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​US-Aktienmarkt: Übertrieben aber immer eine Investition wert

News   •   Okt 05, 2016 09:28 CEST

George Soros wettet auf den Crash? Lassen Sie sich von solchem Sensationsjournalismus nicht ins Bockshorn jagen. Der Aktienmarkt zeigt deutliche Zeichen von Überbewertungen. Das schreibe ich schon seit langer Zeit. Doch wenn sie umsichtig agieren und auf langfristig angelegte Geschäftsmodelle setzen, werden sie auch in diesen Tagen noch einige interessante Aktien finden können. Qualitätsaktien lassen sich jederzeit aufstöbern. Microsoft ist ein solcher guter Kandidat: gute Geschäftszahlen, ein fundiertes Business und beste Zukunftsaussichten.

Im August machten mehrere große Tageszeitungen mit einer vermeintlichen Sensation auf. Großinvestor George Soros hatte Verkaufsoptionen im Wert von einer Milliarde US-Dollar auf den S&P 500 gekauft. Sogleich sprachen einige Wirtschaftsredakteure von einer „Wette auf den Crash“. Meines Erachtens nichts weiter als journalistischer Sensationalismus! Denn hätten die Autoren genauer nachgerechnet, hätten sie gemerkt, dass Soros damit gerade einmal vier Prozent seines Vermögens auf einen Rückgang des Aktienindexes setzte. Auch er weiß, dass einige US-Aktien momentan stark überbewertet sind. Ich schreibe das in meinem wöchentlichen Börsenbrief „Der Privatinvestor“ schon seit geraumer Zeit.

Was die nach Aufmerksamkeit heischenden Zeitungen aber gleichwohl verschwiegen, war die Tatsache, dass George Soros, parallel zu seinem Put-Investment auch Aktien von LinkedIn (WKN: A1H82D), Time Warner (WKN: A0RGAY), Anheuser-Busch (WKN: 590932), Walt Disney (WKN: 855686) und Avis Budget (WKN: A0KEE9) gekauft hatte. Und er tut gut daran. Denn auch in einem solch aufgeblähten Markt wie dem für US-amerikanische Aktien gibt es immer auch noch Chancen einzusteigen. Die Übertreibungen sind zwar stellenweise schon beachtlich, aber an vielen Stellen noch nicht grotesk genug, um nicht auch heute noch gute Kaufgelegenheiten zu finden. Qualitätsaktien wird es nahezu immer geben.

Ein Tipp von mir: LinkedIn war kein allzu schlechtes Investment von Soros. Es zielt zumindest in die richtige Richtung. Im Juni hatte Microsoft angekündigt, das Karrierenetzwerk übernehmen zu wollen und den Aktionären 196 US-Dollar pro Wertpapier angeboten. Die Übernahme soll möglichst schon Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ich selbst sehe Microsoft seit einigen Monaten bereits als starkes Langfristinvestment, nicht zuletzt weil auch seine Tablet-Reihe Surface bei den US-Verkaufszahlen Apple überholen konnte. Aus gutem Grund halte ich Microsoft-Aktien in meinem Max Otte Vermögensbildungsfonds (A1J3AM) und im PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G). In meiner Königsanalyse gebe ich Microsoft gute 74 von möglichen 100 Punkten. Mit aktuell 51,51 Euro notiert das Papier knapp unter dem von mir berechneten inneren Wert von 53,61 Euro. Das Potential sehe ich langfristig bei circa 64 Euro.

Doch zurück zu Soros und seiner vermeintlichen „Crash-Wette“. Man mag von ihm halten, was man will, aber letzten Endes ist er ein Makrospekulant. Manch ein Anleger mag sich davon angezogen fühlen. Ich aber nicht. Ich halte es da lieber mit Warren Buffett und setze auf funktionierende, verständliche und zukunftsträchtige Geschäftsmodelle. Und solche lassen sich an den Börsen trotz aller Übertreibungen auch heute noch finden.

Auf gute Investments!

Ihr

Max Otte