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Wie sich das Leseverhalten im digitalen Zeitalter verändert

Blog-Eintrag   •   Jan 16, 2018 10:43 CET

Diese und viele weitere Fragen haben in den vergangenen Jahren verschiedene Studien zum Gegenstand gehabt. Da jetzt die erste rein digitale Ausgabe des KVD-Fachmagazins SERVICETODAY startet, habe ich mir diese Studien einmal genauer angesehen.

Zunächst einmal kann ich festhalten: Digitale Medien haben das Leben kolossal verändert. Sie kennen es selbst: Heute springt man eher durch Texte, dazu noch von Beitrag zu Beitrag, als sich für lange Texte Zeit zu nehmen. Gehen wir in die erste Forschung: Der Webseiten-Experte Jakob Nielsen hat in seinen Untersuchungen die Blickbewegung von Menschen beim Betrachten von Webseiten analysiert. Sein Ergebnis: Wir scannen die Seiten eher, als dass wir sie intensiv durchlese; Wir wenden uns der ersten Zeile zu, springen zu einem tieferen Absatz und durchforsten ab da dann oft nur noch die ersten Wörter einer Zeile.

In Befragungen an der School of Libary and Information Science, San Jose State University (https://goo.gl/6D39wK) haben vor allem junge Leser angegeben, dass sich ihr Leseverhalten in den vergangenen Jahren verändert hat. Gerade sie springen in Texten eher von Stichwort zu Stichwort, besonders dann, wenn die Texte auf einem Bildschirm und nicht auf Papier vorliegen. Ich denke, auch das kennt man aus der täglichen Praxis.

Die Veränderung im Leseverhalten lässt sich vor allem am Konsum längerer Texte ablesen: Diese werden zwar nach wie vor am liebsten auf Papier gelesen. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es dann aber laut Befragungen zur Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse nur noch 37 Prozent, die längere Texte gedruckt bevorzugen. Der Anteil derjenigen, die bei langen Texten Gedrucktes favorisieren, nimmt - wenig überraschend - mit dem Alter zu.

Grund zur Sorge sieht Leseforscher Sascha Schroeder vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nicht: "Tatsächlich wissen wir sehr wenig darüber, was beim Lesen im Gehirn abläuft und ob die neuen Medien und Leseplattformen überhaupt etwas verändern. Das sind bislang vor allem Spekulationen", betont Schroeder gegenüber Spiegel Online (https://goo.gl/d6NidC). "Für den Leseprozess an sich scheint es zumindest egal zu sein, auf welcher Oberfläche sich der Text befindet", sagt Schroeder in dem Beitrag weiter.

Experimente am College at Brockport (https://goo.gl/9TZfSo) haben gezeigt: Leser bevorzugen weiterhin Papier, lesen darauf auch schneller, aber den Text vom Bildschirm verstehen sie genauso gut wie vom Blatt. Leseforscher Schroeder erkennt in den neuen Geräten eine Chance - für jene, die bisher wenig gelesen haben. Man könnte also sagen: Die digitale Welt ermöglicht generell mehr Menschen einen Zugang zum Lesen.

Das zeigen auch die Ergebnisse einer Skoobe-Studie: Leser, die kostenfrei auf digitale Inhalte zurückgreifen können (zum Beispiel wie bei der eBook-Flat von Skoobe oder Amazon Prime, oder eben bei der SERVICETODAY, deren digitale Nutzung in der KVD Mitgliedschaft enthalten ist), entwickeln ihre Interessen weiter und lesen andere Literatur. Sie nutzten aber weiterhin gedruckte Medien. Interessant ist der Studie nach, dass Leser Medien parallel digital und gedruckt verwenden: Sie beginnen beispielsweise digital und lesen anschließend in der Printversion weiter - oder umgekehrt.

Übrigens: Die Mehrheit (65 Prozent) möchte bestimmte Titel oder Ausgaben lieber physisch besitzen als digital - das kann ich aus meinem eigenen Lesekonsum heraus bestätigen. Bei tollen Stories geht doch nichts über das zusätzliche haptische Erlebnis eines toll produzierten Magazins oder Buches. Sehen Sie das nicht auch so?

Hinweis: Ab sofort ist das KVD Fachmagazin SERVICETODAY auch digital verfügbar. Die Sonderausgabe DIGITAL 18 ist über die App des Magazins kostenfrei verfügbar.

Autor: Michael Braun, Kundendienst-Verband Deutschland e. V.

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