Pressemitteilung —
Großstörung an der Westküste: Vorläufige Erkenntnisse zur Ursache
Bearbeitung und Prüfung der Schadensmeldungen laufen an.
Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen beruhte die Großstörung an der schleswig-holsteinischen Westküste vom 18. Oktober 2026 auf dem Zusammenwirken mehrerer technischer Umstände. Ausgangspunkt war nach den bisherigen Erkenntnissen das Versagen einer Leiterverbindung im 110-kV-Netz. Die anschließenden Schutzschaltungen und Veränderungen der Netzstruktur führten zu außergewöhnlichen Spannungsverhältnissen. Die genaue technische Abfolge, ihre Vermeidbarkeit und die einzelnen Auswirkungen werden weiter untersucht. Parallel dazu werden eingegangene Schadensmeldungen bereits erfasst und geprüft. Erste Regulierungsentscheidungen sollen zeitnah ermöglicht werden.
Vorläufige Ursachenanalyse
Nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen versagte an einem 110-kV-Freileitungsmast im Raum Itzehoe eine Verbindungsklemme. Als mögliche Ursache wurde die Verwendung einer nicht zum Leiterdurchmesser passenden Klemme identifiziert. Das Versagen der Verbindung führte zu einer Leiterunterbrechung und einem Erdschluss. Daraufhin lösten mehrere Schutzsysteme aus, wodurch sich die Netztopologie veränderte und sich ein extrem langgestrecktes Teilnetz bildete. In der Folge kam es zu einer außergewöhnlichen Überspannungssituation und zu Schäden an Betriebsmitteln in mehreren Umspannwerken. Die bisherigen technischen Analysen zeigen, dass dadurch auch in nachgelagerten Mittel- und Niederspannungsnetzen schädigende Überspannungen auftreten konnten. Zu einzelnen bei Kundinnen und Kunden gemeldeten Schäden werden die jeweiligen Ursachen und Zusammenhänge im Rahmen der Schadensbearbeitung geprüft. Die Untersuchung der Schutzsysteme und des genauen Störungsablaufs ist noch nicht abgeschlossen.
Benjamin Merkt, technischer Vorstand der SH Netz-Muttergesellschaft HanseWerk: „Die bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass mehrere ungewöhnliche technische Umstände zusammengewirkt haben. Die genaue Ursache und die Abfolge der Ereignisse sind jedoch weiterhin Gegenstand der Untersuchungen.“ Die bisherigen Erkenntnisse werden unter Einbeziehung interner und externer Fachleute weiter überprüft. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen keine Anhaltspunkte für einen Anschlag oder eine besondere Einspeisesituation durch erneuerbare Energien als Auslöser der Störung vor.
Weitere Maßnahmen:
Benjamin Merkt: „Wir nehmen das Ereignis sehr ernst und prüfen bereits, welche zusätzlichen Maßnahmen zur weiteren Verringerung vergleichbarer Risiken sinnvoll und erforderlich sind. Die Untersuchungen hierzu laufen.“ SH Netz hat bereits erste Konsequenzen aus der Situation gezogen: Es wurden vergleichbare Verbindungsstellen wie an dem betroffenen 110.000-Volt-Mast überprüft. Dabei wurden weitere Klemmen identifiziert, die einer näheren Bewertung und gegebenenfalls einem Austausch bedürfen. Nach bisherigen Feststellungen waren dort keine mit dem Schadensort vergleichbaren Schädigungen der Leiterseile erkennbar. Zusätzlich werden Kontrollen an 110-kV-Leitungen durchgeführt, unter anderem durch Thermografie und Drohnenbefliegungen, um mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Außerdem untersucht SH Netz die Schutzkonzeption und mögliche Verbesserungen. Aus Gründen der Sicherheit kritischer Infrastruktur können dazu aber nicht sämtliche technischen Einzelheiten offengelegt werden.
