DZ BANK AG

Angst überlagert Chancen der Digitalisierung im Mittelstand

Pressemitteilung   •   Sep 11, 2014 16:55 CEST

Obwohl 77 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland erkennen, dass sich
durch die Digitalisierung die wirtschaftlichen Abläufe hinsichtlich Geschwindigkeit,
Möglichkeiten und Reichweiten grundlegend ändern werden, ist für 49 Prozent das Thema
Digitalisierung derzeit nicht relevant. Nur bei jedem zweiten Unternehmen ist Digitalisierung
Bestandteil der Unternehmensstrategie. Davon wiederum treiben 30 Prozent das Thema aktiv
voran, der Rest reagiert lediglich auf Kundenwünsche oder Wettbewerbsanforderungen. Dies
sind die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK
Enigma unter 1.000 mittelständischen Unternehmen im Auftrag der DZ BANK.

„Den Entscheidern im Mittelstand ist durchaus bewusst, dass sie sich dem Fortschritt stellen
müssen und das Thema Digitalisierung stärker in das unternehmerische Denken und Handeln
einbeziehen sollten. Der Handlungsdruck scheint aber gering, weil es dem Mittelstand derzeit
wirtschaftlich gut geht“, so Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK. „Insgesamt ist
das Thema Digitalisierung für viele Unternehmen noch schwer zu fassen, so dass die Angst vor
den Risiken, wie die fehlende Datensicherheit oder die Abhängigkeit von der Technik, die
Chancen noch klar überlagert“. Bei den wahrgenommenen Chancen der Digitalisierung stehen
die Effizienzgewinne und damit verbundene Kosteneinsparungen im Vordergrund. „Welche
Chancen hingegen Digitalisierung für den Vertrieb, die Kundenansprache oder für das
Erschließen neuer Märkte bietet, erkennen die wenigsten Unternehmen, stattdessen setzten sie
Digitalisierung mit Kosteneinsparung gleich“, so Zeidler.

Die Unternehmen, für die Digitalisierung derzeit bereits relevant ist, verfügen über ausreichend
qualifizierte Mitarbeiter. Das für digitale Technologien zur Verfügung gestellte Budget ist
jedoch überschaubar und wird auch in den kommenden drei Jahren kaum ansteigen.
Bei der Mehrzahl der Unternehmen (47 Prozent) sind lediglich bis zu fünf Prozent vom
Gesamtbudget für Investitionen in Digitalisierungsvorhaben eingeplant. Von ihren Hausbanken
erwarten 40 Prozent der Mittelständler vor allem die Bereitstellung von leistungsfähigeren
Zahlungsverkehrssystemen.


Digitalisierung für 70 Prozent der kleinen Mittelständler kein Thema

Mit steigender Umsatzgröße, ab 25 Millionen Euro pro Jahr, wächst auch die Bedeutung der
Digitalisierung in den Unternehmen. In dieser Umsatzgrößenklasse spielt dieses Thema für mehr
als 60 Prozent der befragten Unternehmen eine wichtige Rolle. Dahingegen sind es mit einem
Anteil von 70 Prozent vorwiegend die kleinen Unternehmen mit einem Umsatz unter 5
Millionen Euro pro Jahr, für die der Einsatz digitaler Technologien im Herstellungs- und
Wertschöpfungsprozess derzeit keine oder nur eine geringe Rolle spielt.
Dass die Bedeutung der digitalen Technologien in den nächsten drei Jahren steigen wird, davon
sind alle befragten Unternehmen überzeugt. Grundsätzlich gehen 82 Prozent der Unternehmen
davon aus, dass Digitalisierung notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 77 Prozent der
Befragten erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Abläufe zum Beispiel hinsichtlich
Geschwindigkeiten, Möglichkeiten und Reichweiten, grundlegend ändern werden. Nahezu
jedes zweite Unternehmen gibt an, dass der Einsatz digitaler Technologien bereits heute die
eigene Branche verändert habe. Zwei Drittel der Befragten sagen daher, dass die Digitalisierung
der Geschäftsprozesse perspektivisch eine sehr wichtige oder wichtige Rolle spielen wird.
Mittelständler, die das Thema Digitalisierung in die Unternehmensstrategie eingebunden haben
treiben diese auch aktiv voran, für nur sieben Prozent ist dabei der Wettbewerb ein Treiber, für
zwölf Prozent sind Kundenanforderungen ausschlaggebend für die Weiterentwicklung digitaler
Themen.


