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Ist die stationäre Versorgung in M-V noch zukunftssicher?

Blog-Eintrag   •   Okt 30, 2019 10:39 CET

Dr. Falko Milski, Landesvorsitzender, am Podium zur Eröffnung der 27. Rügener Krankenhaustage

Klinik-Führungskräfte stellen diese Kernfrage bei den 27. Rügener Krankenhaustagen

Sellin, d. 17. Oktober 2019. „Wir haben zwar nicht genügend Personal, aber wir wissen schon mal, wie viele Fachkräfte wir nach den gesetzlichen Vorgaben einsetzen müssen, um unsere Patienten zu versorgen“ sagt Dr. Falko Milski, Landesvorsitzender des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) gleich zum Auftakt der 27. Rügener Krankenhaustage. Die Klinikführungskräfte beraten und diskutieren über den aktuellen Stand und die künftige stationäre Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern.

Seit der Deutschen Einheit wurden die Bettenkapazitäten im Akutbereich fast halbiert. Eine Strukturbereinigung, die von den Krankenkassen oder kürzlich im Gutachten der Bertelsmann-Stiftung eingefordert wird, hat unser Bundesland schon absolviert. Das bedeutet, dass bei uns die stationären Einrichtungen nicht, wie etwa im Ruhrgebiet, in S-Bahn-Haltestellen-Entfernung angesiedelt sind. Umso mehr ist es nicht nachvollziehbar, dass unsere Landesregierung nicht wie andere Bundesländer die notwendigen pauschalen Investitionsmittel, deren Umfang seit 13 Jahren stagniert, in der notwendigen Höhe zur Verfügung stellt. „Wenn der nächste Doppelhaushalt hier keine deutliche Erhöhung vorsieht, ist die Kliniklandschaft nicht mehr zukunftssicher aufgestellt“ stellt Dr. Milski fest. Aufgrund der wenigen vorhandenen Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern ist ein weiteres Ausdünnen der Kliniklandschaft kaum mehr möglich. Es macht sich schon jetzt bemerkbar, dass bereits zeitweise Schließungen von medizinischen Bereichen, wie Kreissäle und Abteilungen, gravierende Nachteile in der stationären Gesundheitsversorgung zur Folge haben. Hinzu kommt, dass sich die Bevölkerung in den Urlaubsmonaten in vielen Regionen unseres Landes mehr als verdoppelt.

„Mit Blick auf die aktuellen bundespoltischen Rahmenbedingungen muss man den Eindruck gewinnen, dass – gemessen an der Schlagzahl der neuen Gesetzesvorhaben – Gesundheitsminister Jens Spahn zu den Ministern in der Bundesregierung gehört, dem die neue Verantwortung so richtig Spaß macht“ konstatiert der VKD-Landesvorsitzende. Bezogen auf die bevorstehende Halbzeitbilanz dürfte das Gesundheitsressort somit fast alle relevanten Aufgaben aus dem Koalitionsvertrag abgearbeitet haben. Durchaus positiv wurde durch die Klinik-Führungskräfte dabei aufgenommen, dass Tarifsteigerungen in der Krankenpflege künftig vollständig von den Krankenkassen übernommen werden und auch jede zusätzliche Stelle voll finanziert wird. Das entspricht langjährigen Forderungen der Krankenhäuser. Umstritten ist dagegen die Vorschrift, dass Kliniken, die aus Sicht des Gesetzgebers zu wenige Pflegekräfte beschäftigen, entweder mehr einstellen oder weniger Patienten behandeln dürfen. Wenn es diese Fachkräfte am Arbeitsmarkt nicht gibt, müssten Patienten abgewiesen werden. Vor allem in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns kann die Versorgung dann schwieriger werden. Dabei bilden solche pauschalen Vorschriften das tatsächliche Leistungsvermögen einer Klinik häufig nicht ab.

Eines der größten Probleme für Pflegende wie für Ärzte ist die seit Jahren zunehmende Bürokratie. Auch das schreckt derzeit ab, einen Beruf in der Klinik zu ergreifen oder dorthin zurückzukehren. Alles, was hier unnötig ist, muss aus dem Gesundheitswesen raus genommen werden. Die Zeit, die dafür täglich aufzubringen ist, fehlt in der Versorgung der Patienten. „Trotzdem wir seit mehr als zehn Jahren auf die elektronische Gesundheitskarte warten, haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Digitalisierung künftig zu einer Entlastung führt“ sagt Dr. Milski.

Bildunterschrift: VKD e.V.: Der neu gewählte Vorstand der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern: v.l. Silke Ritschel, Dr. Falko Milski, Michael Jürgensen, Jana Breitsprecher, Uwe Borchmann, Christoph Möller; nicht auf dem Foto: Yvonne Bartels

VKD-Landesvorsitzender Dr. Falko Milski wiedergewählt

Im Rahmen der 27. Rügener Krankenhaustage in Sellin hat die Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) Dr. Falko Milski wieder zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Der Geschäftsführer der Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten hat dieses Amt bereits seit 2010 inne. „Vor dem Hintergrund des fehlenden Personals und der unzureichenden Investitionsfinanzierung wird eine zukunftssichere stationäre Versorgung in den nächsten Jahren nicht gerade leichter werden.“ sagte Milski nach seiner Wahl zu den Klinik-Führungskräften.

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