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Reform der Notfallversorgung: Chancen für die Patientenversorgung

Blog-Eintrag   •   Jul 24, 2019 11:50 CEST

„Na, endlich“. Das jedenfalls habe ich gedacht, als Jens Spahn die Reformvorschläge zur Notfallversorgung bekannt gab. Dass Krankenhäuser hier am Limit arbeiten, ist allen Beteiligten unlängst bekannt und die Reformvorschläge liegen auch schon eine Weile auf dem Tisch. Zudem zeigen ja die Erfahrungen aus den Modellprojekten, bei denen der Schweregrad der Erkrankung des Patienten durch die sogenannte Triage bewertet wird, dass eine gezielte Steuerung sinnvoll ist. Sowohl für den Patienten, der schneller fachgerecht behandelt werden kann, als auch für die Infrastruktur der jeweiligen Einrichtung und damit den sinnvollen Ressourceneinsatz.

Verzahnung ambulant und stationär

Für Krankenhäuser sehe ich bei diesen Vorschlägen neue Chancen aber auch Herausforderungen. So lohnt es sich einmal mehr, sich mit den Abläufen und örtlichen Gegebenheiten des ambulanten Sektors vertraut zu machen. Hinsichtlich der eigenen Einrichtung sollte auf eine hohe Flexibilität geachtet werden. Werden die Reformvorschläge umgesetzt, werden sich Prozessabläufe und damit die Infrastruktur der Kliniken verändern müssen. Stehen also beispielsweise gerade Baumaßnahmen an, sollten etwa flexible Raumkonzepte Berücksichtigung finden.

Finanzielle Entlastung

Zudem erwarte ich von den neuen Regeln eine finanzielle Entlastung für die Kliniken: Derzeit arbeiten zahlreiche Notfallambulanzen defizitär. Noch ist zwar offen, wie die Vergütungssystematik genau geregelt wird. Doch heute erbringen die Notfallambulanzen Leistungen, für die sie eigentlich nicht vorgesehen sind. Mit einer Infrastruktur, die für den stationären Sektor gedacht ist, rechnen sich die ambulanten Leistungen nicht. Diese Aufgaben zukünftig anders zu organisieren, sollte die Situation auf jeden Fall verbessern.

Attraktivität als Arbeitgeber

Noch ein dritter und für die Versorgung besonders wichtiger Punkt: Der Arbeitsplatz Notfallambulanz könnte wieder an Attraktivität gewinnen, wenn die Beteiligten nicht kontinuierlicher Überlastung ausgesetzt sind. Vielmehr würde die Vielfalt der Aufgaben, gerade auch an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär, die Tätigkeit dort inhaltlich aufwerten. Krankenhäuser, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, könnten im Wettbewerb um Arbeitskräfte punkten.

Patienten im Fokus

Mit Spahns Reformvorschlag ist das Thema noch nicht „über den Berg“. Zur Umsetzung wird eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich sein. Zudem soll die Notfallversorgung nach den politischen Plänen bundesweit einheitlich, aber durch die einzelnen Bundesländer geregelt werden. Bleibt zu hoffen, dass Bund und Länder im weiteren politischen Verfahren eine gute Lösung im Sinne der Patienten finden.