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„Ich konnte das Essen nicht mehr kontrollieren“

Pressemitteilung   •   Apr 14, 2009 14:30 CEST

Bad Bodenteich, 14. April 2009. Etwa 150 Kilo hatte Joachim Werner abgenommen, als er Ende vergangenen Jahres nach neun Monaten die MediClin Seepark Klinik in Bad Bodenteich verließ. An seinem ersten Tag in der Rehaklinik wog der 2,07 Meter große Schleswig-Holsteiner fast 300 Kilo, heute sind es noch knapp 150. Weitere Kilos wird er verlieren, wenn die überschüssige Haut an Bauch und Beinen entfernt wird. Für den 40jährigen ist es das hoffnungsvolle Ende eines steinigen Weges. Joachim Werner ist zurück im Leben.

Herr Werner, in Ihrer schwersten Zeit wogen Sie fast 300 Kilogramm. Wie kam es dazu?

Das war ein schleichender Prozess. Eigentlich war ich schon immer ein bisschen korpulenter. Mit 18 Jahren wog ich 100, 120 Kilo. Hätte ich das gehalten, wäre es okay gewesen. Aber es wurde immer mehr. Eine Mahlzeit, bestehend aus neun Bratwürsten und drei Portionen Bratkartoffeln, war keine Seltenheit. Bei mir hatte es auch viel mit Trauer zu tun, mein Vater war ein paar Jahre zuvor verstorben. Kummer, Einsamkeit und Stress waren die Auslöser für meine Krankheit. Irgendwann konnte ich das Essen nicht mehr kontrollieren.

Mit welchen Mitteln wurde Ihre Adipositas behandelt?

Im März 2008 wurde mir im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf ein Stück des Magens entfernt. Anfang April 2008 kam ich in die MediClin Seepark Klinik in Bad Bodenteich. Die ersten Wochen waren schwer, ich litt unter Übelkeit und hatte durch das lange Liegen Kreislaufprobleme. Mein Physiotherapeut hatte das richtige Maß, mich voranzutreiben und gleichzeitig Rücksicht zu nehmen. Wir hatten ein spezielles Fahrrad-Ergometer, mit dem ich im Liegen trainieren konnte, um Muskeln in den Beinen aufzubauen. Außerdem gab es Bewegungstherapie, Kunsttherapie und autogenes Training. Als ich mich im Schwergewichts-Rollstuhl fortbewegen konnte, habe ich auch an den psychotherapeutischen Gesprächsrunden in der Klinikteilgenommen. In diesem Jahr wird mir in mehreren Operationen die überschüssige Haut an Bauch und Beinen entfernt werden. Zuvor muss mein Gewicht einige Monate lang stabil bleiben. Nach der Operation habe ich vor, noch mal für einige Wochen in die MediClin Seepark Klinik zu kommen.

Was bietet die MediClin Seepark Klinik adipösen Patienten außer den Therapien?

Dort gibt es zum Beispiel ausreichend große Betten und Duschen, einen Hebekran oder Toiletten, die etwas höher angebracht sind. Knapp zwei Jahre konnte ich mich zuhause nicht mehr richtig waschen. In der Klinik gibt es einen Deckenlift, der über Schienen an der Decke läuft, und der mich in die Dusche hob. Es war sehr schön, als ich mich das erste Mal wieder selbstständig duschen konnte. Und ich konnte mich in einem speziellen Bett mit einer integrierten Waage wiegen. Zu Beginn meiner Rehabilitation habe ich dieses Bett komplett ausgefüllt. Heute könnte locker eine zweite Person daneben liegen.

Wie hat die Zeit in der Klinik Sie verändert?

Zuerst einmal wiege ich jetzt ungefähr 150 Kilo statt 300. Mein Traum wären 115 bis 120 Kilo, immerhin bin ich über zwei Meter groß. Nach der Entfernung der überschüssigen Haut will ich das erreichen. Auch innerlich habe ich mich verändert. Einer meiner Pfleger in der Klinik notierte, wie ich mich entwickelt habe. Anfangs schrieb er: er ist sehr still, redet nicht, nimmt nicht am Leben teil. Durch die Krankheit habe ich mich mehr und mehr zurückgezogen und keine Gefühle zugelassen. Ich hatte Angst und war depressiv. Zu den Schwestern und Pflegern habe ich zunächst nur das nötigste gesagt. Als ich die Klinik verließ, notierte der Pfleger: lacht viel und ist gern in Gesellschaft.

Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Früher habe ich in unserem Familienbetriebvieles allein gemacht. Meine Mutter und meine Schwester wollte ich aus allem heraushalten, wir haben wenig miteinander geredet. Das haben wir jetzt geändert. Die Ernährung wird umgestellt, es gibt regelmäßiges Essen morgens, mittags und abends zu festen Zeiten. Und wir wollen in Gesellschaft essen, nicht mehr allein. Sportlich gesehen will ich auf jeden Fall mit demWalken weitermachen. Und ich werde wieder angeln gehen, auch wenn das kein anstrengender Sport ist. Ich will langsam anfangen, etwas spazieren gehen, vielleicht wieder Fahrrad fahren.

Über die MediClin Seepark Klinik

Die MediClin Seepark Klinik in Bad Bodenteich ist eine Fachklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Neben einem Zentrum für Schmerztherapie und einem Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familientherapie befindet sich in der Klinik ein Zentrum für Essstörungen. Seit März 2008 können in einem speziell eingerichteten Adipositas-Zentrum für Rehabilitation und Mobilisation schwerst adipöse Patiensten mit einem Körpergewicht von bis zu 400 Kilogramm behandelt werden. Insgesamt stehen 40 Behandlungsplätze für die Adipositas-Therapie zur Verfügung. Die MediClin Seepark Klinik verfügt über 195 Betten und beschäftigt 123 Mitarbeiter.

Über die MediClin

Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 33 Klinikbetrieben, sieben Pflegeeinrichtungen, drei Medizinischen Versorgungszentren und einem Hotel für Gesundheit und Erholung in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.900 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 7.800 Mitarbeiter.

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