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Von Gefühlen gelenkt

Pressemitteilung   •   Apr 13, 2006 11:30 CEST

Offenburg, im April 2006. Transusen, Chaosprinzessinnen und Löwenmütter. So werden sie im Volksmund genannt. Frauen, die an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, leiden. "Während bei Jungen und Männern der Verlauf und die Erscheinungsformen von ADHS gut untersucht sind, besteht bei Mädchen und Frauen noch Klärungsbedarf", sagt Dr. Dieter Pütz. Der Chefarzt für Psychosomatik und Verhaltensmedizin an den MediClin Deister Weser Kliniken behandelt seit Jahren Erwachsene, die an ADHS leiden.

ADHS ist weltweit die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung. Obwohl ebenso viele Frauen wie Männer an der Erkrankung leiden, nimmt die Öffentlichkeit das Krankheitsbild oft nur beim männlichen Geschlecht wahr. Das Bild vom unruhigen Zappelphilipp hat sich in die Köpfe gebrannt. Zudem weisen immer wieder Statistiken und Einschätzungen darauf hin, dass Frauen deutlich weniger von ADHS betroffen seien als Männer. So käme nur auf jeden achten bis neunten Mann eine betroffene Frau. "Doch dieser Eindruck täuscht", weiß Dr. Pütz. Die Tendenz steht eher im Verhältnis eins zu eins. Während Jungen und Männer durch Hyperaktivität auffallen, verlieren sich Mädchen und Frauen in Tagträumen.

Beim weiblichen Geschlecht verläuft die Störung in einer großen Zahl der Fälle deutlich anders als beim männlichen. Jungen und Männer weisen hauptsächlich den hyperaktiven-impulsiven ADHS-Typ, Mädchen und Frauen sind häufiger vom unaufmerksamen ADS-Typ betroffen. Chaosprinzessin, Transuse und Löwenmutter, dazwischen und auch darum bewegt sich ihre Welt. Eine Welt, die gekennzeichnet ist durch ein hohes Anspruchsniveau an sich selbst. Die „Chaosprinzessin“ wünscht sich Perfektion, Anerkennung, Liebe, Sicherheit. Aber von allem im Übermaß. Da sie allen helfen kann, nur sich selbst nicht, fühlt sie sich nur wohl, wenn sie gebraucht wird. Ansonsten herrschen Unsicherheit, Anspannung, Verstimmung und körperliche Beschwerden vor. Ihre Empfindungen durchlebt sie ungefiltert. Nie genügt der Partner allen Bedürfnissen, und Nähe gelingt nur, wenn sie darauf eingestellt ist.

Viele Therapieansätze – psychotherapeutischer oder medikamentöser Art – richten sich nur gegen die Spitze eines Eisbergs. ADHS ist nur die eine Seite der Medaille. Viele Betroffene leiden unter anderem unter Angst, Depression, sozialer Phobie und Sucht. Für die Behandlung verlangen die ärztlichen Leitlinien eine multimodale Therapie. Das heißt psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung ergänzen sich. Der Behandler sollte ein ausgewiesener Fachmann sein, wobei seine persönliche Ansicht und Haltung zur Problematik von großer Bedeutung ist. Da es sich um eine chronische Krankheit handelt, ist die Behandlung langfristig angelegt. Der Behandler muss sich darauf einstellen, dass die ADHS-Symptome beim Patienten immer wieder durchbrechen.

Was ist ADHS?
Nach heutigen Erkenntnissen ist ADHS eine neurobiologische Störung der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Neurotransmitter Dopamin, der als Nerven-Botenstoff im Bereich der Schaltstellen von Hirnzellen nicht optimal wirkt. Die Funktionsstörungen kommen vor allem in denjenigen Gehirnabschnitten vor, die für die Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind. ADHS-Kinder verarbeiten zu wenig Reize und suchen daher ständig nach anregenden Eindrücken und Erlebnissen. Mehrere Studien belegen, dass die Erkrankung erblich ist. Den Forschern fiel zusätzlich auf, dass die Aktivität des vorderen Hirnbereichs niedriger ist als üblich. Das heißt: Der Vorderlappen des Gehirns arbeitet anormal und ist häufig kleiner.


Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und einer der größten Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, sieben Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.700 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

Über die MediClin Deister Weser Kliniken
Die Deister Weser Klinik in Bad Münder ist eine Fachklinik für Verhaltensmedizin, Psychosomatik und Onkologie und gehört zur MediClin. Die Klinik hat 190 Betten und beschäftigt 139 Mitarbeiter.

 

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