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Warum nimmt die Umweltflucht zu? Der Klimawandel als eine Ursache

Blog-Eintrag   •   Nov 06, 2014 11:00 CET

Englisch abstract: Can climate change lead to more immigration?

Climate change is a growing factor in people's decision to migrate away from home. While many take up a new residence in their own country, others go abroad, often to countries in Europe or North America. Policy makers worldwide are under pressure to consider potential economic gains through the influx of skilled labourers; migration as an indication of social resilience; climate change as a global security issue. More fundamentally, analytical tools for the assessment of migration are needed. These tools must be able to measure not just numbers of people on the move but take account of the variety of causes leading to migration, as well as the reasons for many -- especially poor -- people not to move.

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Im Zuge des Klimawandels verändern sich semi-permanente und permanente Migration und ihre Ursachen. Daher spricht man immer öfter von Umweltflucht. Sie nimmt weltweit zu und kennt kaum Grenzen.

Wer ist ein Umweltflüchtling?

Schon 1985 spricht ein Bericht des UN Umweltprogramms von „people who have been forced to leave their traditional habitat, temporarily or permanently, because of a marked environmental disruption […] that jeopardized their existence and / or seriously affected the quality of their life”.
[El-Hinnawi, Essam (1985): Environmental Refugees. Nairobi: United Nations Environment Programme (UNEP), S. 4] Heute sind immer mehr Menschen betroffen.

Warum gibt es Umweltflucht?

Migration wegen Ressourcenknappheit und geschädigter Umwelt gibt es aus mindestens vier Gründen: Deposition, Degradation, Desaster und Destabilisierung.
Deposition ist jegliche Art von Umweltverschmutzung, zum Beispiel die Kontamination durch Reaktorunfälle wie in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011. Bei der Degradation ist die Umwelt so verändert worden, dass die bisherige Wirtschafts- und Lebensweise nicht aufrechterhalten werden kann und die Flucht in andere Gebiete die einzige Überlebensmöglichkeit darstellt. Desaster wie Naturkatastrophen sind vermehrt durch menschliches Einwirken auf Naturabläufe verursacht und führen ebenfalls zur Flucht. Die sich ergebende Destabilisierung des Sozialgefüges stellt nur eine Auswirkung auf die Lebensumstände der Betroffenen dar. Diese Faktoren beeinflussen alle die ökonomischen, politischen und sozialen Lebensgrundlagen, die so entzogen werden.

Was ist denn nun Umweltflucht?

Bis heute gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs Umweltflucht bzw. der Migration durch eine endogen und exogen veränderte Umwelt. Es gibt weder eine internationale Vereinbarung noch eine völkerrechtliche Richtlinie, wie mit den Betroffenen umzugehen ist.
Besonders schwierig: Umweltflucht lässt sich gegenüber anderen Fluchtursachen oder anderen Arten der umweltbedingten Migration nur schwer abgrenzen. Einkommensarmut, Ressourcenkonflikte, Verfolgung, Krieg und Völkermord sind ebenso existenzbedrohend wie Umweltzerstörung oder der Klimawandel.
Nur Finnland und Schweden erkennen „Umweltflüchtlinge“ als solche an. Menschenrechtler befürchten, dass die vielen Umweltflüchtlinge Ressourcen vom Schutz anderer Flüchtlinge ablenken. Die Genfer Konvention 1951 spricht von Flüchtlingen, die des Schutzes anderer Staaten bedürfen. Das sind laut Genfer Konvention aber nur Menschen, die unter von Menschen verursachten Problemen leiden. Umweltflucht gehört nicht dazu. Die Betroffenen stehen theoretisch weiterhin unter dem Schutz ihres eigenen Staates und können die Hilfe anderer Staaten gar nicht beanspruchen.

Weitere Probleme der Begriffsdefinition:
Ebenfalls umstritten: Bis wohin (örtlich) und bis wann (zeitlich) gilt ein Umwelflüchtling noch als auf der Flucht?

Flieht ein Umweltflüchtling wirklich nur unfreiwillig? Hat er keine Alternativen? Viele, auch große Entscheidungen trifft ein Mensch bewusst und freiwillig. Wer sich warum zur Migration entscheidet, ist je nach Einzelfall unterschiedlich und selten auf einen einzigen Grund zurückzuführen. Abhängig ist die Entscheidung auch von Faktoren wie Anpassungsmöglichkeiten, Resilienz und Vulnerabilität.

Außerdem gibt es Bevölkerungsteile, die aus finanziellen, politischen, sozialen und ökonomischen Gründen nicht migrieren oder nicht migrieren können.

Migration bis 2050 

Laut Internationalem Roten Kreuz migrierten 2012 ca.20 Millionen Menschen aufgrund von Umwelteinflüssen. Norman Myers von der University of Oxford erwartet, dass bis 2050 ca. 200 Millionen Umweltflüchtlinge unterwegs sein werden. (Vgl. Foresight 2011, S. 28.)

Saisonale Arbeitsmigration aus degenerierten Umwelten in die Städte sowie kurzfristige und lokale Fluchtbewegungen in Zusammenhang mit Naturkatastrophen werden stark zunehmen.

Es setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass Migrationsmaßnahmen nicht nur als Folge gescheiterter Anpassung zu verstehen sind, sondern bestimmte Formen der Migration auch positive Adaptionsstrategien sein können und entsprechend zu fördern sind. Umweltmigration kann als eine solche Anpassungsstrategie der betroffenen Menschen verstanden werden. Andererseits ist Migration auch nur eine von vielen Möglichkeiten, mit einer sich wandelnden Umwelt umzugehen.Die Debatte bewegt sich zunehmend weg vom Begriff der Umweltflucht als Problem hin zu einem Anpassungsdiskurs, in dem Migration als eine von vielen möglichen und in manchen Fällen sogar als wünschenswerte Reaktion auf Umweltveränderungen angesehen wird. Hier wird es die Aufgabe der Politik sein, Gesetze anzupassen und nationalstaatliche Resilienz zu stärken.

Diesen Herausforderungen werden sich Gesellschaften und Regierungen stellen müssen. Auch für Deutschland gilt die Frage: Wie kann man mit wachsenden Flüchtlingszahlen umgehen? Im ersten Quartal 2014 suchten 97.414 Staatsangehörige hierzulande Asyl. Verglichen mit weltweiten Flüchtlingsströmen ist diese Zahl eher gering. Kann die Gesellschaft auch diese Zuwanderer produktiv einbinden? Wenn ja, wie?
Seit 2006 steigt die Anzahl der Asylanträge in Europa kontinuierlich an. Wird die europäische Gesetzgebung ihnen gerecht? Hat die geltende Drittstaatenregelung noch eine Zukunft?

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