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Logistics and the City

News   •   Jan 23, 2017 11:14 CET

Paris ist das ideale Testgebiet für City Distribution

So prägend wie der Eiffelturm ist auch der alltägliche Stau für die französische Metropole. Der ideale Ort für ein zukunftsweisendes DACHSER Projekt: „City Distribution“. Stefan Hohm, Corporate Director Corporate Solutions, Research & Development, über Paris und die Herausforderungen an die Logistik von heute und morgen.   

Herr Hohm, eines Ihrer Entwicklungsthemen ist „City Distribution“. Was macht die Stadtbelieferung generell zu einem wichtigen Zukunftsthema?

Stefan Hohm: Die besondere Rolle der Lebens- und Arbeitswelt Stadt wird am deutlichsten erlebbar, wenn man sich einmal zu den Hauptverkehrszeiten in den Metropolen ins Auto setzt: Dauerstau, dicke Luft, Zufahrtsbeschränkungen, Umweltzonen, Parkplatznot... Große Städte, wie Paris, London oder Kopenhagen sind sich dieser Problematik bewusst und auf der Suche nach Lösungen. Hier wollen wir unsere Erfahrung und unser Know-how einbringen und weiterentwickeln. Dazu haben wir in Paris ein Pilotprojekt gestartet.

Warum gerade Paris?

S. Hohm: Jeden Morgen steht die Stadt in einem 300 Kilometer langen Dauerstau. Um dem zu entkommen hilft auch frühes Aufstehen und eher losfahren nicht mehr. Es geht vielmehr um neue Konzepte der Stadtbelieferung. Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung von Mikrohubs für Shop & Mall Delivery innerhalb der Stadt, die nachts beliefert werden, und von denen aus spezielle emissionsarme Fahrzeuge die letzte Meile bedienen. In Paris testen wir im Rahmen unseres Projekts, wie City Distribution angesichts immer kleiner werdender Einfahrfenster in die Stadt und immer restriktiverer Emissionsgrenzen künftig ausgestaltet sein muss. Ein Ansatz ist dabei die Zustellung mit dem Elektro-Lkw. Auch die Belieferung der innersten Innenstadt durch Elektro-Lasten-Bikes ist ein spannender Teil unseres Feldversuchs.        

Welche Ergebnisse erwarten Sie von dem City Distribution Projekt?

Wir arbeiten an einer Tool-Box, die Lösungsansätze für neue Herausforderungen in City Distribution bietet. Während wir in Paris lernen und experimentieren, sammeln wir Erfahrungen auch in anderen Städten, zum Beispiel in Kopenhagen oder Stuttgart. Unsere Kollegen in Spanien haben sich aus der Azkar-Historie des Paketgeschäfts heraus seit langem intensiv mit dem Thema befasst. All dies fließt in unsere Tool-Box ein. Sie kann damit zu einem wertvollen Angebot für unsere Niederlassungen weltweit werden, um Antworten auf die Herausforderungen an die Logistik von morgen zu geben.

Welche Zielgruppen haben Sie besonders im Visier – eher B2B oder B2C?

S. Hohm: B2B ist und bleibt unser Kerngeschäft. Seit 2015 bieten wir unseren Kunden im Zuge von Omnichannel-Lösungen aber auch B2C-Leistungen an. Auf diese Weise wollen wir unseren B2B-Kunden ermöglichen, ihr komplettes Geschäft über DACHSER abbilden zu können. Zum Beispiel im DIY- beziehungsweise neuerdings Home & Garden Improvement-Sektor. Hier geht der Trend zu kleineren Baumärkten mit geringer Lagerkapazität. Sie verstehen sich zunehmend als Showrooms für das Angebot. Der Kunde bestellt hier seine Ware und bekommt sie direkt von DACHSER geliefert. Wenn wir dann auch noch in das Retourenmanagement eingebunden sind, werden die Übergänge zwischen B2B und B2C fließend.

Was heißt dies für die Transportlogistik?

S. Hohm: Kleinere Shops mit kleinster Lagerfläche bedeuten, dass die Sendungen kleiner werden und die Lieferfrequenz steigt. Wenn dabei aus Lärm- und Abgasemissionsgründen in den Innenstädten vorzugsweise Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen sollen, müssen wir eine entsprechende Infrastruktur schaffen. Elektro-Lkw haben beispielweise eine Reichweite von rund 100 Kilometern, dann müssen sie an die Strom-Tankstelle. Allein deswegen ist schon ein ganz neuer Blick auf die Verortung von Mikrohubs erforderlich. City Distribution ist eine durchaus komplexe Herausforderung, und gerade deswegen auch so spannend und reizvoll. Es gibt keine einfachen Patentrezepte. Gefragt sind vielmehr intelligente Lösungen und robuste Systeme, die sie tragen. Daraus lassen sich – nicht nur in Paris – nachhaltige Perspektiven für die Zukunft schaffen. Und genau daran arbeitet meine Corporate Unit. Jeden Tag und mit großer Leidenschaft.

Stefan-Hohm

Stefan Hohm, Corporate Director Corporate Solutions, Research & Development

Stefan Hohm, 44, ist seit Januar 2016 Corporate Director Corporate Solutions, Research & Development bei DACHSER. Der gebürtige Unterfranke, dessen Vater ein eigenes kleines Fuhrunternehmen betrieb, hat Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik studiert und 2015 an der IMD-Business School in Lausanne seinen Executive Master in Business Administration (MBA) gemacht. Hohm hat seine beruflichen Wurzeln bei DACHSER, arbeitete in der Niederlassung Frankfurt/M, zeichnete für die Entwicklung des Warehousemanagment-Systems MIKADO im Head Office verantwortlich, bevor er als Niederlassungsleiter nach Erfurt ging. Von 2008 bis 2015 leitete er die Niederlassung in Hof.