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Mit der Diagnose "Brustkrebs" kommt die Angst

Pressemitteilung   •   Mär 03, 2006 10:40 CET

Offenburg, im März 2006. Die Diagnose Brustkrebs stürzt viele Frauen in eine tiefe Lebenskrise. Ängste, zu sterben oder nicht mehr für das andere Geschlecht attraktiv zu sein, kommen hoch. Knapp 30 Prozent der Frauen, so Schätzungen, fühlen sich nicht mehr weiblich und selbstbewusst wie früher und können sich weniger gut mit ihrem Körper identifizieren. Jede zweite Frau hat Probleme mit ihrer Sexualität. Mit Hilfe kognitiver, emotionaler und handlungsbezogener Bewältigungsstrategien können Patientinnen wieder Selbstvertrauen entwickeln. "In der Psychoonkologie geht man davon, dass bis zu 20 Prozent aller Patienten psychotherapeutische Hilfe benötigen", berichtet Dr. Dieter Pütz, Chefarzt Psychosomatik und Verhaltensmedizin an den Deister Weser Kliniken, einer Klinik der MediClin. Dr. Pütz hilft Brustkrebs-Patientinnen mit ihrer Erkrankung seelisch klar zu kommen.

Seit Monika S. von ihrem Arzt erfahren hat, dass sie Brustkrebs hat, ist nichts mehr wie es einmal war. Obwohl die Ärzte ihr gesagt haben, dass die Operation und die Chemotherapie geholfen haben, hat sie körperliche Beschwerden, die ihr jedes Mal Angst machen, es könnten sich in ihrem Körper Metastasen gebildet haben. Wenn sie nur das Wort Brustkrebs hört und liest, schlägt ihr das auf den Magen. Ihr wird schlecht, sie wird nervös und fühlt sich völlig unfähig, irgend etwas zu tun. Ganz zu schweigen von der Sexualität. Jede vierte Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland betrifft die Brust. Damit ist die Erkrankung die häufigste Krebsart bei Frauen. Mit zunehmenden Alter, vor allem ab dem vierten Lebensjahrzehnt, steigt das Brustkrebsrisiko.

"Mit der Diagnose Krebs beginnt die psychische Ausnahmesituation. Je nach Persönlichkeit antworten Patientinnen mit Fatalismus oder auch kämpferischer Haltung. Durch die psychischen Belastungen drohen Depressionen und Angststörungen. Schuldgefühle stellen sich ein," weiß Dr. Pütz. Für den Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin an den Deister Weser Kliniken, MediClin, kommt es bei der Behandlung Tumorkranker nicht allein darauf an, die "Kranken am Leben, sondern vielmehr im Leben zu halten". Die organbezogene Behandlung bedarf demnach der Ergänzung einer psychosozialen Behandlung. Dr. Pütz: "Die Patientin muss lernen, ihren Platz im Leben trotz veränderter Bedingungen wieder einzunehmen. Dazu sind entsprechende Verhaltensmuster zu entwickeln." Im Wesentlichen komme es darauf an, eine vernünftige Synthese zwischen somatisch-naturwissenschaftlichem, medizinisch-soziologischem und psychologischem Krankheitsverständnis zu finden. Die Rehabilitation setzt auf eine an den Bedürfnissen und der Lebensplanung der Patientin ausgerichtete Nachsorge. Das therapeutische Konzept orientiert sich dabei an der Verhaltensmedizin. "Wenn sich die Patientinnen erst einmal auf die Behandlung eingelassen haben, gibt es kein besseres Lernfeld, als eine verhaltensmedizinische psychosomatische Fachklinik", so Dr. Pütz. Die Herausnahme der Erkrankten aus ihrem sozialen Umfeld sei oft unabdingbare Voraussetzung für eine Besserung. Durch die stationäre Behandlung könne die Patientin schneller Verhaltensänderungen annehmen und profitiert von der "therapeutischen Gemeinschaft" innerhalb der Klinik.

Die Behandlung umfasst Gruppen- und Einzeltherapie, Ergo-, Sport- und soziotherapeutische Maßnahmen sowie Musik- und Integrative Bewegungstherapie. Nach der ausführlichen Anamnese und der eingehenden körperlichen Diagnostik werden die Patientinnen in einer speziellen Gruppe zusammengefasst, die sich mit dem subjektiven Krankheitsmodell beschäftigt. Dabei ist die Kombination verschiedener Behandlungsangebote ebenso wichtig wie der Kontakt zu Mitpatientinnen mit ähnlichen Krankheitsbildern. "Die psychologische Diagnostik ist aber erst dann möglich, wenn sich die Patientin mit dem Krankheitsverständnis angenommen fühlt", sagt Dr. Pütz. Grundsätzliche Ziele bei der psychosomatischen Behandlung brustkrebskranker Frauen sind unter anderem die Wiederherstellung oder Besserung der körperlichen, seelischen und sozialen Integrität sowie die Veränderung der Lebensweise im Zusammenhang mit der Erkrankung und ihrer Folgen. Dies kann durch Selbstreflexion, Erleben und Erlernen von neuen Verhaltensweisen für den Alltag geschehen. Strategien zur Krankheitsbewältigung und zum Abbau von Risikofaktoren werden entwickelt.


