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Leipzig barrierefrei erleben - 3D-Tastmodell des Völkerschlachtdenkmals

News   •   Dez 09, 2015 14:54 CET

Mit dem Tastmodell des Völkerschlachtdenkmals können sich nun auch blinde und sehbehinderte Besucher über Gestalt und Aufbau des Denkmals informieren. Am 8. Dezember 2015 wurde das Modell vom Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Dr. Volker Rodekamp, dem Leiter des Völkerschlachtdenkmals Steffen Poser, Renate Lehmann vom Blinden-und Sehschwachenverband und der Geschäftsführerin des 3D-Druck-Dienstleisters Rapidobject GmbH Petra Wallasch präsentiert.

Barrierefreiheit und Inklusion sind für das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig seit vielen Jahren wichtige Themen. Mit einer Rampe, Personenaufzügen, dem Umbau der Sängergalerie und einem Wegeleitsystem für blinde und sehbehinderte Besucher wurde bisher im Bereich des barrierenfreien Zugangs des Völkerschlachtdenkmals viel erreicht. Das Angebot des Tastmodells ist der erste Schritt, das Denkmal auch inhaltlich für alle erschließbar zu machen.

Das Stadtgeschichtliche Museum hat mit Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Leipzig e.V. ein 91 cm hohes Modell des Denkmals im Maßstab 1:100 erarbeitet. In Zusammenarbeit mit der Rapidobject GmbH wurde das innovative Fertigungsverfahren des 3D-Drucks gewählt und ein 3D-Druck Modell des Völkerschlachtdenkmals in Kunststoff gefertigt. 
Auf der Grundlage von historischen Plänen und Fotografien sowie aktueller Fotoaufnahmen per Drohne wurden riesige Datenmengen zusammengetragen. Ausgewählte Details des Denkmals wie die Totenmasken, die Kolossalfiguren oder auch das Schlachtrelief mit St. Michael am Eingangsportal wurden zusätzlich separat abgescannt. Aus den Daten entstand am Computer zunächst ein virtuelles Abbild, bevor es von einem 3-D-Drucker als reales Modell hergestellt wurde. Doch nicht allein die äußere Gestalt des Denkmals ist so erfahrbar. Gleich einer angeschnittenen Geburtstagstorte „fehlt“ ein Viertel und erlaubt tastende Einblicke in das Innere des Gebäudes mit seinen Figuren, verschiedenen Ebenen und der großen Reiterkuppel. Das Modell richtet sich sowohl an Blinde als auch die sehenden Gästen und erleichtert künftig allen Besuchern die Orientierung im 91 Meter hohen Bauwerk.

Bereits am 15. Oktober 2015 wurde das inklusive Angebot des Stadtgeschichtlichen Museums im Alten Rathaus ergänzt. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) und der Kreisorganisation Leipzig des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen e.V wurden taktile Karten vom Stadtmodell entwickelt, die blinden und sehbehinderten Gästen einen inhaltlichen Zugang zu diesem besonderen Exponat ermöglichen. Auf vier Transparentreliefs können Ausschnitte des historischen Leipzigs ertastet werden. Die Legende erläutert Details in Blindenschrift und Großdruck. Durch das Tieferlegen des Stadtmodells sowie die offene Neugestaltung mit Glaswänden wird auch Kindern und Besuchern im Rollstuhl ein virtueller Stadtrundgang um das Jahr 1822 möglich.

Einen Überblick der inklusiven Angebote der Häuser des Stadtgeschichtlichen Museums bietet die Seite: http://bit.ly/1OSVNHg

Redaktion: Franziska Schmidt