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High Reliability Organization (HRO) - das Krankenhaus als Hochzuverlässigkeitsunternehmen

Blog-Eintrag   •   Okt 30, 2019 10:20 CET

Vorstand der Landesgruppe Hessen

68. Jahrestagung der VKD-Landesgruppe Hessen am 25./26. September 2019 in Fulda

Das Krankenhaus als High Reliability Organisation (HRO), als Hochzuverlässigkeitsunternehmen – dies war der Leitgedanke der meisten Vorträge und Diskussionen im Rahmen der Jahrestagung der VKD-Landesgruppe Hessen.

HRO sind organisiert in Prozessen statt in starren Hierarchien, führte Dr. PeterGausmann, Geschäftsführer der GRB Gesellschaft für Risiko- Beratung in Detmold, in seinem Vortrag zu „HRO – Organisationsentwicklung zur Zuverlässigkeit in der Gesundheitswirtschaft“ aus. Spezialwissen und Erfahrung werde akzeptiert und gefördert, man sei sich der Komplexität der eigenen Aufgaben stets bewusst und auf Komplikationen gut vorbereitet. Eine kontinuierliche Fehler- und Risikoanalyse, ein professionelles Risk Management sei für HRO selbstverständlich. Anspruch des Sicherheitskonzeptes der HRO sei nicht „Wir sorgen dafür, dass möglichst wenig falsch läuft“, sondern „Wir sorgen dafür, dass es richtig läuft“.

Dabei dürfe man sich jedoch nicht auf Erfahrung verlassen: „Routine ist gefährlich. Wir überschätzen marginale Risiken und unterschätzen gravierende Bedrohungen“, so Gausmann. Bettina Geißler-Nielsen, Leiterin des Prozess- und Qualitätsmanagements der Agaplesion gAG in Frankfurt am Main, erläuterte „Status und Perspektiven auf dem Weg zur HRO“ anhand der herausragenden Aspekte Fehlerkultur, Sicherheitskultur, Achtsamkeitskultur.

Was Unternehmen von Orchestern lernen können, zeigte Christian Gansch zum Auftakt der Tagung der VKD-Landesgruppe Hessen in Fulda. Nicht im Rahmen eines Vortrags, vielmehr mit einer inspirierenden Performance „Vom Solo zur Sinfonie!“ zog der Dirigent, der viele Jahre internationaler Spitzenorchester führte und als Produzent in der Musikindustrie erfolgreich war, die Teilnehmer in seinen Bann. Es geht um gute Führung, darum, aus einer Vielzahl von Solisten eine perfekt funktionierende Einheit zu machen.

Der Erfolg hänge in beiden Fällen von der entscheidenden Frage ab, wie sich aus individueller Kompetenz und Vielfalt unternehmerische Einheit und Identität entwickeln lassen. „Ein Dirigent muss spüren, welchen Input die einzelnen Abteilungen, Gruppen und Musiker brauchen“, so Gansch. Aus Vielfalt muss Einheit entstehen – im Orchester wie im Krankenhaus. Hier müssen Solisten – ob Musiker oder Ärzte und Pflegekräfte - gemeinsam, als Team handeln. Gerade am Beispiel eines Sinfonieorchesters lasse sich zeigen, worauf es ankommt. Es gehe um den „Dreiklang der Führung“, so Gansch weiter: „Wahrnehmen - Entscheiden – Handeln“. Hier sei vor allem Wahrnehmungskompetenz wichtig. Es gelte, immer wieder die Balance zwischen individuellen und gemeinsamen Interessen herzustellen. Doch auch klare Entscheidungen sind gefragt: Wo Entscheidungen ausbleiben, entstehe fatale Orientierungslosigkeit – in Orchester wie im Krankenhaus. Der Erfolg könne sich nur einstellen, wenn Individualisten und unterschiedliche Abteilungen eine Einheit bilden.

„Die Verknüpfung von fachlicher und sozialer Kompetenz ist der wesentliche Faktor für effektive Führung und leistungsstarke Mitarbeiter“, unterstrich Christian Gansch. Über die Frage „Personaluntergrenzen: Fluch oder Segen?“ sprach der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus. Der ehemalige Präsident des Deutschen Pflegerats sprach sich deutlich für die Ausweitung verpflichtender Pflegepersonaluntergrenzen auf weitere Krankenhausbereiche aus. Kritik an dem Instrument wies er zurück. Pflegepersonaluntergrenzen dienten der Patientensicherheit und verbesserten die Arbeitsbedingungen der Pflegefachkräfte. Mittelfristig werde allerdings eine valide Pflegebedarfsbemessung im Krankenhaus benötigt. Nur so werde es gelingen, Patientensicherheit und pflegerische Versorgungsqualität optimal sicherzustellen, so Westerfellhaus.

