VSDAR

Lasereinsatz schonender für die Hornhaut

Pressemitteilung   •   Mai 06, 2014 16:43 CEST

Grafrath, 6. Mai 2014 – Die Sehschärfe lässt schleichend nach, die Augenlinse trübt sich ein: Viele, zumeist ältere Menschen, leiden am Grauen Star. Alleine in Deutschland lassen sich jährlich rund 800.000 Patienten eine künstliche Linse implantieren. Die sogenannte Kataraktoperation zählt zu den weltweit häufigsten Operationen überhaupt. In einem kurzen Eingriff von ca. 15 Minuten pro Auge wird die trübe, körpereigene Linse durch ein künstliches Implantat ausgetauscht, das den Betroffenen wieder eine klare Sicht ermöglicht.

Bei Patienten jedoch, die zusätzlich zum Grauen Star eine schwache Hornhaut (lat. Kornea) haben, bedarf diese einer besonderen Schonung. Vor allem die innere Schicht der Hornhaut, das sogenannte Endothel, kann unter einer Grauen Star Operation leiden und es kommt zu einem Endothelzellverlust. Dies ist im Prinzip noch nicht dramatisch, ein gewisser Endothelzellverlust ist mit zunehmendem Lebensalter normal und geht mit fast jedem chirurgischen Eingriff in der vorderen Augenkammer einher. Dennoch: Beim Unterschreiten einer gewissen minimalen Endothelzellzahl trübt die Hornhaut ein, dann kann nur noch eine Hornhaut-Transplantation das Augenlicht retten.

Deshalb ist bei vorgeschädigtem Hornhaut-Endothel bei der Kataraktoperation Vorsicht geboten. Patienten, die sich bereits einer Hornhaut-Transplantation unterzogen haben, wissen von ihrem schwachen Endothel. Es gibt aber auch Endothelerkrankungen, wie Cornea Guttata oder Endotheldystrophien, die erst bei einer Untersuchung auffallen. Ob das Hornhautendothel gesund ist, kann der Augenarzt vor einer Grauen Star Operation durch eine sogenannte Endothel Spiegelmikroskopie feststellen.
In jedem Falle sollte bei vorgeschädigtem Endothel ein weiterer Endothelzellverlust möglichst vermieden werden. Wie nun ein Team um die Kölner Augenchirurgen Dr. Gerten und Dr. Kermani in einem Fachbeitrag des Magazins >Der Augenspiegel< beschreibt, deuten erste Studien darauf hin, dass eine Katarakt-OP mit einem Femtosekundenlaser für die Hornhaut schonender ist als das Standard-Verfahren (Der Augenspiegel, Ausg. April 2014, S. 40ff).

Der Femtosekundenlaser ist ein Infrarotlaser mit hoher Leistung trotz niedriger Strahlungsenergie. Das Besondere an ihm ist, dass er seine Energie in extrem kurzen Laserimpulsen von nur einigen 100 Femtosekunden entlädt. Eine Femtosekunde entspricht 0,000.000.000.000.001 s, das ist eine Billiardstel Sekunde (zum Vergleich: In einer Sekunde kommt Licht von der Erde zum Mond oder umrundet die Erde 7,5 mal. In 1 fs umrundet das Licht noch nicht einmal ein Haar). Aufgrund seiner Spot-Größe von nur 1/100 mm können mit ihm äußerst präzise Arbeiten im Mikrometerbereich vorgenommen werden. So lässt sich Gewebe vollkommen exakt und praktisch ohne Wärmeentwicklung schneiden.

Beim Linsenaustausch ersetzt er mehrere wesentliche und bisher vom Arzt von Hand durchgeführte Teilschritte der Operation:
1. Der Kern der Augenlinse wird mittels Laser zerteilt und verflüssigt (bisher vom Operateur mittels Ultraschall durchgeführt, sog. Phakoemulsifikation).
2. Die vordere Kapsel der Augenlinse wird mit dem Laser kreisrund eröffnet (sog. Kapsulorhexis).

Ab Mai 2013 wurden in der Kölner Augenklinik am Neumarkt zunächst 120 Kataraktaugen ohne vorherige Hornhauterkrankungen mit dem Laser behandelt. „Wir konnten durchweg feststellen, dass sowohl der Endothelzellverlust als auch die postoperative Hornhautschwellung im Vergleich zu konventionell durchgeführten Katarakt-OPs geringer war“, so Gerten. Die Forscher führen die geringere Endothelbelastung vor allem auf die durch den Lasereinsatz eingesparte Ultraschallenergie zurück.

Nach Abschluss dieser ersten Phase wurde begonnen, auch Patienten mit einer kornealen Vorerkrankung einer laserassistierten Katarakt-OP zu unterziehen. Die ersten Erfahrungswerte sind ermutigend, wobei die Messung geringer Endothelzellverluste hohe Patientenzahlen braucht, um statistisch signifikante Ergebnisse zu erhalten, u.a. weil das Messverfahren bei erkrankten Hornhäuten an seine Grenzen stößt. Insgesamt sind die klinischen Resultate jedoch jetzt schon vielversprechend.

Die VSDAR-Mitglieder Gerten und Kermani sind international anerkannte Spezialisten für operative Augenheilkunde und Laserchirurgie. Ihre Operationskataloge weisen jeweils weit über 20.000 Augenoperationen aus. Beide arbeiten intensiv mit namhaften Forschungseinrichtungen zusammen und beraten wissenschaftliche Vereinigungen.

Der gemeinnützige VSDAR, Dachverband hochspezialisierter Kliniken, wurde gegründet, um größtmögliche Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit sowohl in der Aufklärung als auch bei der Behandlung zu erreichen. Für Interessierte, die sich über die Möglichkeiten der Refraktiven Chirurgie informieren möchten, stehen hilfreiche Informationen im Internet unter http://www.vsdar.de zur Verfügung.