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Solarstrom aus dem Moor
Exkursion zu einer Moor-PV-Anlage in Niedersachsen: Wenn Wiedervernässung und Energiewende zusammenfinden
Wo früher entwässertes Grünland war, ist das Moor heute wieder nass – und darüber erzeugen Solarmodule Strom. Rund 35 Fachleute aus Behörden, Naturschutz, Planung, Projektierung und Forschung kamen auf Einladung des KNE am 2. Oktober 2026 nach Varel in Niedersachsen. Bei der Besichtigung der Moor-PV-Anlage und im anschließenden Workshop ging es um Erfahrungen aus der Praxis, aktuelle Forschung vor Ort und Herausforderungen und Chancen von Moor-PV.
Mit Traktor und Zugwagen ging es auf die Fläche am Jadebusen, die auf Meeresspiegelniveau liegt. Landwirt Lars Kaper, der die Anlage gemeinsam mit Andreas Rengstorf betreibt, führte die Gruppe über das Gelände. Von 50 Hektar sind 40 mit Solarmodulen bebaut, auf einem weiteren Hektar wurde Agri-PV umgesetzt. Auf der Fläche sind hin und wieder offene Wasserstellen sichtbar, zwischen den Modulreihen weiden Schafe.
Moor-PV als wirtschaftliche Alternative
Seit dem 14. Januar 2026 speist die Anlage Strom ins Netz ein und soll jährlich etwa 9.000 Haushalte versorgen und 23.000 Tonnen CO2 einsparen. Für die Landwirte und Betreiber ist Moor-PV eine wirtschaftliche Alternative: Mit der Moor-PV-Anlage bringt die zuvor als Grünland genutzte Fläche trotz Wiedervernässung weiter Einkommen und schützt zugleich das Klima. Die Torfschicht ist stellenweise immer noch bis zu 2,50 Meter mächtig und bildet einen gigantischen Kohlenstoffspeicher. Mit der Wiedervernässung wird dieser Speicher vor der weiteren Zersetzung geschützt. Während aus trockengelegten Moorböden große Mengen an Treibhausgasen entweichen, bleibt der Kohlenstoff hier in organischer Form gebunden.
Das Projekt in Varel wird von mehreren Schultern getragen: von den engagierten Landwirten, die große Teile des Projekts mit eigenen Maschinen umgesetzt haben, einer Stadt, die das Vorhaben aktiv unterstützt, einem Partner aus der Energiebranche und einer Bürgerenergiegenossenschaft, die Anteile erworben hat. So verteilt sich das wirtschaftliche Risiko und auch Bürgerinnen und Bürger können sich am Solarpark beteiligen.
Die Forschung interessiert sich ebenfalls für die Anlage in Varel: Das Thünen-Institut betreibt hier einen seiner Standorte für das deutschlandweite Moorbodenmonitoring. Forschende des Instituts für Agrarklimaschutz am Thünen-Institut messen ganz konkret, wie sich Wasserstände und Treibhausgasemissionen entwickeln. Dr. Arndt Piayda und Claas Voigt erklärten vor Ort die Ziele und Methoden ihrer Forschung und teilten erste Ergebnisse.
Moor-PV braucht Planungssicherheit
Nach der Exkursion stellte Andrea Krüger von der Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum, im anschließenden Workshop ihre Forschung in den Projekten MoorPower und MoorPV vor. Auf dem Podium diskutierten Vertreter des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, der Unteren Naturschutzbehörde Friesland, der Stadt Varel und des Niedersächsischen Koordinierungszentrums Moorbodenschutz über die Chancen und Herausforderungen von Moor-PV und über konkrete Erfahrungen aus dem erfolgreichen Projekt in Varel.
Ihre Kernbotschaft: Land, Landkreis, Kommune und die Akteure des Moorbodenschutzes müssen sich gut aufeinander abstimmen und prüfen, ob Moor-PV eine Chance dafür ist, Wiedervernässung von entwässerten landwirtschaftlich genutzten Flächen und damit Moorbodenschutz in großem Stil voranzubringen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutz- und Wasserbehörde sei ein wichtiger Erfolgsfaktor, der hier im Landkreis Friesland bereits gut funktioniere.
Einen kritischen Blick warfen die Teilnehmenden in der anschließenden Diskussion auf die von der Bundesnetzagentur vorgeschriebenen Wasserstände, die mit einer Wiedervernässung erreicht werden müssen. Diese hängen auch von externen Faktoren wie Niederschlägen und der Nutzung angrenzender Flächen ab, auf die die Betreiber keinen Einfluss haben. Was geschieht, wenn diese Vorgaben trotz Bemühungen der Flächeneigentümer dauerhaft verfehlt werden? Droht die Rückzahlung der EEG-Förderung? Zusammen mit den derzeit schwierigen politischen Rahmenbedingungen erschwert diese Unsicherheit die Finanzierung.
Zu den im Moorboden verankerten Unterkonstruktionen hatten die Exkursionsteilnehmenden ebenfalls Fragen: Was geschieht, wenn sie entfernt werden? Hat das Einfluss auf den Moorboden und die Wiedervernässung? Die Expertinnen und Experten vor Ort erklärten: Der Torfkörper schließe sich in den meisten Fällen nach dem Rückbau wie ein Schwamm. Sie erwarteten deshalb keine negativen Einflüsse bei einem Rückbau der Anlage.
Moor-PV bietet die Chance, ehemals trockengelegte landwirtschaftlich genutzte Moorböden großflächig wiederzuvernässen und gleichzeitig weiter Ertrag zu erzielen. Die Gespräche vor Ort zeigten: Es müssen weiterhin Lösungen für die noch offenen ökologischen, rechtlichen und ökonomischen Fragen entwickelt und der Dialog zwischen den Akteuren gestärkt werden. Auch der Wissenstransfer in die Praxis ist eine wichtige Aufgabe, die verbessert werden muss – und an der das KNE intensiv arbeitet. Dann könnten künftig noch viele weitere Solarparks auf nassem Grund entstehen, mit denen Moorböden wiedervernässt, das Klima geschützt und Einkommen gesichert wird.