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Wenn der Monsun ausbleibt

News   •   Nov 14, 2016 15:09 CET

Der Aufbau von Wasserversorgungsstrukturen ist ein weiteres Hilfsprojekts von DACHSER und terre des hommes in der Region Latur.

Wasser ist Leben, heißt es. Das gilt derzeit ganz besonders für Zentralindien. Dort leiden Millionen Menschen unter einer der schlimmsten Dürreperioden seit Jahrzehnten. In dieser Situation engagieren sich terre des hommes und DACHSER, um zehn Dörfer mit Wasser zu versorgen, erreichte Entwicklungsziele abzusichern und die Lebensgrundlagen der Kinder und Jugendlichen langfristig auf eine bessere Grundlage zu stellen.

In den letzten Jahren sind die Monsunregen, die von Juni bis September das ersehnte Nass bringen, stark zurückgegangen. Nach vier Dürrejahren in Folge ist der Wasserspiegel in den zentralindischen Regionen des Bundesstaats Maharashtra um 215 Meter gesunken. Ohnehin ist die Lage in 13 der 29 Bundesstaaten Indiens bereits alarmierend: Ohne Gegenmaßnahmen wird der Subkontinent im Jahr 2030 nur noch die Hälfte des Wassers zur Verfügung haben, das er benötigt.

Statt Schule ist Wasser holen angesagt.          


Ohne Regen keine Schule

Die aktuelle Dürre treibt die Preise für Saatgut, Dünger, Wasser und Viehfutter in die Höhe – und damit viele Bauern in den Ruin. Über 3.000 begingen 2015 aufgrund ihrer hohen Verschuldung Selbstmord, wenn sie zum Beispiel keinen Kredit für Saatgut mehr bekommen. Für die Kinder im ländlichen Raum - und in erster Linie die Mädchen - bedeutet der fehlende Regen oft das Ende des Schulbesuchs: Sie müssen stattdessen viele Stunden in der Hitze nach Wasser suchen oder an den wenigen verbliebenen Brunnen anstehen, um ein paar Liter Wasser zu ergattern. Bedingt durch die Dehydrierung leiden viele an Kopfschmerzen, Schwächeanfällen oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Der Aufbau von Wasserversorgungsstrukturen steht daher im Mittelpunkt eines weiteren von DACHSER geförderten Hilfsprojekts, das die Kinderhilfsorganisation terre des hommes über seine lokalen Projektpartnern in der besonders von Dürre betroffenen Region Latur im zentralindischen Bundesstaat Maharashtra durchführt.

DACHSER und terre des hommes machen sich in Indien seit über zehn Jahren für die Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen stark. Der Fokus liegt dabei auf Mädchen und jungen Frauen – und darauf, Zugang zu Schul- und Ausbildung zu schaffen. Die aktuelle Dürre beeinträchtigt die Lebenssituation der Menschen und damit zugleich die langfristig orientierte Projektarbeit. Denn nur auf Basis einer gesicherten Lebensgrundlage können die Kinder und Jugendlichen in der Schule bleiben und verlieren nicht komplett den Anschluss – mit entsprechenden Folgen für die Zukunftsfähigkeit der ganzen Region.


Trinkwasser-Nothilfe ermöglicht langfristig orientierte Projektarbeit

„Neben der kurzfristigen Trinkwasser-Nothilfe mit Tanklastwagen steht auch bei unserem neuen Projekt in Maharashtra die langfristig orientierte Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund, so wie bei all unseren Aktivitäten mit terre des hommes in Indien, Nepal, Namibia und Brasilien“, erklärt DACHSER CEO Bernhard Simon. „Alle Maßnahmen greifen dabei ineinander: Es geht darum, Zugang zu sicherem Trinkwasser zu schaffen, Wasserspeichermöglichkeiten zu errichten, Gesundheitsversorgung zu leisten, Lernangebote und Aufklärungsarbeit über die Rechte der Dorfbewohner und wassersparende Anbaumethoden anzubieten sowie schließlich auch Saatgut zur Ernährungssicherung an besonders bedürftige Familien zu verteilen.”

Die Ziele des Projekts sind anspruchsvoll: „Es geht darum, das Überleben von 1.887 von Dürre betroffenen Familien in zehn Dörfern des Distriktes Latur im Bundesstaat Maharashtra nachhaltig zu sichern“, sagt Ingrid Mendonca, Regional Coordinator South Asia bei terre des hommes. Für diese Haushalte wird ein Zugang zu sicherem Trinkwasser geschaffen. Mit zehn Auffangbecken können sie jetzt kostbares Monsun-Regenwasser speichern und darüber ihren Wasserbedarf decken. Zudem sollen die Dorfbewohner, die unter Dehydrierung und Exsikkose (Austrocknung) leiden, Zugang zu Gesundheitsuntersuchungen und medizinischen Behandlungen bekommen.

Das eigentliche Ziel ist die nachhaltige Aufklärungsarbeit. Die Dorfvorsteher werden in Workshops über ihre Bürgerrechte aufgeklärt, sodass sie in Zukunft auch selbst Hilfe beim indischen Staat einfordern können, der in der Verantwortung steht. Parallel arbeiten die lokalen Partner von terre des hommes mit den Bauern und stellen alternative, wassersparende Anbaumethoden vor. An die Stelle von kurzfristig gewinnorientierten Monokulturen (zum Beispiel Zuckerrohr) mit hohem Wasserbedarf sollen traditionelle, diversifizierte Kulturen treten.

"Schutzzentren" zum Lernen und Spielen.          


Die Zukunft selbst in die Hand nehmen

Für Kinder und Jugendliche werden schließlich „Schutzzentren“ geschaffen, in denen sie sich tagsüber aufhalten, lernen und spielen können. Workshops vermitteln Kenntnisse über Wasserspeichermethoden, wassersparende Anbaumethoden und Umweltschutz. Schließlich sollen sich Bernhard Simon zufolge 1.000 Kinder und Jugendliche aktiv für die Konservierung von Wasser auf Gemeindeebene einsetzen: „Nur wer seine Zukunft selbst in die Hand nehmen kann, hat auch eine Zukunft“, ist er überzeugt.