Schadensmeldungen und Regulierung:
Bislang sind rund 3.500 Schadensmeldungen mit insgesamt geltend gemachten Beträgen von mehreren Millionen Euro eingegangen. Diese Beträge sind noch nicht mit der festgestellten oder ersatzfähigen Schadenshöhe gleichzusetzen. Jede Meldung wird einzeln geprüft; weitere Meldungen können hinzukommen. Die gemeldeten Beeinträchtigungen betreffen vor allem Haushaltsgeräte, Wärmepumpen und weitere technische Anlagen. Die Meldungen werden fortlaufend aufgenommen und hinsichtlich der jeweiligen Ursache sowie einer möglichen Ersatzpflicht individuell geprüft. Erste Regulierungsentscheidungen werden nach Maßgabe der gesetzlichen Voraussetzungen und der Ergebnisse der Einzelfallprüfung zeitnah angestrebt. Für die Höhe eines möglichen Ersatzanspruchs kommt es auf die jeweils einschlägige Anspruchsgrundlage und den konkreten Schaden an. Durch die verschuldensunabhängige Haftung nach dem Produkthaftungsgesetz besteht aber jetzt schon die Möglichkeit nach Einzelfallprüfung, größere Sachschaden von Privatkunden mit einem Zeitwert ab 5.500 Euro mit einer Selbstbeteiligung von 500 Euro zu regulieren. Auch gewerbliche Schadensmeldungen werden bearbeitet; ihre Prüfung kann wegen der unterschiedlichen Schadensarten und rechtlichen Voraussetzungen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Regulierung solcher und weiterer anders gelagerter Fälle erfolgt gemäß der weiteren Klärung der Ursache mit dem zuständigen Sachverständigen, die noch Zeit benötigt.
Andreas Block, kaufmännischer Geschäftsführer SH Netz: „Wir arbeiten eng mit unserer Versicherung und den mit der Schadenbearbeitung beauftragten Stellen zusammen, um die eingegangenen Meldungen zügig zu bearbeiten. Besonders dringende Fälle versuchen wir vorrangig zu prüfen. Wegen der außergewöhnlich hohen Zahl an Meldungen kann dies dennoch einige Zeit in Anspruch nehmen.“
Benjamin Merkt: „Wir möchten allen Hilfskräften für ihren tatkräftigen Einsatz am Tag des Stromausfalls und danach danken. Ebenso danken wir den betroffenen Kundinnen und Kunden für ihr Verständnis und ihre Geduld. Uns ist bewusst, dass die Situation für viele Menschen mit erheblichen Belastungen verbunden ist. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten gemeinsam mit den beteiligten Stellen daran, die Schadensmeldungen so zügig wie möglich zu bearbeiten.“
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Schleswig-Holstein Netz
Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) betreibt für rund 2,8 Millionen direkt oder indirekt angeschlossene Kunden Strom- und Gasleitungen in mehr als 900 Kommunen in Schleswig-Holstein. Rund 400 schleswig-holsteinische Kommunen halten Anteile an SH Netz. Sie haben umfangreiche Mitspracherechte und erhalten eine Garantiedividende. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 31 Standorten in Schleswig-Holstein.
SH Netz hat als bereits mehr als 120.000 Windräder und Solaranlagen an das Stromnetz angeschlossen, hinzu kommen mehr als 50.000 Batteriespeicher. Bis 2030 investiert das Unternehmen rund 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau und die Effizienz des Stromnetzes. Damit wird es möglich, künftig noch mehr Energie aus Wind und Sonne in das Netz zu integrieren. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen Energielösungen wie Smart-City-Anwendungen und unterstützt mit intelligenten Ladelösungen die Elektrifizierung des Straßenverkehrs. SH Netz engagiert sich in Innovationsprojekten wie beispielsweise Einspeiseanlagen, mit denen Biogas oder aus Windstrom produzierter Wasserstoff ins Erdgasnetz aufgenommen werden kann, oder staatlich geförderte Forschungsprojekte.
SH Netz hat seine Standorte auf regenerative und biogene Energieträger umgestellt sowie die Elektromobilität in ihrer mehrere hundert Fahrzeuge umfassenden Flotte ausgebaut. Darüber hinaus setzt das Unternehmen fortlaufend Maßnahmen zur Optimierung des Strom- und Gasnetzbetriebs um. Außerdem unterstützt das Unternehmen seit vielen Jahren den regionalen Spitzen- und Breitensport in Schleswig-Holstein, zum Beispiel den SH Netz Cup in Rendsburg, das härteste Ruderrennen der Welt.