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Ice-Bucket-Challenge - Wie ein Trend kulturübergreifend um die Welt geht

Blog-Eintrag   •   Sep 10, 2014 11:45 CEST

Bill Gates, George W. Bush, Günter Jauch, Otto Waalkes und Til Schweiger haben es bereits getan und selbst Kermit der Frosch blieb nicht verschont. Der neueste virale Internethit ist nichts für Warmduscher. Bei der so genannten ALS-Ice-Bucket-Challenge geht es darum für die Forschung gegen tödliche Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) 100 Euro zu spenden oder sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf zu schütten. ALS führt zu Nervenzerstörung und Muskellähmung. Wie auch der berühmte Physiker Stephen Hawking sind Betroffene in ihrem eigenen Körper eingeschlossen.

Nicht nur unter Promis ist dieser Trend ansteckend. Auch den Otto-Normalbürger hat es längst erreicht. Kulturübergreifend duschen diesen Sommer weltweit so viele unter dem Ice Bucket, dass der Postillion sich sogar Sorgen um die Eisvorräte an den Polkappen macht.

Die Idee stammte vom Baseball-Star Peter Frates und seinem Bekannten Pat Quinn, die beide selbst an ALS erkrankt sind und sich für die Forschung gegen ALS engagieren. Die Aktion wurde durch eine Live-Ausstrahlung der Golf Channel Morning Show in den USA am 30. Juni 2014 bekannt. Seitdem verbreitet sich die Spendenaktion im Schneeballprinzip rasend schnell weiter.

Auch wenn es mittlerweile ernsthafte Kritiker dieser Spendenaktion gibt, die sich z.B. über die Wasserverschwendung angesichts durstender Kinder beschweren oder kritisieren, dass die Eisduschen-Welle weiterschwappt ohne überhaupt noch auf ALS hinzuweisen, so ist es doch interessant warum sich so viele Leute kulturübergreifend dazu hinreißen lassen, dabei mitzumachen. Mittlerweile hat der Trend aus den USA nach Europa auch Asien erreicht.

Wie kommt es zu einem kulturellen Trend, der weltweit Menschen dazu bringt sich mit Eiswasser zu übergießen?

Zwei Dinge sind für einen solchen Trend heutzutage wichtig: Ein ernsthaftes Thema mit emotionaler Geschichte für eine medienwirksame Kampagne und das Anerkennungsbedürfnis der Menschen in ihrer Gemeinschaft.

Vor allem im angelsächsischen Bereich ist der öffentliche Druck auf prominente Einzelpersonen oder Unternehmen groß, sich sozial zu engagieren. Ein Hype, der um sich greift, wird nur dann nicht als albern abgetan, wenn er einen ernsthaften Hintergrund hat. Aufgrund dieses ernsten Themas wird ihm in den Medien mehr Platz zugestanden als beispielsweise damals Owling, Planking oder Harlem Shake. Soziales Engagement trägt auch viel zum positiven Image einer Marke bei. Es zählt, was öffentlich passiert. Bereitwillig stellen sich Personen der Öffentlichkeit teilweise halbnackt vor die Kamera. Obwohl Individualisierung gerade im Trend liegt, zeigt sich bei solchen Aktionen ein erster Trend zu sozialer Vereinheitlichung. Und natürlich ist auch dieser Trend dazu angelegt Kontroversen in den Medien hervorzurufen z.B. durch offene Verweigerung.

Gutes tun nach dem Schneeballprinzip, die Idee gab es schon oft z.B. im Film "Das Glücksprinzip" (2000) in dem Haley Joel Osmont den elfjährigen Trevor spielt, der vorschlägt drei selbst ausgewählten Personen zu helfen, die dann wiederum drei Personen unterstützen. Somit geht das Gute um die Welt. Nur hier bleibt der Helfende leise und abseits des Rampenlichts der Öffentlichkeit.

Gruppendruck

Der Gruppendruck ist hoch. Die Angst vor öffentlicher Missbilligung scheint größer, als die Angst sich vor der Kamera mit Eiswasser zu übergießen. Auch in China und Japan geht es meistens nicht darum das richtige zu tun, sondern das, was von einem erwartet wird, wie der Fall der japanischen Sängerin Minegishi beweist. Einigen geht es auch mehr um den Jux, als um die gute Sache. Aber in einigen Jahren werden diese Videos nicht mehr nur im Zusammenhang mit ALS verwendet werden. 

Sicherlich sind nicht alle, die bei solchen Aktionen mitmachen, Narzisten, die sich selbst vermarkten wollen. Aber alles, was mit Ice Buckets zu tun hat wird zurzeit bereitwillig und in Massen angeklickt. Klar, dass viele Agenturen und Marken diese Idee nun für ihre Werbung nutzen wollen. Längst sind auch erste Parodien dieses Trends aufgetaucht. Bald wird auch dieser Trend abgeflaut sein, aber die Videos und der große Erfolg der Spendenaktion werden bleiben. Damit hat sich die Ice-Bucket-Challenge bereits jetzt einen Eintrag bei Wikipedia gesichert. Für die ALS-Forschung wurden damit innerhalb von 20 Tagen 15,6 Mio. Dollar an Spenden gesammelt. Geholfen zu haben scheint die #IceBucketChallenge also wirklich.

Bildnachweis: von slgckgc (Doing the ALS Ice Bucket Challenge) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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