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Erdgas-Röhren-Vertrag wird 50 Jahre alt

News   •   Feb 04, 2020 11:16 CET

Auslieferung der ersten Röhren für den Pipelinebau im Sommer 1970 (Bild: Ost-Ausschuss, Archiv)

Am 1. Februar 1970 wurde in Essen der erste Erdgas-Röhren-Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet. Der Vertrag habe den Grundstein für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gelegt und zugleich die Energiepartnerschaft zwischen West und Ost besiegelt, würdigt Mario Mehren, CEO von Wintershall Dea und Sprecher des Arbeitskreises im Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der deutschen Wirtschaft.

Die historische Vertragsunterzeichnung zwischen westdeutschen Firmen und der Sowjetregierung fand im Essener Hotel Kaiserhof statt. Hierbei sagte die deutsche Seite zu, über eine Million Tonnen Großröhren für den Erdgastransport zu bauen. Im Gegenzug verpflichtete sich Moskau, jährlich drei Milliarden Kubikmeter Gas zu liefern. Geistiger Vater des bedeutenden Wirtschafts-Deals war der damalige deutsche Bundeskanzler Willy Brandt. Auch ein halbes Jahrhundert später ist Russland immer noch ein verlässlicher Energielieferant.

Bereits vor 50 Jahren standen amerikanische Wirtschaftssanktionen im Raum. Heute sieht sich Europa mit einem ähnlichen Bild konfrontiert: Das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. „Die Konfliktlinien zwischen den USA und Westeuropa sind nahezu die gleichen. Und ebenso unverändert ist, dass Deutschland und Europa gut beraten sind, sich von diesen Drohungen nicht einschüchtern zu lassen“, betont Mehren.

Dem pflichtet auch der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Oliver Hermes bei: Europa müsse erneut eine Antwort auf exterritoriale Sanktionen finden. Ohne Nord Stream 2 ließen sich die ehrgeizigen Klimaschutzziele in Deutschland kurz- und mittelfristig nicht erreichen, denn ohne Russland und das russische Erdgas gebe es in Deutschland und Europa auch heute keine Energiesicherheit, so Hermes weiter.

Dank Pipelinegas genießt Europa über ein recht niedriges Gaspreisniveau. „Das ist ein Trumpf, von dem die Verbraucher tagtäglich profitieren, und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Industrie. Es ist gut, dass wir bei Bedarf Flüssiggas aus den USA oder Katar beziehen können. Aber wir sind in der glücklichen Lage, darauf nicht angewiesen zu sein. Denn wir haben, neben der eigenen Gasförderung in der EU, mit Norwegen und Russland große Produzenten in Pipelinedistanz“, sagt Mehren.