Interview mit Dr. Dieter Pütz,
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Naturheilkunde an den Deister Weser Kliniken, MediClin

Wechselspiel zwischen Körper und Seele

1. Was bedeutet Psychosomatik?

Jede Erkrankung ist psychosomatisch. Beschreibt Psychosomatik doch das ständige Wechselspiel zwischen Seele und Körper. Nur wenn ein Gleichgewicht besteht, ist der Mensch gesund. Erleben Menschen dieses Wechselspiel als gestört, geraten Körper und Seele aus dem Gleichgewicht. Niemals ist nur die eine Seite allein beteiligt. Psychosomatische Erkrankungen haben keine alleinige seelische Ursache. Sie haben stets einen bio-psycho-sozialen Hintergrund. Psychosomatisch erkrankte Menschen sollten ihr Recht auf Behandlung mit der gleichen Selbstverständlichkeit wahrnehmen, wie körperlich Kranke es tun und sich klarmachen, dass sich bei allen Erkrankungen körperliche, gefühlsmäßige, gedankliche, verhaltensmäßige und soziale Prozesse gegenseitig beeinflussen.

2. Wie läuft eine psychosomatische Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen ab?

Unsere Aufgabe ist es, Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz bei den betroffenen Frauen zu erhöhen und sie dadurch zu befähigen, in ihrem Alltag wieder angemessene Entscheidungen zu treffen und Problemlösungen zu erarbeiten. Wesentliches Ziel dabei ist es, Beziehungen zu stabilisieren und die Kommunikation zwischen den betroffenen Frauen und ihren Angehörigen zu verbessern.

Da viele Patientinnen erstmalig in einer psychosomatischen Fachklinik sind, werden sie in den ersten Tagen von einem Patenpatienten betreut. Der Pate ist ein Mitpatient, der schon länger in der Klinik ist. Wir erklären ganz genau, wie die Behandlung abläuft. Dadurch werden Ängste und Hemmungen abgebaut. Eingehende körperliche Untersuchungen und das erste therapeutische Gespräch am Aufnahmetag ergeben dann den psychiatrisch/körperlichen Befund. Daraus wird eine Arbeitsdiagnose formuliert und diagnostisch-medizinische Maßnahmen werden geplant.

In der ersten Therapiesitzung geht es darum, die Therapieziele zu ermitteln und festzulegen. Gemeinsam mit der Patientin plant der Bezugstherapeut die einzelnen Schritte, die dann in den verhaltenstherapeutischen Gruppentherapien, aber auch in der Einzeltherapie sowie unterstützenden therapeutischen Maßnahmen umgesetzt werden. Angebote aus der Sporttherapie, der Ergotherapie, der physikalischen Therapie und der Soziotherapie komplettieren das Behandlungsprogramm.

3. Was ist die Aufgabe der Rehabilitation?

Jede chronische Erkrankung – dazu zählen wir auch Krebserkrankungen – fordern von den Betroffenen Anpassungsleistungen, die uns allen nicht in die Wiege gelegt wurden. Die Akutmedizin geht aber davon aus, dass wir das ohne weitere Unterstützung können müssten. Da solche Prozesse sowohl auf körperlichem und seelischem Gebiet als auch im sozialen Bereich gefordert sind, ist keine Berufsgruppe allein in der Lage, solche Krankheitsbilder und ihre Folgen zu behandeln. Sie können es nur gemeinsam.

Und hier kommt die Rehabilitation ins Spiel. Voraussetzung jeder Behandlung ist immer eine gute somato-psychische Diagnostik , d.h., eine solide körperliche Funktionsdiagnostik mit entsprechender apparativer Ausstattung, eine gründliche Psychodiagnostik und fundierte Sozialanamnese in Verbindung mit den vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten einer Rehabilitationsklinik. Es gilt, die Frauen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen ein multiprofessionelles Behandlungsangebot zu machen, das auch die Naturheilverfahren einbezieht, aber sich auf dem Boden der Schulmedizin bewegt. Andere alternative Angebote, die außer hoher finanzieller Belastung und unhaltbarer Heilversprechen den Betroffenen nichts bringen, gehören nach dem Selbstverständnis der Klinik nicht dazu. Daher ist es auch Aufgabe der Rehabilitation, aufzuklären, neu zu justieren, zu unterstützen und Informationen zu geben sowie Anleitungen zur Verhaltensänderung aufzuzeigen, die die Patientinnen zu Expertinnen ihres Verhaltens und zu Spezialistinnen für ihre eigene Erkrankung machen.

 

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber. Mit 30 Klinikbetrieben, sieben Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von circa 7.800 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

 

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