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EU muss CO2-Flottenregulierung überarbeiten, um Trendwende zu erzielen

Pressemitteilung   •   Mär 10, 2020 15:44 CET

Antriebe mit grünen Gasen sind nachweislich geeignet, CO2-Reduktionen im Verkehrssektor wirksam und schnell herbeizuführen. (Foto: Zukunft ERDGAS/Danny Kurz)

  • Chance auf schnellen Klimaschutz durch Überprüfung der CO2-Flottenregulierung im Sommer 2021
  • Durch „Well-to-Wheel“-Betrachtung können grüne Gase ihr Klimaschutzpotenzial ausspielen
  • Kehler: „Die Bundesregierung muss sich für einen ‚Well-to-Wheel‘-Ansatz stark machen, damit auch Fahrzeuge, die mit grünen Gasen fahren, wieder eine faire Chance erhalten.“
  • Linke: „Antriebe mit grünen Gasen sind nachweislich geeignet, CO2-Reduktionen im Verkehrssektor wirksam und schnell herbeizuführen. Insbesondere im Schwerlast- und öffentlichen Nahverkehr können sie ihr Potenzial ausspielen. Die Politik ist jetzt gefordert, durch eine Neubewertung der Flottengrenzwerte regulatorische Hemmnisse aus dem Weg zu räumen.“


Berlin, 10. März 2020 – Der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor ist in Europa auch 2019 angestiegen. Die EU-Verkehrspolitik trägt hier eine Mitverantwortung, da sie Fahrzeugherstellern nur eingeschränkt Anreize für schnelle Klimaschutzmaßnahmen bietet. Das betonen die Brancheninitiative Zukunft ERDGAS und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) anlässlich des Symposiums Zukunft Gas-Mobilität und fordern eine Überarbeitung der europäischen CO2-Flottenregelung.

Spätestens ab 2021 müssen Fahrzeughersteller die verschärften CO2-Grenzwerte der EU einhalten. Dabei werden umweltschonende Kraftstoffe unterschiedlich bewertet: So werden Elektrofahrzeuge mit Null Emissionen angeführt, die Nutzung von Biogas als Kraftstoff hingegen nicht begünstigt. Damit wird der Elektroantrieb gegenüber anderen Alternativen bevorzugt. Anders als bei der gegenwärtigen Methodik werden bei einer „Well-to-Wheel“-Betrachtung nicht nur die Emissionen gemessen, die bei der Verbrennung des Kraftstoffs entstehen, sondern auch die vorgelagerten. Sie bietet damit ein realistisches Bild der CO2-Bilanz eines Kraftstoffs. Mitte 2021 soll die Regulierung überprüft werden.

„In Brüssel werden die Weichen für Europas Automarkt gestellt, denn was dort entschieden wird, hat direkte Auswirkungen auf die Strategie der Hersteller. Nächsten Sommer erhält die EU die Chance auf eine Kurskorrektur bei der CO2-Flottenregelung, um endlich eine Trendwende beim CO2-Ausstoß des Verkehrs einzuleiten. Die Bundesregierung muss sich für einen ‚Well-to-Wheel‘-Ansatz stark machen, damit auch Fahrzeuge, die mit grünen Gasen wie Biogas und synthetisch erzeugtem Erdgas oder Wasserstoff fahren, wieder eine faire Chance erhalten“, fordert Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft ERDGAS.

DVGW-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke: „Neben Biogas und synthetisch erzeugtem Erdgas wird Wasserstoff bei Pkw und Nutzfahrzeugen stark an Bedeutung gewinnen. Das klare Bekenntnis der Bundesregierung ist jetzt wichtig, damit der Markthochlauf dieser wichtigen Technologie gefördert wird und deutsche Hersteller sowohl auf der Antriebsseite als auch bei den Power-to-Gas-Technologien die Technologieführerschaft übernehmen können.“

In Deutschland kann man bereits an 47 Prozent der Erdgas-Tankstellen Biogas tanken – Tendenz steigend. Derzeit werden in Deutschland ca. 60 Terawattstunden Biogas produziert. Das reicht theoretisch aus, um 8,8 Millionen Pkw mit dem umweltschonenden Kraftstoff zu betreiben. Bis 2030 könnten laut der Deutschen Energie-Agentur etwa 100 Terawattstunden erzeugt werden. Für Deutschland ermitteln Untersuchungen einen Wasserstoffbedarf für alle Sektoren von mehreren hundert Terawattstunden bis 2050. Davon entfallen beträchtliche Anteile auf die Mobilität.

Das europäische Gastankstellennetz wird immer engmaschiger: Nach Angaben des europäischen Gasfahrzeugverbands (NGVA) ist die Zahl der Tankstellen seit Januar 2018 um über 300 auf insgesamt rund 3.800 gestiegen. Auch die neu zugelassenen Pkw mit Gasantrieb haben in den letzten drei Jahren einen Zuwachs von rund 40 Prozent verzeichnet und lagen Ende 2019 bei knapp 70.000 Fahrzeugen.

Bei Wasserstoff befindet sich die Infrastruktur in Deutschland derzeit im Aufbau. Aktuell gibt es für Pkw und Lieferfahrzeuge 80 Tankstellen; der Aufbau von Tankstellen für Busse und Lkw erfolgt bislang separat. Weltweit sind ca. 15.000 bis 18.000 Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb im Einsatz; die meisten in den USA und Asien, mit deutlichem Abstand gefolgt von Europa.

Über Zukunft ERDGAS e.V.

Zukunft ERDGAS ist die Initiative der deutschen Gaswirtschaft. Sie vertritt die Marke und das Produkt Erdgas gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verbrauchern. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern setzt sich die Initiative dafür ein, dass die Potenziale des Energieträgers sowie der bestehenden Gasinfrastruktur genutzt werden und informiert über die Chancen und Möglichkeiten, die Erdgas und grüne Gase wie Wasserstoff und Biogas für unsere Gesellschaft bieten. Getragen wird die Initiative von führenden Unternehmen der Gaswirtschaft. Branchenverbände und die Heizgeräteindustrie unterstützen Zukunft ERDGAS als Partner.

Über DVGW e.V.

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) fördert das Gas- und Wasserfach mit den Schwerpunkten Sicherheit, Hygiene und Umweltschutz. Mit seinen über 13.600 Mitgliedern erarbeitet der DVGW die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Gas und Wasser. Der Verein initiiert und fördert Forschungsvorhaben und schult zum gesamten Themenspektrum des Gas- und Wasserfaches. Darüber hinaus unterhält er ein Prüf- und Zertifizierungswesen für Produkte, Personen sowie Unternehmen. Die technischen Regeln des DVGW bilden das Fundament für die technische Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Sie sind der Garant für eine sichere Gas- und Wasserversorgung auf international höchstem Standard. Der gemeinnützige Verein wurde 1859 in Frankfurt am Main gegründet. Der DVGW ist wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral.

Lars Wagner
Tel: 030-794736 46
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