Agrarwirtschaft und Ernährungsbranche liegen beim Thema Digitalisierung vorn

Der Branchenvergleich zeigt, dass gerade die mittelständischen Unternehmen in der
Agrarwirtschaft beim Einsatz digitaler Technologien vorn liegen. Hier spielt die Digitalisierung
für 74 Prozent der Befragten bereits heute eine sehr wichtige bzw. wichtige Rolle. Daher
überrascht es nicht, dass die überwiegende Mehrheit (70 Prozent) angibt, dass Digitalisierung
ein Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. „Gründe für die hohe Relevanz der digitalen
Technologien im Wertschöpfungsprozess sehe ich in der steigenden Professionalisierung und
den seit Jahren stetig wachsenden Betriebsgrößen in der Agrarwirtschaft“, so Zeidler. Weitere
Vorreiter beim Thema Digitalisierung sind die Unternehmen aus der Ernährungs- und
Tabakbranche, von denen 64 Prozent die Bedeutung der Digitalisierung schon heute als sehr
wichtig oder wichtig einstuften. Schlusslicht bildet der Handel, für den überproportional häufig
(45 Prozent) Digitalisierung heute noch unbedeutend erscheint.


Datensicherheit birgt größtes Risiko – Effizientere Prozesse versprechen
Kosteneinsparungen und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Zu den grundsätzlichen Chancen und Risiken beim Einsatz digitaler Technologien befragt,
nannten 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen als größtes Risiko die steigenden
Anforderungen an die Datensicherheit. Ebenfalls kritisch betrachtet wird die Abhängigkeit der
Unternehmen von der technischen Infrastruktur. Menschliches Versagen hingegen wird nicht
als großes Risiko angesehen. Nur 18 Prozent der Befragten haben Angst vor dem Ideenklau
durch unsachgemäßen Einsatz der digitalen Technologien durch ihre Mitarbeiter.
Gleichermaßen gelassen betrachten die Unternehmen den steigenden Wettbewerb durch Start-
ups und branchenfremde Anbieter. Bei den Vorteilen stehen technischen Prozesse eher im
Fokus als die Datenanalyse. Eine wesentliche Chance beim Einsatz digitaler Technologien sehen
die mittelständischen Unternehmen in effizienteren Prozessen und den damit einhergehenden
Kosteneinsparungen. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch intelligente
Produktionsprozesse und die Vernetzung von Abläufen werden ebenso als wichtige Chance im
Zusammenhang mit Digitalisierung gesehen.
Die ausführliche Markt- und Kundenanalyse durch Big Data und die Erschließung neuer
Beschaffungs- oder Absatzmärkte spielen als Chance eher eine untergeordnete Rolle.


Digitalisierung gewinnt für die Ausbildung an Bedeutung

Die Mehrheit der Unternehmen (47 Prozent), für die das Thema Digitalisierung bereits heute
relevant ist, beurteilen ihre Mitarbeiter als ausreichend qualifiziert. Daher überrascht es nicht,
dass nur wenige Mittelständler (14 Prozent) in den nächsten zwölf Monaten planen,
qualifizierte IT-Fachleute einzustellen. Allerdings ist deutlich erkennbar, dass das Thema
Digitalisierung in Zukunft bei der Ausbildung in den mittelständischen Unternehmen an
Bedeutung gewinnen wird: 41 Prozent der Unternehmen werden künftig die Ausbildung der
eigenen Nachwuchskräfte stärker auf digitale Technologien ausrichten. Im Branchenvergleich
liegt auch hier die Agrarwirtschaft mit 63 Prozent weit vorn.


Leistungsfähigere Zahlungssysteme von den Hausbanken gewünscht

Etwa die Hälfte der mittelständischen Unternehmen fühlen sich in punkto Digitalisierung von
ihrer Hausbank ausreichend unterstützt. Bei Unternehmen, deren Umsatz über 25 Millionen.
Euro liegt, gibt es noch Nachholbedarf. Auf die Frage, zu welchen konkreten Themen sich die
Mittelständler Unterstützung von ihrer Hausbank wünschen, steht an erster Stelle die
Bereitstellung von leistungsfähigeren Zahlungssystemen (40 Prozent), gefolgt von der
Finanzierung digitaler Investitionsvorhaben (20 Prozent) und dem Angebot
onlineabschlussfähiger Produkte.

Die Daten wurden zwischen dem 8. und dem 31. Juli im Rahmen einer telefonischen Umfrage von GfK
Enigma erhoben. Die Stichprobe von 1.000 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer
mittelständischer Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 125
Millionen Euro.

Die DZ BANK AG ist Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe und Zentralbank für mehr als 900 Genossenschaftsbanken, denen sie mehrheitlich gehört. Sie ist zudem als Geschäftsbank aktiv und hat die Holdingfunktion für die Verbundunternehmen der DZ BANK Gruppe.