Pressemitteilung —
c’t-Magazin: Nach Microsoft-Panne
Europa sucht Weg aus digitaler Abhängigkeit
Hannover, 2. September 2026 – Der stundenlange Ausfall von Microsoft-Diensten am Montag hat Tausende Unternehmen lahmgelegt. Europäische Alternativen zu Microsoft 365 und Google Workspace könnten solche Risiken verringern, schreibt Europas führendes IT- und Tech-Magazin c’t in Ausgabe 19/2026. Doch der Wechsel erfordert Kompromisse.
Am Montagabend konnten Millionen Nutzer weltweit weder E-Mails versenden noch auf ihre Postfächer zugreifen. Eine fehlerhafte Einstellung bei Microsoft hatte nicht nur den E-Mail-Dienst gestört, sondern auch Kalender und Videokonferenzen. Erst am Dienstagmorgen normalisierte sich die Lage. „Solche Ausfälle zeigen, wie verwundbar Unternehmen sind, wenn sie ihre gesamte Kommunikation einem einzigen Anbieter anvertrauen“, sagt c’t-Redakteur Holger Bleich.
Die Abhängigkeit geht über technische Pannen hinaus. Microsoft und Google unterliegen amerikanischem Recht. US-Behörden können unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf Daten verlangen – auch wenn die Server in Europa stehen. „Was passiert, wenn ein US-Präsident den Betrieb dieser Dienste in Europa per Dekret verbietet?“, fragt Bleich.
Alternativen gibt es von europäischen Anbietern. Schweizer und deutsche Firmen wie Infomaniak, mailbox oder Proton kombinieren E-Mail, Cloudspeicher und Videokonferenzen zu vollständigen Arbeitspaketen. Ihre Server stehen in Europa, die Software ist oft frei verfügbar und lässt sich leicht zu anderen Anbietern übertragen. Die Kosten liegen bei wenigen Euro pro Nutzer im Monat.
Besonders Behörden suchen nach Auswegen. Das deutsche Zentrum für Digitale Souveränität entwickelt mit „openDesk“ ein Komplettpaket für Verwaltungen. Anders als bei Microsoft können Behörden darin einzelne Teile austauschen oder selbst betreiben.
Einen vollwertigen Ersatz für Microsoft bieten die Alternativen noch nicht. Die Dienste setzen unterschiedliche Schwerpunkte und erreichen nicht den gleichen Funktionsumfang. „Wer wechseln will, muss Abstriche machen“, räumt Bleich ein. „Aber die Grundfunktionen sind da.“
Laut Europäischem Parlament kontrollieren drei US-Konzerne – Amazon, Microsoft und Google – zwei Drittel des europäischen Marktes für Cloud-Dienste. Der größte europäische Anbieter SAP kommt auf zwei Prozent. Diese Abhängigkeit sieht die EU-Kommission als strategisches Risiko. Sie hat Kriterien entwickelt, nach denen Behörden und Unternehmen souveräne Cloud-Angebote bewerten können.
„Digitale Souveränität bedeutet nicht, alles selbst zu bauen“, erklärt Bleich. „Es geht darum, die Wahl zu haben – bei einem Ausfall, bei geänderten Geschäftsbedingungen oder wenn sich die politische Lage ändert.“
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