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Geschwisterbegleitung im Kinderhospiz Bärenherz: Kinder begeistern sich für Hip-Hop-Projekt & Rage Room

News   •   Mai 30, 2017 15:30 CEST

Im Leipziger Kinderhospiz Bärenherz findet neben der Begleitung der erkrankten Kinder und deren Eltern auch eine professionelle Begleitung der Geschwister statt.
Die Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung der Schwester oder des Bruders verändert alles im Leben der Geschwister. Plötzlich sind Mama und Papa traurig, der geplante Urlaub kann nicht stattfinden, die Eltern haben nur noch wenig Zeit zum Spielen. In diesen Situationen fühlen sich die Kinder oft alleine, wollen den Eltern nicht noch mehr Kummer machen und funktionieren oftmals nur noch.

Ziel unserer Begleitung der Geschwister ist es, die Kinder in ihrer aktuellen Situation zu stärken, sie ernst zu nehmen und sie mit ihrer Trauer nicht alleine zu lassen. Mit folgenden Angeboten versucht das Bärenherz-Team ganz individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen:

- Geschwisternachmittage für alle Kinder im Hospiz, Montag und Mittwoch

- Heldengruppe für Kinder zw. 8-12 Jahren, jeden 2. und 4. Donnerstag

- Mini-Heldengruppe für Vorschulkinder, monatlich

- Aktionen für verwaiste Geschwisterkinder, monatlich

- Geschwisterfreizeit für Kinder zw. 8-12 Jahren, Kurztrip im Juni 2017 in ein Indianerdorf in der Nähe von Merseburg

- Projektarbeit für Jugendliche

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Über zwei erfolgreiche Veranstaltungen möchten wir hier berichten:

Hip-Hop-Workshop

Im März 2017 wurde ein Hip-Hop-Workshop im Kinderhospiz Bärenherz organisiert. Unter der kreativen Leitung von More Than Subculture und dem Künstler ''Sen'' texteten Bärenherz-Kinder gemeinsam mit den Kindern, die vom Verein Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V. betreut werden. Unterstützung erhielten sie natürlich auch vom musikalischen Teil des Bärenherz-Teams. Der fertige Song greift Ideen und Gedanken der Jugendlichen auf und wurde in Zusammenarbeit mit Bre Beatz, Benjamin Hoffmann und Rick Sen Ontheroxx produziert.
Das Resultat ist ein beeindruckender Text und ein sehr gelungenes Video:

Stell Dir vor, Du musst die Sachen packen,

von Heut auf Morgen einfach dein Land verlassen.

Eine Reise, die Gefahren birgt, denn dein Haus und dein Leben wurden einfach zerstört.

Angekommen. Du sprichst die Sprache nicht.

Bist traurig. Keiner weiß, was du sagen willst.

Man ist ungehört. Sag mir, kennst du das?

Turnhalle, 500 Betten, Fensterplatz. Freunde, Familie in der Heimat zurückgelassen.

Sehen, was die Zukunft bringt.

Schlechtes verblassen lassen.

Viele wollen dich nicht, sind gegen einen. Wenn Du keinen Pass hast, kommst Du hier nicht rein.

Ich weiß, es gibt einen Ort, an dem sich alle trauen,

die Familien sich wieder in die Augen schauen.

Jeder ist satt. Essen wächst auf dem Baum. Doch dann wirst Du wach.

Alles nur ein Traum.

Aufgeben, keine Chance.

Stell dich dem Leben. Finde die Balance.

Laut sein. Sichtbar werden. Back to the future. Lebe nicht in Scherben.

Freunde, auf die ist Verlass. Sie sind immer da und man hat mit ihnen Spaß.

Akzeptanz, egal was dich verletzt. Liebe deinen Nächsten genauso wie dich selbst.

Jeder hat sein Kreuz zu tragen, braucht keine Angst zu haben.

Meister mein Leben, werde nicht versagen.

Meine Krankheit macht Schmerzen. Damit ist nicht zu scherzen.

Glaube es, die Angst ist in all unseren Herzen.

Das Schicksal hat´s nicht gut gemeint. Will nicht mehr ständig weinen.

Will nicht aufgeben. Möchte gerne glücklich sein.

Ich führ` ein selbstbestimmtes Leben, will nicht an anderen kleben.

Es wird langsam Zeit, etwas zurückzugeben.

Verantwortung tragen. Niemanden mehr fragen.

Bin bereit viel Neues zu wagen,

denn das Leben ist kostbar. Wir sind nicht umsonst da.

Es ist nicht einfach, nein, es verlangt Opfer.

Mit Freunden Pferde stehlen. Meinen Platz an der Sonne wählen,

meine Lebensfreude wird mir niemand nehmen.

Wir werden unser Bestes geben.

Jeden Tag im Jetzt leben.

Ohne uns, das kann es niemals geben.

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„Rage Room“ (Wut Raum)

Lucia Thanner, seit Mai 2017 verantwortlich für die Geschwisterbegleitung im Kinderhospiz, und Jannick Schülke widmeten sich im Rahmen der Aktionen für verwaiste Geschwister dem Thema „Wut“.
Wut ist eine der Emotionen, die die Kinder in ihrer Trauer verspüren. Um dieser einen Ausdruck zu geben, wurde ein sogenannter „Rage Room“ (Wut Raum) im Garten des Kinderhospizes aufgebaut. Hier durften die Kinder einmal ganz offen ihr „Wütend-Sein“ zeigen, es ausleben und sich so von diesem Gefühl - mindestens für einen Nachmittag - befreien. Wie war das möglich? Ein kurzer Ablaufplan:

Die von Bärenherz betreuten verwaisten Geschwister erhielten eine Einladung ins Kinderhospiz, um gemeinsam einen außergewöhnlichen Nachmittag zu verbringen. Als die Kinder eintrafen, empfing sie das Bärenherz-Team mit Obstsalat, Kaffeegeschirr und Deckchen auf Kartonmöbeln, dazu erklang ein Konzert von Vivaldi.

Die Freude hielt sich erst einmal in Grenzen. Dies änderte sich, nachdem sie einen Hammer mit der Aufforderung überreicht bekamen: Zerstört, was euch nicht gefällt!
Die Reaktion der Kinder zeigte, wieviel Wut sich angestaut hatte. Immer wieder schlugen sie auf Tassen, Teller, Schüsseln ein, bis alles absolut kaputt war.

Die Scherben wurden anschließend verwendet, um ein Mosaik auf einem Blumentopf zu gestalten, der mit nach Hause genommen werden durfte.

Für alle Beteiligten waren diese Aktionen bewegend und aufbauend zugleich.

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Der Newsletter 2017/1 widmet sich auf der Titelseite ebenfalls der Geschwisterbegleitung im Kinderhospiz Bärenherz. 

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