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Wieder Licht ins Dunkel bringen

Pressemitteilung   •   Feb 23, 2007 16:50 CET

Reichshof-Eckenhagen, im Februar 2007. Ein Schlaganfall schädigt häufig nicht nur die Motorik oder Sprachfähigkeit eines Menschen. Findet der Infarkt in jenem Bereich des Gehirns statt, der für das Sehen zuständig ist, kommt es außerdem zu einer Teilblindheit. Kann ein gesunder Mensch auf horizontaler Ebene visuelle Reize in einem Winkel von 180 Grad wahrnehmen, so ist das Gesichtsfeld von jedem dritten Schlaganfallpatienten löchrig geworden. "Etwa jeder zweite von einer Sehstörung betroffene kann zu Beginn der Rehabilitation nicht mehr alltagstauglich sehen", unterstreicht Dr. Jürgen Bonnert, Chefarzt Neurologie am MediClin Reha-Zentrum Reichshof. Teilblinde sind sich der fehlenden Bereiche dabei häufig nicht bewusst – sie erscheinen nicht als schwarze Flecken, sondern werden schlichtweg nicht wahrgenommen und somit auch nicht vermisst. Erst wenn Betroffene ständig mit anderen Menschen zusammenstoßen, gegen Möbel laufen oder die Kaffeetasse neben dem Tisch abstellen, merken sie, dass etwas nicht stimmt. Sie nehmen nur einen Teil dessen wahr, was gesunde Menschen sehen.

Verletzte Nervenzellen wieder aktivieren
Verursacht wird die Teilblindheit durch abgestorbene Nervenzellen im Sehzentrum des Gehirns. Die vom Auge kommenden Bilder können dort nur noch zum Teil verarbeitet werden. Je nach betroffenem Bereich sieht der Patient entweder nur die Hälfte des ursprünglichen Spektrums oder es fehlen bestimmte Bereiche ganz. Die Behandlung im MediClin Reha-Zentrum Reichshof setzt an den funktionstüchtigen Zellen an, die an den Rändern oder inmitten geschädigter Bereiche liegen. Mittels eines neuartigen computerbasierten Therapieprogramms werden diese gezielt trainiert. Und dies mit Erfolg: Durch die intensive Stimulation der Nervenzellen erweitert sich das Gesichtsfeld der Patienten wieder und die Teilblindheit geht deutlich zurück. "Drei von vier Rehabilitanden sind nach Beendigung der Therapie wieder in der Lage, alltagsrelevante Dinge zu verrichten – also ohne Hilfsmittel Zeitung zu lesen, Fernsehen zu schauen oder ohne sich anzustoßen durch die eigene Wohnung zu bewegen", betont Dr. Bonnert. Dass Teilblindheit überhaupt erfolgreich behandelt werden kann, wurde lange Zeit bezweifelt: "Gesichtsfeldstörungen galten bis Mitte der 80er Jahre als nicht therapierbar", so Dr. Bonnert. "Das Sinnessystem hat sich aber als unerwartet lernfähig erwiesen und kann auch längere Zeit nach einem Schlaganfall trainiert werden. Bei einem Betroffenen konnten wir selbst 17 Jahre nach dem Hirninfarkt noch positive Resultate durch das Training mit dem Computerprogramm erzielen."

Wie computergestütztes Sehtraining funktioniert
Die "Visuelle Restitutions Therapie" (VRT) beruht auf der Forschungsarbeit der Universität Magdeburg. Zunächst wird das Gesichtsfeld exakt vermessen, um geschädigte sowie trainierbare Areale zu identifizieren. Aus den Ergebnissen wird dann ein individueller Therapieplan erstellt. Der Patient sitzt beim Training in einem vorgegebenen Abstand unter Verwendung einer Kinnstütze vor dem Monitor. Während der Blick auf einen bestimmten Punkt auf dem Monitor gerichtet ist, erscheinen Lichtreize an genau definierten Stellen – primär in jenen Zonen, in denen Reste der Sehfunktionen vorliegen. Der Patient hat die Aufgabe, bei Erkennen des Lichtreizes eine Taste zu drücken. Durch die Verbindung von systematischer Lichtstimulation und aktiver Wahrnehmungsaufgabe werden die Neuronen der teilgeschädigten Hirnareale gezielt trainiert. "Die Software wird dabei ständig an die erreichten Fortschritte angepasst. Außerdem kann das Trainingsprogramm auch nach Beendigung der Rehabilitation zu Hause fortgeführt werden", so Dr. Bonnert.


Über das MediClin Reha-Zentrum Reichshof
Das MediClin Reha-Zentrum Reichshof im Oberbergischen Land ist eine Fachklinik für medizinische Rehabilitation von Patienten mit neurologischen und internistischen Erkrankungen. Die Einrichtung verfügt über 245 Betten und beschäftigt 254 Mitarbeiter.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und einer der großen Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.700 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

 

 

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