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"Krafttraining effektiver als jedes Kalzium-Präparat"

Pressemitteilung   •   Nov 22, 2006 14:50 CET

Bad Düben, im November 2006. Mit dem Ansehen von Krafttraining steht es nicht zum Besten: Wer an Übungen zum Aufbau der Körpermuskulatur denkt, hat häufig das Bild von jungen Männern vor Augen, die mit ihren geölten und nicht selten mit chemischen Hilfsmitteln aufgebauten Muskeln vor einem Spiegel posieren. Dabei ist Krafttraining keineswegs nur etwas für Narzissten, sondern für jeden, der auf den Erhalt seiner körperlichen Leistungsfähigkeit Wert legt. Ein wesentliches Merkmal des Alterungsprozesses ist schließlich neben Einschränkungen der Beweglichkeit und Koordination die verminderte Muskelkraft – die bei Frauen ab dem 30. und bei Männern bereits ab dem 25. Lebensjahr kontinuierlich nachlässt.
Defizite, die den aktiven Bewegungsapparat betreffen, haben im Alter besonders negative Auswirkungen. "Etwa drei Viertel der Altersunfälle, die wir im Waldkrankenhaus operieren, sind auf nicht mehr ausreichende Kraft und Koordination zurückzuführen", sagt Prof. Dr. Christian Melzer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie im Waldkrankenhaus Bad Düben, einer Klinik der MediClin. "Dabei ist das Schwinden der Kräfte im Alter kein Naturgesetz. Häufig ist es lediglich Ausdruck von Inaktivität und einer passiven Lebensweise. Tatsächlich können körperliche Leistungsdefizite durch ein entsprechendes Training relativ lang aufgehalten bzw. vermieden werden."

Krafttraining zum Schutz vor Brüchen und Osteoporose
Durch das Training an Gewichten, speziellen Maschinen oder am Theraband wird sowohl die Muskelkraft und Koordination verbessert als auch Bänder und der Gelenkapparat insgesamt gestärkt – und dies unabhängig vom Alter. Empirische Untersuchungen zeigen eindeutig, dass Menschen im höheren Lebensalter genauso auf Trainingsreize reagieren wie junge Menschen. "Besonders untrainierte ältere Menschen erzielen beim Krafttraining schnell einen deutlichen Fortschritt, da sie von einem niedrigen Ausgangsniveau ausgehen", so Prof. Melzer. Darüber hinaus wird eine insgesamt verbesserte Durchblutung erzielt – schließlich ist die Muskulatur das größte Organ des menschlichen Körpers.

Besonders Frauen profitieren von einer weiteren positiven Auswirkung des Muskeltrainings: Auf das Knochengewebe wirkt es ganz ähnlich wie auf die Muskulatur. In beiden Fällen wird durch einen Trainingsreiz eine Anpassung des Körpers an die Belastung erzielt. So regen die Kräfte, die beim Krafttraining auf den Knochen wirken, die Aktivität der Knochenbildungszellen an. Schon nach einem halben Jahr regelmäßigen Krafttrainings erhöht sich die Knochendichte signifikant. "Von 20 operierten Patienten mit Oberschenkelhalsbruch sind 19 über 60 Jahre alt und weisen eine mehr oder weniger weit fortgeschrittene Osteoporose auf. Im gezielten Training der Muskulatur steckt demnach ein noch viel zu selten wahrgenommenes Potenzial zur Entlastung des Gesundheitssystems", betont Prof. Melzer.

Tatsächlich konnten Studien (u.a. der Uni Bochum sowie Campbell 1998) eindeutig nachweisen, dass ältere Menschen, die Koordinations- und Kraftübungen absolvieren, durch das verbesserte Zusammenspiel der Muskelgruppen seltener stürzen. Kommt es dennoch zu Unfällen, so sind diese durch die erhöhte Knochendichte weit weniger gravierend als bei untrainierten Personen. "Regelmäßiges Training der Muskulatur – besonders in Kombination mit Koordinationsübungen – ist daher im doppelten Sinne Prophylaxe vor Sturzverletzungen und schlägt jedes noch so hoch dosierte Kalzium-Präparat um Längen", so Prof. Melzer.

Wie sinnvolles Krafttraining im Alter aussieht
Grundsätzlich sollten sich Menschen, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr sportlich aktiv sind, vor Aufnahme des Trainingsplans ärztlich untersuchen lassen. Auch die Intensität der jeweiligen Übungen sollte sich nach dem Trainingszustand richten. "Untrainierte sollten mit höchstens 40 Prozent der maximalen Belastung beginnen und sich im Laufe der Zeit auf etwa 70 Prozent steigern", so Prof. Melzer. "Eine zu hohe Intensität birgt besonders im Alter das Risiko, Bänder, Sehnen und Muskeln zu überfordern und zu verletzen."

Im Mittelpunkt des Trainingsplans sollten Übungen zur Kraftausdauer stehen, welche die Extremitäten sowie die Hauptmuskelgruppen des Rumpfes stärken. Diese Muskelgruppen verrichten tagtäglich durch ihre Haltefunktion im Stütz- und Bewegungsapparat viel Arbeit. "Ein drei Mal die Woche durchgeführtes Training der Muskulatur erleichtert im Alltag das Tragen von Lasten, das Überwinden von Widerständen, sorgt für einen sicheren Stand und verbessert die Reaktionsfähigkeit", betont Prof. Melzer. "Mobilität und Eigenständigkeit im Alter ist keine Frage des Schicksals, sondern hängt davon ab, wie viel Mühe jeder Einzelne in den Erhalt seiner körperlichen Leistungsfähigkeit investiert."


Über das Waldkrankenhaus Bad Düben
Das Waldkrankenhaus Bad Düben gehört zur MediClin und ist eine Fachklinik für Wirbelsäulenerkrankungen, Endoprothetik, Kinderorthopädie, Arthroskopie, Handchirurgie und Schmerzbehandlung, orthopädische Chirurgie, Sport- und Unfallverletzungen, Rheumatologie. Zum Standort Bad Düben gehört außerdem das Reha-Zentrum Bad Düben. Das Waldkrankenhaus verfügt über 150 operative Betten und beschäftigt 223 Mitarbeiter.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und einer der größten Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.700 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

 

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