Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

Schnell, viel und planvoll: China setzt auf Infrastrukturausbau zur Konjunkturbelebung

Pressemitteilung   •   Dez 10, 2013 00:00 CET

China investiert immense Summen in den Ausbau seiner Infrastruktur. Mit der gezielten Förderung der Transport- und Verkehrswege soll das zuletzt schwächelnde Wirtschaftswachstum des Landes wieder angekurbelt werden. Allein 2013 werden über 14 Milliarden Euro bereitgestellt, um das Verkehrswegenetz aus Straßen, Schienen, Wasserwegen und Flughäfen auszubauen. Neben dem Investitionsverhalten beeindrucken auch die strategische Planung und das Tempo, mit dem die Vielzahl der Projekte umgesetzt wird.

Projektrealisierung in Rekordzeiten

Beleg dafür ist beispielsweise der Bau der weltweit längsten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke. Die 1.318 Kilometer lange Trasse verbindet die beiden Wirtschaftszentren Peking und Shanghai und wurde nach einer Rekordbauzeit von drei Jahren im November 2010 eröffnet. Parallel dazu wurden 24 neue Großbahnhöfe errichtet.

Das Tempo der Planung und Planfeststellung sowie die extrem kurzen Bauzeiten bei Infrastrukturprojekten in China sind beeindruckend. „Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass mit den betroffenen Bürgern oft sehr rüde umgegangen wird“, erinnert Professor Armin Schwolgin, stellvertretender Sprecher der BVL-Regionalgruppe Südbaden/Oberrhein. Honorarprofessor an der Beijing Wuzi University und Studiengangleiter BWL-Spedition, Transport und Logistik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach. So mussten beispielsweise bei der Hochgeschwindigkeitsstrecke Peking-Schanghai tausende Menschen zwangsumgesiedelt werden.

Klare Linie durch planvolles Vorgehen

Im Gegensatz zu anderen BRIC-Staaten verfolgt China beim Ausbau seiner Infrastruktur eine klare Strategie. Für die Erweiterung des Straßennetzes entwickelte das Transportministerium einen eigenen Nationalplan. Unter der Formel 7-9-18 sieht dieser unter anderem den Bau von sieben von Peking ausgehenden Hauptautobahnen sowie neun Nord-Süd-Verbindungen vor, die von 18 weiteren Autobahnen mit Ost-West-Ausrichtung durchkreuzt werden. Bis zum Jahr 2035 will die chinesische Regierung 230 Milliarden Euro allein in das Straßennetz investieren.

Auch die Grundlage der Eisenbahnpolitik und des Ausbaus der Wasserstraßen ist ein eigener Plan. Der seit 2004 gültige „Mittel- und langfristige Plan für die Entwicklung des wichtigsten Langstreckenverkehrsmittels Chinas bis 2020“ sieht unter anderem vor, das Schienennetz des Landes auf 120.000 Kilometer auszubauen und für die Hauptstrecken das Fracht- und Passagiernetz zu trennen. Um die Transportkapazitäten auf dem Wasser zu erhöhen, sind der Bau neuer Häfen und der Ausbau von Wasserwegen für Schiffe über 1.000 Tonnen auf insgesamt 19.000 Kilometer vorgesehen.

Infrastrukturausbau hält nicht mit Wirtschaftswachstum schritt

Trotz des durchdachten Vorgehens und der großen Erfolge hat Chinas Infrastruktur noch Aufholbedarf: „In China mangelt es nicht an Investitionen für den Aus- und Neubau der Infrastruktur“, erläutert Mike Hofmann, General Manager der Außenhandelskammer in Peking und stellvertretender Sprecher des BVL-Chapters Peking. „Das Land steckt mehr Geld in seine Transport- und Verkehrswege als die Staaten Südostasiens, so dass die Infrastruktur in China meistens besser ausgebaut ist als in den anderen Staaten dieser Region. Die Entwicklung der Infrastruktur kann aber nicht mit dem hohen Wachstumstempo der Wirtschaft mithalten. Vor diesem Hintergrund besteht praktisch bei allen Transportwegen Ausbaubedarf.“

Know-how-Transfer nach beiden Seiten

Dabei ist der Bedarf an deutschem Logistik-Know-how in China groß. Deutlich wird dies an dem Wunsch nach einer privilegierten Partnerschaft in der Logistik, die der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland anregte. Sogar von einem deutsch-chinesischem Traumpaar war die Rede. „Deutsches Wissen ist in China extrem gefragt. Man weiß, dass das Land im weltweiten Logistik-Ranking Spitzenpositionen einnimmt. Und in China schaut man gerne, wer der Beste ist und was man von ihm lernen kann“, weiß Professor Michael Schüller von der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Osnabrück und der Hefei University.

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