Alerta Bokförlaget

Mein Freund aus Metaponto (17)

Blog-Eintrag   •   Jun 21, 2013 10:25 CEST

Erika rief mich bei der Arbeit an und wollte mit mir ein Treffen ausmachen, „spätestens morgen“, wie sie sich ausdrückte. Sie wirkte sehr gut aufgelegt und fröhlich verspielt. So hatte ich ihre Stimme seit Jahren nicht mehr erlebt. Ich war ein wenig sauer auf sie gewesen, weil sie versprochen hatte, bei mir zu Hause Geburtstagskaffee zu trinken und ich hatte zu diesem Zweck eine Torte gebacken. Ich hatte den ganzen Nachmittag auf sie gewartet, aber sie war nicht gekommen. Am Telefon machte ich ihr einen diesbezüglichen Vorwurf und sie wurde ein wenig von meiner Aufrichtigkeit überrascht und erklärte mir kleinlaut, dass sie mir eine grüne Bowleschale mit dazugehörigen Gläsern gekauft habe, und dass jemand sie, auf dem Weg zu mir, in der Straßenbahn beim Aussteigen gestoßen habe, sodass das Paket auf die Straße gefallen sei und alles kaputt ging. Sie genierte sich, ohne Geschenk zu mir zu kommen, deswegen ging sie gleich auf die gegenüberliegende Straßenseite und fuhr mit dem Tram geradewegs wieder nach Hause.  Damals hatten wir zu Hause kein Telefon und sie konnte mich nicht verständigen. Dann meinte sie wohl, dass das Ganze überspielt sei und machte sich diesbezüglich keine Gedanken mehr. 

So ist sie, meine Freundin Erika! Als ich nach Hause kam wartete Erika schon im Treppenhaus. Da stand sie freudestrahlend, ausgestattet in einem neuen hellblauen Kostüm und mit frischgemachter Dauerwelle. Sie hielt einen Blumenstrauß in der Hand zusammen mit der obligaten Originalsachertorte aus der Kärntnerstraße. Um diese Zeit kannten wir uns schon über zehn Jahre lang und ich kann deswegen behaupten, dass wir uns in unseren Gefühlbewegungen ziemlich genau kannten. Hier sah ich gleich, dass etwas Wichtiges im Gange war und ich wurde sehr neugierig. 

Wir machten uns schnell den Tratschkaffee, legten den Tisch und machten es uns auf dem Tratschsofa bequem.

„Bitte, erzähle, bevor ich zerspringe!“

„Ich mache ja schon! Gewiss wurde ich verunsichert, ja direkt skeptisch als Roswitha mich anrief und mich nach Seesen über das Wochenende einlud, denn es gehört nicht zum Alltag, dass ich diese lange Reise über Samstag-Sonntag mache.  Ich dachte mir, dass sie vielleicht mit Christian Streit hatte und dass er vielleicht neben ihr am Telefon stand und sie sich deswegen nicht frei sprechen konnte. Manchmal ist sie sehr kurz am Telefon, aber dann ruft sie mich später an und erklärt die Situation.

Ich nahm also den Zug nach Seesen und für den Samstagabend hatten Roswitha und Christian ein kleines Fest vorbereitet. Viele alte Bekannte kamen zu Besuch, unter anderen Nicos Bruder und seine Schwester, die ich schon seit früher kenne. Nico war auch da und es wurde ein schönes Fest, wir dinierten gut und tranken Wein dazu, nachher gab es Kaffee und Torte. 

Später am Abend fragte mich Nico, ob wir nicht zusammen spazieren gehen wollten. Ich hatte natürlich nichts dagegen. Er versuchte meine Hand zu halten, aber ich zog vor, kein großes Interesse zu zeigen. Er fragte, ob ich ihn nicht gut leiden könne, und was antwortet man auf so etwas? Ich sagte natürlich, dass ich ihn nett fände und nichts weiteres passierte an dem Abend. 

Am Sonntag wollte ich nach Hause fahren und er wollte mich unbedingt zum Zug begleiten. Als ich in den Zug einsteigen wollte, trug er gleich meinen kleinen Koffer ins Abteil, beugte sich vor und gab mir plötzlich einen Kuss mitten auf dem Mund, und es war als würde ein elektrischer Strom von ihm in mich sich verpflanzt haben, dann verschwand er rasch aus dem Zug und ich sah ihn auf dem Gleis stehen, dem Zug nachzuschauend. Er machte mir einen einsamen Eindruck. Auf dem Heimweg kamen mir viele Gedanken. Mit gemischten Gefühlen saß ich da. Was hatte dieser Besuch zu bedeuten? Seit dem Gasunglück vor vielen Jahren hatte ich keinen Mann mehr angeschaut, nun war ich aber sehr verwirrt. Dann, gestern bei der Arbeit, bekam ich einen Anruf von Seesen“.

„Von Roswitha?“

„Nein, es war Nico. Kannst du dir vorstellen, er mir einen Heiratsantrag gemacht! Er fragte ob ich ihn heiraten möchte! Und die Antwort wollte er auch gleich haben“.

Auszug aus Kapitel 2 der Biographie „Mein Freund aus Metaponto" (Siehe www.adlibis.com)

(Alle meine zehn Dokumentarromane sind auf der Homepage: http://home.swipnet.se/Alerta ersichtlich und bei  www.adlibris.com erhältlich.

Siehe auch http://urplay.se/Produkter/174398-En-bok-en-forfattare-Maria-Magdalena-Mathsdotter

Das Programm "En bok - en  författare"  ist auf schwedisch und handelt von einer jungen Samefrau und ihrem Mut, den König aufzusuchen, um Hilfe für bessere Schulen für die Samekinder zu erbitten.

"Maria Magdalena Mathsdotter - Kungen, samekvinnan och den franske pastorn")

Meine 10 Dokumentarromane:

  1. Maria Magdalena Mathsdotter
  2. Kolonisterna på hjortronmyrarna
  3. Kärlek, vänskap och rock n’roll
  4. Liebe Freundschaft und Rock n’roll
  5. Min vän från Metaponto
  6. Mein Freund aus Metaponto
  7. Dimma över Albysjön
  8. TRILOGIE :
  9. Hedersmannen 
  10. Födda i våldets tecken
  11. Solnedgången kan ingen ta ifrån mig

Lilian O. Montmar, Schriftstellerin