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Kolumne // Mutschler meint: Was zählt, Erkenntnisse oder Ergebnisse?

Blog-Eintrag   •   Mai 09, 2014 11:08 CEST

Ein Riesenspektakel: die Drohung einiger Klimaforscher, den neuen UNO-Report zu boykottieren. Forscher beschweren sich, dass ihre Erkenntnisse „keine Sau“ (kein Zitat!) interessierten. Andere Wissenschaftler konstatieren, dass die Politik inzwischen schon alles Wichtige wisse und dem nichts hinzuzufügen sei (und dass sie endlich wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen wollen). So viel Wirkungsbewusstsein war selten.

Stell dir vor, Wissenschaft ist klug und klar, und keiner merkt es.

Die beteiligten Autoren wandeln in der dezidiert handlungsorientierten Studie fabelhaft Erkenntnisse in Ergebnisse um. Eine Kunst! Als Student weiß jeder, wie schwer die wahre Erkenntnis zu erringen ist -- und als Unternehmer weiß jeder genauso gut, dass die klügste Erkenntnis keinen Blumentopf wert ist, wenn ich daraus kein Ergebnis für meine Arbeit ableiten kann.

Mit dieser Kluft muss ich umgehen, wenn ich meinen Gesprächspartnern unser Konzept des konkreten Wissenstransfers vorstelle: Einerseits will jeder viel Ahnung haben. Andererseits zweifelt man – nicht ohne Grund – daran, dass ausgerechnet ein Dienstleister, der mit der Wissenschaft anbändelt, einem dabei helfen kann ("Kann ich meinen Chef davon überzeugen, dass da Ergebnisse herauskommen?"). Die gute Frage unserer Kunden ist immer: Expertenwissen, was bringt mir das? Manchmal habe ich fast den Eindruck, sie glauben mir die Antwort nicht: Viel, und zwar sofort.

In jedem Gespräch zeigt sich: Wer sich für NIMIRUM interessiert, spürt sehr genau, dass (das häufig fast ausschließlich konsultierte) Online-Wissen unsicher ist und selten auf aussagekräftigen, wissenschaftlich fundierten Quellen beruht - hier wieder einmal schön nachzulesen. Und allen ist klar, dass die digitale Informationsgesellschaft ihnen auf die Finger klopft, wenn sie, salopp formuliert, Mist verzapfen. Schnoddrig formulierte ein Kunde: „Wir brauchen Sie nicht in Friedenszeiten.“

Auf der anderen Seite stehen unsere akademischen Expertinnen und Experten. Diejenigen, die sich für eine Arbeit bei uns interessieren, haben mit dem berüchtigten Elfenbeinturm wenig zu tun: Wissen konkret weitergeben, finden sie charmant. Suchen wir projektbezogen und meist unter Zeitdruck, etwa über Fakultäten, den passenden Spezialisten, kann die Antwort auch mal lauten: "Danke, ich habe Ihre E-Mail ausgedruckt und ins Postfach gelegt. Der Professor meldet sich dann." Zu Beginn kam es sogar vor, dass ein Dekan einer Fakultät sich seiner Sache sehr sicher wähnte, als er unser Angebot überhaupt und insgesamt unausgegoren fand. Würde er das auch über sein eigenes Transferprojekt sagen?

Erfreulicherweise verändert sich das Klima in den Institutionen langsam: Drittmittelkoordinator_innen, wissenschaftliche Spinn-Offs und Ausgründungen von Universitäten reagieren offen, je nach Ansprechpartner auch Stiftungen und Verbände. Die Maßgabe von Neutralität und (relativ) hoher Geschwindigkeit sind aber nach wie vor eine Herausforderung für Institutionen.

Nach gut drei Jahren und über 80 Projekten konstatiere ich, dass es der richtige Weg war, NIMIRUM als Peer-to-Peer-Netzwerk aufzubauen: Erreichen wir die Spezialistinnen und Spezialisten direkt, ist die Reaktion fast überall positiv: Wissen in Achtung seiner Position und auf neutraler Basis weiterzugeben, ist ja auch ein attraktives Angebot. Auch wenn es für das konkrete Projekt dann zeitlich nicht klappt oder inhaltlich nicht ganz passt, haben wir für ein künftiges Projekt vielleicht schon den passenden identifiziert ...

Das Bild unserer Gründung hält sich also: Jemand sitzt am Schreibtisch und kommt nicht weiter. Ein anderer Jemand sitzt anderswo, und weiß die Antwort. Umso schöner, dass wir mit unseren teilweise langjährigen Kunden lernen, wie wir dieses Prinzip nach oben skalieren können. Zu Beginn war ja doch mehr Idee als Praxiserfahrung vorhanden. Lektion gelernt!

Lesson learned, Teil 2: "Die Wirtschaft" stellt sich unter einem "Experten" ganz unterschiedliche Dinge vor: Ist das der Wissenschaftler, der auf seinem Fachgebiet fundiert und umfassend Fragen einordnen und Perspektiven entwickeln kann? Ist es der Insider, der die Auswirkungen von Forschung bemessen kann, sei es als Branchenexperte oder als Fachjournalist? Oder ist es genau der andere: der gutinformierte Researcher, der sieht und beurteilt, was im Mainstream (beim Zielpublikum) am Ende wichtig ist, und der im Rückgriff auf verschiedene Datenbanken einen perfekten Status-Quo-Bericht abliefern kann?

Auch hier justieren wir nach. Welche "Personas" gelten für Wissenschaftler, welche für Branchenexperten? Aus welchen Medien speisen sie ihr Wissen? Unsere Recherchen, Analysen und (wissenschaftlich fundierte) Trendreports profitieren auch von der Neugier unserer Kunden, wie das jetzt geht: exklusives Wissen schnell und gründlich für genau diese eine Frage zu bekommen.

Der konkrete Wissenstransfer à la NIMIRUM funktioniert nur auf der Basis von Respekt. Vor den Fragen unserer Kunden einerseits. Denn diese erscheinen Wissenschaftlern ohne Vermittlung bisweilen fremd. Und gegenüber den Spezialistinnen und Spezialisten, deren Arbeiten wir oft zupfen und kneten, rahmen und ordnen, die aber in summa unvermutet konkretes Wissen bezusteuern vermögen.

Was passiert da? Ein Kunde fasst es so zusammen: „Aus einer Irgendwie-Frage macht ihr eine Soistdas-Antwort, ohne etwas Wichtiges zu vergessen.“ Heraus kommen Ergebnisse auf der Basis von Erkenntnissen, die es zu lesen lohnt.

Von Mensch zu Mensch, also voll im Trend: H2H.

Ihr Kontakt zur Autorin.

Beim nächsten Mal: Warum „Ahnung haben“ ein recht komfortabler Zustand ist.

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