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Wenn Verschlucken lebensgefährlich wird

Pressemitteilung   •   Mär 29, 2006 11:30 CEST

Reichshof-Eckenhagen, März 2006. Wer einen Schlaganfall überlebt hat, der vermutet kaum, dass etwas so harmlos klingendes wie eine „Schluckstörung“ noch zu einer lebensbedrohenden Gefahr werden kann. Tatsächlich entwickeln bis zu 50 Prozent der Schlaganfall-Patienten eine Schluckstörung (Dysphagie); laut Ärztekammer Nordwürttemberg sterben sechs bis zehn Prozent dieser Menschen im ersten Jahr an einer Lungenentzündung in Folge einer Dysphagie. "Diese Gefahr wird noch viel zu häufig unterschätzt oder gar nicht erst erkannt", kritisiert Dr. Jürgen Bonnert, Chefarzt der Neurologie am Reha-Zentrum Reichshof, einer Einrichtung der MediClin. "Schluckstörungen sind eben nicht nur unappetitlich und unangenehm, sondern in vielen Fällen auch lebensbedrohlich. Eine andauernde unerkannte und unbehandelte Schluckstörung kann zu Lungenentzündungen oder Mangelernährung und somit zu lebensgefährlichen Zuständen führen." Bei zahlreichen neurologischen Erkrankungen, wie etwa beim Schlaganfall, bei der Parkinson-Erkrankung, dem Schädel-Hirn-Trauma, der Multiplen Sklerose oder bei Tumoren, bestimmen Schluckstörungen das klinische Bild.

Was bedeutet Dysphagie?
Dysphagie bezeichnet eine Störung des Schluckens von fester und/oder flüssiger Nahrung vom Mund zum Magen. Eine häufige zusätzliche Auffälligkeit der Dysphagie ist das Verschlucken (Aspiration). Dabei kommt es zu einem Eindringen von Nahrung und Speichel in das Atmungssystem unterhalb des Kehlkopfes - was in vielen Fällen eine schwere Lungenentzündung verursacht. Für den normalen Ablauf des Schluckens bei gleichzeitigem Schutz der Atemwege ist die Koordinierung von fünf Hirnnerven einschließlich der oberen Halsmarknerven erforderlich. Der Schluckakt kann in eine willkürliche und in eine unwillkürliche Phase getrennt werden. Willkürlich verläuft das Kauen und die Einleitung des Schluckvorgangs an den Auslöserzonen im Bereich des Gaumens und der Rachenhinterwand. Der unwillkürliche Vorgang umfasst den Transport des Speisebreis vom Rachen zum Magen. Dadurch laufen reflexartig Mechanismen zum Schutz der oberen Luftwege ab.

Der gesunde Erwachsene schluckt in 24 Stunden bis zu 2.000 Mal. Im Wachzustand wird außerhalb der Mahlzeiten etwa einmal pro Minute und in Abhängigkeit zur Speichelproduktion geschluckt, wobei im tiefen Schlaf das Schlucken fast aufhört und eine Zunahme der Schluckaktivität beim Ein- und Aufwachen beobachtet werden kann.

Therapieformen bei Schluckstörungen
Am Reha-Zentrum Reichshof wächst die Zahl der Menschen, die sich für eine Schlucktherapie anmelden - im vergangenen Jahr nahezu 300 Patienten mit vorwiegend neurogenen Schluckstörungen. Die Patienten werden durch ein interdisziplinär zusammenarbeitendes Team von Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften, den Mitarbeitern der radiologischen und endoskopischen Diagnostik sowie der Küche betreut. Auf Basis einer detaillierten Diagnostik des Schluckaktes werden fortlaufend die jeweiligen Therapieziele und -verfahren zwischen Arzt und Therapeut unter Einbeziehung des Patienten - oder eines Angehörigen - abgesprochen. Die schlucktherapeutische Behandlung obliegt den Mitarbeiterinnen der Abteilung Sprachtherapie. In der Küche werden die für einige Patienten notwendigen speziellen Kostformen (z. B. Breikost, weiche Kost, feste Kost) zubereitet. Die Mitarbeiter der Pflege geben in Absprache mit den Therapeuten Hilfe bei der Nahrungsaufnahme. "Die Ergebnisse der engen interdisziplinären Zusammenarbeit können sich sehen lassen", betont Dr. Bonnert. "Mehr als zwei Drittel unserer Patienten mit einer neurogenen Dysphagie können nach einer dreimonatigen Therapie wieder selbständig essen und trinken."

Dysphagie-Kongress im Reha-Zentrum Reichshof
In den letzten Jahren wurden die Bemühungen forciert, das Wissen über die Dysphagie und ihr häufiges Vorkommen zu steigern. Sowohl die wissenschaftlichen Untersuchungen und Veröffentlichungen als auch die Kursangebote sind zahlenmäßig gestiegen. Das Reha-Zentrum Reichshof beteiligt sich engagiert an der Thematisierung von Schluckstörungen. So findet am 8. April im Reha-Zentrum Reichshof in Eckenhagen der vierte Dysphagie-Kongress statt, der unter der Leitung von Dr. Bonnert stattfindet und maßgeblich von den Mitarbeiterinnen der Abteilung Sprachtherapie organisiert wird.

Ziel der Veranstaltung ist es auch in diesem Jahr, interdisziplinär die verschiedenen Berufsgruppen anzusprechen, die in die Versorgung von Patienten mit Schluckstörungen eingebunden sind. Die Referate geben einen Überblick über theoretische Grundlagen neurologischer Schluckstörungen, den Umgang mit Trachealkanülen, Besonderheiten der Nahrungsaufnahme bei neurologischen Patienten, deren Diagnostik und Therapie. Darüber hinaus werden Grundlagen für eine ausgewogene Sondenernährung und Behandlungsansätze dargestellt. Die Workshops sind praxisorientiert und sollen den Teilnehmern schwerpunktmäßig Gelegenheit geben, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Diagnostik und Therapie von neurogenen Schluckstörungen zu erweitern und somit mehr Sicherheit und Professionalität in der Patientenversorgung zu erlangen. In den Diskussionen und Gesprächen besteht die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

 

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber. Mit 30 Klinikbetrieben, sieben Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von circa 7.800 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken - dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken - und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

Über das Reha-Zentrum Reichshof, MediClin
Das Reha-Zentrum Reichshof im Oberbergischen Land ist eine Fachklinik für medizinische Rehabilitation von Patienten mit neurologischen und internistischen Erkrankungen und gehört zur MediClin. Die Einrichtung verfügt über 245 Betten und beschäftigt 254 Mitarbeiter.

 

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