Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)

Nützliche Informationen zum Mindesthaltbarkeitsdatum - In fünf Schritten zu weniger Lebensmittelabfällen

Pressemitteilung   •   Mai 19, 2014 15:55 CEST

Die EU-Agrarminister treffen sich in Brüssel und debattieren über eine mögliche Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums für langlebige Lebensmittel wie beispielsweise Reis oder Nudeln. Ziel ist, einen Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung zu leisten. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist auf den meisten Verpackungen mit „mindestens haltbar bis“ vermerkt und wird aufgrund fehlender oder mangelnder Basisinformation häufig mit dem Verfallsdatum verwechselt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine wichtige Orientierungshilfe. Jedoch Farbe, Geruch, Konsistenz und Geschmack geben Aufschluss darüber, ob das Lebensmittel noch unbedenklich genießbar ist.

„Viele Lebensmittel landen frisch verpackt und noch ungenutzt auf dem Müll, weil sich Verbraucher unsicher sind, wenn sie das Datum auf der Verpackung erblicken. Oft wird das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verfallsdatum verwechselt“ kommentiert Dr. Wolfram Schaecke, Leiter des Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach und Freising, die aktuelle Gesprächsrunde in Brüssel. „Innerhalb der EU werden jährlich aktuell 89 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet, allein in Deutschland landen jedes Jahr insgesamt rund 11 Millionen Tonnen auf Müll. Das sind pro Bürger jährlich ungefähr 82 kg Nahrungsmittel und auch in Bayern sind es 65 kg pro Person.“

Nach Aussagen von Wissenschaftlern der Universität Stuttgart, die im Auftrag des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) die Menge und Zusammensetzung der Lebensmittelabfälle in Bayern erfasst und auswertet,  sind rund die Hälfte der Lebensmittelabfälle, die bayerische Verbraucher verursachen, vermeidbar.

Bayerische Ernährungstage zu Lebensmittelwertschätzung

Die diesjährigen Bayerischen Ernährungstage greifen ab 27. Juni 2014 die Lebensmittelverschwendung als Fokusthema auf. Noch bis 15. Juni 2014 läuft bayernweit der Fotowettbewerb ‚köstlich & kostbar‘ (www.fotowettbewerb.ernaehrungstage.de). Teilnehmer/innen aus ganz Bayern können ihre Motive einreichen, die ihre persönliche Sicht auf das Thema "Lebensmittelver(sch)wendung" spiegeln. „Mit dieser Aktion wollen wir neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnen und die Bevölkerung in Bayern für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren“, erklärt Schaecke. „Schon beim Einkauf und bei der Vorratshaltung kann man vieles beachten und damit die persönliche Wegwerfquote reduzieren.“

Zusätzlich zum Fotowettbewerb wird es ab Mitte Juni 2014 eine Wanderausstellung mit dem Titel ‚Restlos Gut Essen‘ (www.restlosgutessen.de) geben, die in den nächsten Monaten quer durch mehrere bayerische Städte touren wird, um Lebensmittelverschwendung und achtsame Verwendung zu visualisieren und erlebbar zu machen.

Fünf Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Jeder Bürger hat es selbst in der Hand, seine eigene Lebensmittelverschwendung zu minimieren, die Umwelt zu schonen und damit auch Geld zu sparen. Denn die jährliche Menge an weggeworfenen Lebensmitteln beläuft sich in Bayern auf einen Wert von rund 196,50 €.

1. Richtig planen

Hilfreich ist, die Mahlzeiten für mehrere Tage im Voraus zu planen. Dabei ist zu berücksichtigen, wie viele Personen satt werden sollen oder ob sich Besuch ankündigt. Ein Blick vor dem Einkauf in Lagerschränke, Kühlschrank und Gefrierschrank hilft dabei: Welche Lebensmittel sind noch vorhanden? Welche Produkte sollten bald aufgebraucht werden? Wie lassen sich die vorhandenen Vorräte sinnvoll in den Speiseplan integrieren?

2. Überlegt einkaufen

Durch den Einkauf saisonaler und regionaler Lebensmittel erhält der Verbraucher frische Produkte, die keine langen Transportwege hinter sich haben. Der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder vom Direktvermarkter bietet zudem höhere Transparenz als im Supermarkt. Außerdem sollte man sich immer einen Einkaufszettel schreiben und nicht hungrig einkaufen gehen.

3. Sachgemäß aufbewahren

Nach dem Einkauf ist es notwendig, die Lebensmittel richtig zu lagern, um schnelles Verderben zu verhindern. Richtiges Einsortieren von Lebensmitteln, die in den Kühlschrank gehören, kann die Haltbarkeit von Lebensmitteln erheblich verlängern. Die Lagerung von Lebensmitteln bei niedrigen Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts bewirkt eine Verlangsamung oder sogar Unterbindung des Wachstums vieler Mikroorganismen, die den Verderb verursachen. So gehört Obst und Gemüse ins Gemüsefach. Über dem Gemüsefach ist der kälteste Bereich, hier sind leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Fleischwaren sowie leicht verderbliche Speisereste an der richtigen Stelle. Im mittleren Fach ist es mit 3 bis 6 °C moderat kühl, dort lagern Milch und Milchprodukte sowie Eier am besten. Im oberen Kühlschrankfach sind Käse, Geräuchertes und abgedeckte Speisereste gut aufgehoben. Im Türfach ist der wärmste Bereich (7 bis 10 °C), dieser Platz ist für Getränke, Butter, Marmelade, Senf und Ketchup geeignet.

4. Planvoll kochen

Häufig ist es schwierig, die richtigen Mengen für eine Mahlzeit abzuschätzen. Oft wird zu viel eingekauft und gekocht. Es lohnt sich in jedem Fall, sich über folgende Fragen Gedanken zu machen: Für wen wird gekocht? (Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) Wie viele Mahlzeiten werden insgesamt am Tag verzehrt?

5. Restlos verwerten

Nicht immer lassen sich Speisereste vermeiden. Aus übriggebliebenen Speisen und Resten entstehen kreative und einfache Mahlzeiten, wie zum Beispiel Knödelauflauf, Pizza mit Wurstresten oder eine Gemüsepfanne. Abgekühlte Speisereste lassen sich in einem sauberen Behälter und zugedeckt bis zu mehreren Tagen im Kühlschrank aufbewahren. Auch Einfrieren ist eine Möglichkeit. Gerade kleinere Haushalte können dies gezielt nutzen, indem sie einmalig mehr kochen als gebraucht wird und die Reste portionsweise im Kühlschrank einlagern oder einfrieren.

Weitere Informationen zum Thema Lebensmittelverschwendung erteilen die 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) in Bayern.

Das Kompetenzzenturm für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wurde 2011 gegründet und ist in Kulmbach und Freising angesiedelt.