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ISO 9001:2015, IDM und die wichtigsten Änderungen

News   •   Jan 06, 2016 21:54 CET

Mit dem Führungsinstrument Ideenmanagement (IDM) von der Pflicht zur Kür in der ISO 9001:2015

Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) belegt, dass sich derzeit nur 20 Prozent der Qualitätsexperten mit der revidierten QM-Norm auskennen. Und wie sieht das im Ideenmanagement aus?

Jeder 4. Qualitätsmanager gibt sogar an, bisher nur wenig über die ISO 9001:2015 zu wissen (26 Prozent). 39 Prozent der Befragten fühlen sich kaum vorbereitet und brauchen dringend konkrete Informationen zu den Änderungen. Ebenfalls erschreckend – nur 19 Prozent der Unternehmen sehen sich in der Lage, sofort oder nach Klärung einzelner Schritte auf ISO 9001:2015 umzustellen.

Nutzen Ideenmanager ihre Chancen, endlich das Führungsinstrument Ideenmanagement als Basis für Business Excellence zu nutzten, und in der ISO 9001:2015 von der Pflicht mit der Ideenmanagement zur Kür mit begeisterten Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden zu gelangen? In vielen Punkten der revidierten QM-Norm stecken Ideenmanagement-Lösungen drin, ohne das Ideenmanagement beim Namen genannt wird. Beispiele:

Kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP)

KVP stand bereits seit 2008 in der Norm, ohne dass wirklich KVP und Ideenmanagement flächendeckend zur Wirkung kommen. Selbst in Unternehmen, in denen gesetzliche Verpflichtungen zur Berücksichtigung der QM-Norm bestehen, wie z.B. Unternehmen der Gesundheitsleistungen, sind kaum agile mitarbeitergetragene KVP und Ideenmanagement-Instrumente zu finden (wohl gemerkt, Ausnahmen bestätigen die Regel).

Neu z.B. Risikomanagement: 

Bereits Ende des vergangenen Jahrtausend wurden die Synergien von Risikomanagement und Ideenmanagement mit den Uelzener Versicherungen vom IdeenNetz beim dib zugänglich gemacht. Bis auf eine Ausnahme ohne nennenswerte Nutzeneffekte in der Ideenmanagement-Praxis. Nun geht es lt. QM-Norm um das Verstehen der Organisation und ihres Kontextes. 

Im Abschnitt 4.1 wird gefordert, dass die relevanten Themen für die strategische Ausrichtung der Organisation ermittelt werden. Darunter sind z.B. gesetzliche, technische, soziale oder marktbezogene Themen zu verstehen. In der Praxis sind diese Themen in der Regel Inputs in den mittel- bzw. langfristigen strategischen Planungsprozess. 

Die Norm verlangt von einer Organisation, Maßnahmen zu planen und umzusetzen, um Chancen und Risiken zu behandeln (Abschnitt 0.3.3). Jedoch wird kein formales Risikomanagementsystem gefordert. In Abschnitt 6.1 „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“ werden Anforderungen an die Bestimmung von Chancen und Risiken gestellt, sowie an die Planung von Maßnahmen zum Umgang mit diesen Chancen und Risiken. Dies betrifft insbesondere Prozesse, die einen hohen Einfluss auf die Qualität von Produkten und Dienstleistungen haben.
Welche Rolle wird hier letztendlich das ganzheitlich orientierte Ideenmanagement spielen?

Neu z.B. Prozessmanagement: 

Nachdem seit Jahrzehnten z.B. die IHK-Fachkraft Prozessoptimierung (Alternativ auch als CEB-Zertifikat möglich; siehe auch die neu Vorgestellte Ideen-Fachkraft Prozessoptimierung auf der Frühjahrskonferenz 2015) im Ideenmanagement eine solide Grundlage bildet, ist es m.E. erfreulich, dass nun auch in der revidierten QM-Norm hierüber das Ideenmanagement neue Beachtung erfahren wird. 

Der prozessorientierte Ansatz wird als einer der sieben Grundsätze des Qualitätsmanagementsystems definiert. Abschnitt 0.3 gibt zahlreiche Erläuterungen zum prozessorientierten Ansatz. 