Noch EDV oder schon HIM? „Wie gehen wir mit den Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich um?“ Chancen und Risiken der digitalen Transformation zeigten die Referenten der Entscheiderfabrik auf. Martin Bosch, Geschäftsführer, St.

Josefs-Hospital, Wiesbaden und Dr. Pierre-Michael Meier, Geschäftsführer der Entscheiderfabrik, waren sich einig: Der Unternehmenserfolg von Kliniken wird in der Zukunft maßgeblich davon abhängen, inwieweit die Kliniken mit der digitalen Transformation standhalten werden.

Meier zeigte unterschied zunächst zwischen IT und Digitalisierung: So sei alles IT, was zu Hard- und Software im Bereich Informations-, Kommunikations-, Leit- und Medizintechnik zähle. „Im Gegensatz zur IT werden bei der digitalen Transformation etablierte und funktionale Geschäftsprozesse, ob analog oder elektronisch, dekonstruiert, um neuartige Geschäftsprozesse oder Geschäftsmodelle zu etablieren“, so Meier: „Zeichnen sich die Geschäftsmodelle durch einen den Wettbewerb zeitnah auslöschenden Erfolg aus, wird von Disruption gesprochen.“ Hier zu bestehen erfordere strategisches Health Information Management (HIM), führte Meier weiter aus. Er stellte die Frage, wo die Teilnehmer mit ihren Bemühungen digitaler Umsetzung aktuell stehen: noch bei der „Elektronischen Datenverarbeitung (EDV)“ oder schon auf dem Weg zum HIM? Meier empfahl den Aufbau einer digitalen Agenda als weitere Dimension der Unternehmensstrategie, oder auch Health Information Management und Management Training on digital Transformation für Führungskräfte, um im Wettbewerb erfolgreich zu werden bzw. es zu bleiben.

Im würdigen Rahmen wurde Herr Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG), verabschiedet. Über 10 Jahre hat Herr Greunke die VKD-Jahrestagungen mit seinen Beiträgen „Aktuelles aus der HKG“ mehr als bereichert. Die Staffelübergabe an Herrn Prof. Dr. Steffen Gramminger erfolgt Anfang 2020. Als Willkommenspräsent erhielt er vom VKD-Vorstand einen Emaille- Kaffeebecher mit der Aufschrift „Steffen – Der Mann, Der Mythos, Die Legende“. „Auch in diesem Sinnen freuen wir uns auf eine weitere hervorragende Zusammenarbeit mit der Hessischen Krankenhausgesellschaft“, so Hubert Connemann als Vorstandsvorsitzender der VKD Landesgruppe Hessen.

Von der Mitgliederversammlung wurde auf Vorschlag des Landesvorstandes Frau Dr.med. Sylvia Heinis für die laufende Amtsperiode 2018 – 2021 nachgewählt. Frau Dr. Heinis als Kaufmännische Geschäftsführerin des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH (UKGM) am Standort Marburg komplettiert den 7-köpfigen VKD Landesvorstand Hessen. Nach Barbara Gawliczek (Fritzlar) ist Sylvia Heinis (Marburg) die zweite Frau im Vorstand – mit dem Eintritt von Frau Dr. Heinis ist nun die Trägergruppe „Universitätskliniken“ und gleichzeitig „Private“ ebenfalls wieder im VKD Vorstand Hessen vertreten.

„Aufeinander hören, voneinander lernen, miteinander handeln!“ – die Kernbotschaft vom Dirigenten Christian Gansch als auch der Vorträge zum Thema „Hochzuverlässigkeitsunternehmen“, zugleich das satzungsgemäße Credo des Verbandes der Krankendirektoren Deutschlands (VKD)“, so Hubert Connemann als Vorsitzender der VKD Landesgruppe Hessen zum Abschluss der 68. Jahrestagung in

Fulda. Trotz aller politischer und gesetzgeberischer Widrigkeiten, die in dem Vorschlag mündeten, von „Fridays for Future“ auf „Mondays for Hospitals“ umzuformulieren, sollten sich die Klinikführungen an dieser Maxime messen lassen.

Die 69. Jahrestagung 2020 unter dem Motto „Wieviel Krankenhaus braucht das Land?“ ist für den 23. und 24. September 2020 in Fulda terminiert.


Bildquelle: VKD e.V.: v.l.n.r. Martin Ködding (Bad Hersfeld), Martin Engelhardt (Weilmünster), Dr. Dirk Fellermann (Bad Nauheim), Dr. Sylvia Heinis (Marburg), Vorsitzender Hubert Connemann (Limburg), Barbara Gawliczek (Fritzlar) und stellv. Vorsitzender Andreas Schwab (Erbach)

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