schwer. Und du hattest ja auch den Jungen.”

„Nein, Fredrik habe ich bei den Eltern und meiner älteren Schwester Erika lassen müssen. Ich hatte doch keine Möglichkeit ihn zu pflegen. Mein griechischer Freund hat mir ja klipp und klar ins Gesicht gesagt, dass seine Familie mich niemals akzeptieren würde. Sie bezahlten sein Studium in Wien und würden die Geldzuwendungen einstellen, wenn er, anstatt zu studieren, Mädchen schwängerte.”

„So sind sie, die Mannsbilder! Zuerst drängen sie sich uns auf und dann wollen sie nichts mehr von uns wissen, wenn wir schwanger sind.“

„Der Grieche hat noch gemeint, ich hätte mich schützen müssen. Es wäre meine Sache gewesen, aufzupassen. Davon habe ich damals nichts gewusst. Keiner hatte mit mir darüber gesprochen, wie ich aufpassen könnte. Ich glaubte, der Mann passt auf!“

„Es gibt doch Kondome!“ 

„Ich weiß nicht wie ein Mädchen ein Kondom tragen könnte! Jedenfalls, du kannst dir die Schande vorstellen! Aber mein Vater ist ein patenter Kerl, er machte mir nie Vorwürfe, obwohl er sicher auch traurig war, schüttelte nur den Kopf, schaute mich an und sagte: „Das hier werden wir auch lösen!“

Die Mama wollte, dass ich das Kind sofort abtreibe und ich war damit einverstanden. Ich war ganz einfach entsetzt, dass ich ein Kind zu Welt bringen musste und wollte es nur los werden. Der Vater protestierte vehement, etwas, was für ihn sehr ungewöhnlich war. Er war sonst meistens damit einverstanden was die Mutter bestimmte, aber diesmal nicht, diesmal bestimmte er!“

„Wie hättet ihr das auch anstellen wollen, ich meine das mit der Abtreibung?“

„Da gibt es doch immer Möglichkeiten, ungesetzlich ist es schon, aber… du weißt, es gibt doch Frauen, die…“

„Das ist doch gefährlich, die machen es ja mit unreinen Instrumenten, irgendwo, irgendwie… Das würde ich mir nie antun!“

„Unglücklich war ich schon, als ich Fredrik gebar. Vielleicht wollte ich mich unbewusst wehren. Ich wollte ganz einfach die Mutterschaft nicht, sie fühlte sich unnatürlich an. Weil ich beim Stillen keine Milch für ihn hatte, biss er mich, als er versuchte, das was es nicht gab, herauszuholen. Erika fütterte ihn mit Flaschenmilch ab und behauptete, dass er wohl spüren müsste, dass ich ihn ablehnte. Ich war bestimmt nicht sehr geschickt. Jedenfalls beschloss ich, dass ich als Mutter ungeeignet bin, und deshalb wäre es für uns alle eine Wohltat, dass ich nach Deutschland verschwinde. Ich hatte noch keinen Beruf, wollte aber Krankenschwester werden.“

„Konntest du denn den Beruf nicht in Wien lernen?“

„Ich weiß es nicht, es passte mir einfach abzuhauen und keiner sagte etwas dagegen. Vielleicht war das eine gute Lösung für meine Eltern, sie haben sich nicht täglich schämen müssen. Ich ließ Fredrik in Obhut meiner Familie und fuhr ab. Der liebe Gott wird mich sicher dafür strafen, aber den Fredrik habe ich mir abgewöhnt, ich denke eigentlich nicht mehr an ihn als mein Kind, es ist ganz anderes mit Johannes hier!“

Ausschnitt aus "Mein Freund aus Metaponto"

Sowohl die deutsche wie auch die schwedische Ausgabe: ( "Min vän från Metaponto") sind bei Adlibris, Bokus, Bokia, CDON und in jeder Buchhaltung erhältlich.

Alle meine zehn Dokumentarromane sind auf der  Homepage: http://home.swipnet.se/Alerta ersichtlich.

Siehe auch http://urplay.se/Produkter/174398-En-bok-en-forfattare-Maria-Magdalena-Mathsdotter

Das Program ist auf schwedisch und handelt von einer jungen Samefrau und ihrem Mut, den König aufzusuchen und um Hilfe für bessere Schulen für die Samekinder zu erbitten.

"Maria Magdalena Mathsdotter - Kungen, samekvinnan och den franske pastorn"