Abschnitt 4.4 fordert expliziert die Festlegung der Prozesse im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems sowie die Bestimmung von deren Wechselwirkung. Unter anderem müssen Kriterien und Verfahren zur Steuerung der Prozesse festgelegt werden, darunter fällt auch das Messen des Prozessergebnisses einschließlich damit verbundener Leistungsindikatoren. Risiken und Chancen müssen ebenfalls behandelt werden. 

Und wie werden die nutzen- und zielorientierten Führungsinstrumente im Ideenmanagement genutzt, bzw. verstärkt zum Einsatz kommen? 

Im Rahmen der OWL-Initiative "Ideen machen Zukunft" haben wir vom IdeenNetz z.B. das Konzept der überarbeiteten Neuauflage des KAIZEN.Handbuchs von Flötotto mit dem integrierten Prozess-Baukasten auf Grundlage der GTD-Methode im Kreis von KMU-Unternehmern vorstellen dürfen, und breite Zustimmung gefunden, dass für die Norm-Anforderungen das Ideenmanagement der passgenaue Wegbereiter ist.

Wie finden hier die Ideenmanager/-innen ihren Weg?

Neu z.B. Führung und Verpflichtung 

Die Norm stellt in Abschnitt 5.1 verstärkte Anforderungen an die oberste Leitung in Bezug auf Verpflichtung und Mitwirkung. Die formale Anforderung an die Funktion des „Beauftragten der obersten Leitung“ entfällt (wiewohl die dieser Funktion zugeordneten Aufgaben bestehen bleiben). Optional kann diese Funktion natürlich weiterhin innerhalb einer Organisation existieren und es können weiter entsprechende Aufgaben für sie definiert werden. Die Führungsverantwortung für die Qualität und ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem ist jedoch nicht delegierbar!
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wie sie auch in den ZI-Expertenkreisen, z.B. Unternehmenskultur, oder in der Kooperation mit der Initiative Ludwig-Erhard-Preis (ILEP) herausgearbeitet wurden.

Wie werden die Ideenmanager und Qualitätsmanager die Synergien zusammen erschließen?

Neu z.B. Wissen der Organisation 

Das Wissen der Organisation, das notwendig ist, um ihre Prozesse durchzuführen und die Konformität der Produkte und Dienstleistungen zu erreichen, muss bestimmt, aufrechterhalten und vermittelt werden (Abschnitt 7.1.6). 

Wissen kann auf internen sowie externen Quellen basieren, und sind in der Regel eng verbunden mit jeder einfachen alltäglichen Verbesserungsidee oder auch ungewöhnlich innovativen Neuerungsidee. 

Daneben werden die Begriffe „Dokument“ und „Aufzeichnungen“ durch den Begriff „dokumentierte Informationen“ ersetzt (Abschnitt 7.5 und Anhang A.6). Die Anforderung der Bereitstellung eines Qualitätsmanagement-Handbuchs entfällt. Anforderungen an dokumentierte Informationen werden zu verschiedenen Themen der Norm in den jeweiligen Abschnitten definiert. Sie können auch in elektronischer Form vorhanden sein. Die Anforderung, dokumentierte Informationen zu lenken (und aufzubewahren), besteht unverändert. 

Auch hier stellt sich die Frage, wie die Werkzeuge im Ideenmanagement sowie im Qualitätsmanagement gemeinsam zur Wirkung kommen?

Wenn nun tatsächlich 4/5 der Qualitätsmanager bei den nächsten Auditierungen von der revidierten QM-Norm überrascht werden, wie sind wir im Ideenmanagement darauf vorbereitet?

Zumindest mit den Werkzeugen aus dem KrIDe-Verbundprojekt zum Exzellence-Modell Ideenmanagement finden wir auch nach dem Projektabschluss im KrIDe-Wissensportal - http://ideennetz.dynalias.org/kride erste Lösungsansätze u.a. auch aus der INQA-Offensive Mittelstand. Erfreulich wenn nun das Ideenmanagement durch die revidierten QM-Norm und über die Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA), sowie bei den Auswirkungen der Digitalisierung und den Entwicklungen rund um das Internet der Dinge auf die Arbeitswelt und Lebensbedingungen in Gegenwart und Zukunft unter dem Stichwort Arbeit 4.0, in der Entwicklung voran kommen, oder?

Quelle: Hans-Rüdiger Munzke, IdeenNetz - für die Xing-Gruppe Ideen Managment