Alerta Bokförlaget

Mein Freund aus Metaponto (3)

Blog-Eintrag   •   Feb 20, 2013 11:09 CET

Das kleine Dorf Pisticci gleicht einem kleinen weißen Schmuckstück, wo es so schön oben auf dem Berg in Puglia im Südosten Italiens liegt. Hier lebten damals ungefähr hundert Einwohner und auf den Grundstücken, wo heute große Häuser sind, wuchsen damals Obstbäume. Die Bauern, die in kleinen weißen, dicht aneinander liegenden Häusern wohnten, lebten hauptsächlich von ihren Obsternten. Man erntete große süße Apfelsinen, Zitronen, kleine runde Mandarinen, gelbe Marillen oder Aprikosen, herrliche saftige rote Pfirsiche und süße Feigen. Man hatte damals keine modernen Maschinen wie heutzutage, sondern der Bauer gebrauchte Altherkömmliches, wie Pflug und Esel. 

Die barfüßigen Kinder im Dorf pflückten die reifen aromatischen Früchte und verfrachteten sie in Körben auf Eselrücken den Berg hinunter zu den umliegenden Dorfmärkten. Um in das nächste Dorf zu gelangen, mussten Nico und Dimo eine Strecke von sieben Kilometern zu Fuß gehen. Das Obst wurde an die Markthändler verkauft und es galt, rechtzeitig am Markt zu sein um gute Bezahlung für die Waren zu bekommen. War man spät dran und die Händler hatte schon ihren Bedarf an Obst eingekauft oder war das Obst von schlechterer Qualität, musste man es entweder billiger verkaufen oder die Früchte behalten, etwas, was aber in der Realität eine Unmöglichkeit war, man konnte ganz einfach nicht mit unverkauftem Obst nach Hause zurückkehren.

 Zweimal täglich mussten die Brüder sich auf den Weg in die Dörfer machen, meistens bei glühendem Sonnenschein. Manchmal streikten die Esel und legten sich störrisch nieder. Jeder weiß ja wie beharrlich und stur ein Esel sein kann und wenn das Überreden nicht wirksam war, mussten die Jungen die Tiere peitschen und treten, sodass sie sich wieder auf die Beine stellten. Waren Nico und Dimo zu spät dran um noch Obst zu pflücken, das noch vor Ende der Siesta und bevor die Leute ihre Markteinkäufe am Nachmittag machten, geliefert werden musste, bekamen sie von ihrem Vater Schläge, denn sie sollten lernen fleißig zu arbeiten und den Tag nicht zu vertrödeln. 

Der Vater griff oft zu seinem Riemen, aber meistens brauchte er nur eine Handbewegung zum Hosenbund zu machen und die Jungen verschwanden und trauten sich nicht nach Hause ehe sie sicher waren, dass der Vater schon schlief. Da war manchmal nichts zu essen übrig, denn jeder, der bei Tisch rechtzeitig anwesend war, sah zu, dass er satt wurde und dachte nicht an die, die kein Essen kriegen würden. Immer wenn der Vater Pietro seine wilden Launen hatte, bekreuzigte sich die Mutter Maria und ging rasch aus dem Raum. Sie wagte nie sich einzumischen oder dazwischen zu gehen. 

Vittorio wurde nie geschlagen. Wahrscheinlich war der Vater schon zu alt dazu als Vittorio im Alter war, dass er etwas hätte anstellen können. Vielleicht war der Verschleiß seiner Riemen ihm zum Überdruss geworden?

Ausschnitt aus Mein Freund von Metaponto Kapitel 1 

von Lilian O. Montmar

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