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​Bafög: Fakten, Thesen und Gerüchte – aber wer fragt die Studenten?

News   •   Aug 10, 2017 13:49 CEST

Der Wahlkampf naht und selten wurde so viel über Studienfinanzierung und speziell das Bafög berichtet wie in den vergangenen Tagen. Politiker melden sich zu Wort. Verschiedene große Medien haben das Thema aufgegriffen. Doch wenig Klares kam dabei heraus. Was ist Fakt und was nur Spekulation? Wie steht es um das Bafög? Und wer fragt eigentlich die Studenten und ihre Eltern? Wir haben die wichtigsten Fakten für Euch zusammengestellt und einige Irrtümer aufgedeckt. Vor allem interessiert uns: Was ist DEINE Meinung zur staatlichen Förderung? Was sind deine Erfahrungen mit oder ohne Bafög?


Bedarf: Studenten bekommen ein paar Euro mehr, Elterneinkommen weiterhin sehr niedrig angesetzt
Es gibt keine festen Einkommensgrenzen der Eltern für die Förderung – der Anspruch hängt vom Einkommen und Vermögen des Studenten selbst und von dem der Eltern oder des Ehegatten/Lebenspartners ab und ist somit sehr variabel. Problematisch: der Regelbedarfssatz wurde zwar 2016 erhöht, ebenso wie der Freibetrag für das Eltern-Einkommen – er liegt aber aktuell nur bei 1710 Euro. 


Höchstsatz: Den maximalen Betrag gibt es erst mit ü25
In Artikeln zum Thema Bafög ist oft zu lesen, dass der Höchstsatz bei 735 Euro liegt. Das stimmt auch, allerdings gilt er nur für Studenten über 25, die nicht mehr zuhause wohnen und sich ab diesem Lebensjahr auch selbst krankenversichern müssen, was mit gut 85 Euro pro Monat zu Buche schlägt. Für Studenten unter 25 mit eigener Wohnung liegt der Höchstsatz bei 649 Euro. Wer u25 noch zuhause wohnt, kann maximal 451 Euro pro Monat bekommen.
Übrigens: 2016 erhielten 46 % der Bafög-Empfänger den jeweiligen Höchstsatz, die restlichen 54 % erhielten im Durchschnitt 464 Euro pro Monat.

Kosten: Zu Hälfte geschenkt
Bafög ist zur Hälfte geschenkt, die andere Hälfte wird als zinsloses Darlehen gewährt und wird ca. 4,5 Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer (entspricht meistens der Regelstudienzeit) in Raten von mindestens 105 Euro pro Monat zurückgezahlt. Die maximale Rückzahlsumme liegt bei 10.000 Euro, auch wenn mehr bezogen wurde. Wer ein sehr geringes Einkommen hat, kann nach Antrag die Rückzahlung aufschieben. Eine Angst vor Überschuldung nach dem Studium braucht also kein Akademiker fürchten und sollte deshalb nicht auf geschenktes Geld vom Staat verzichten.

Anspruch: Ab 30 ist für den Bachelor mit Bafög Schluss
Bafög-berechtigt bist du in der Regel dann, wenn du studieren möchtest und deine Eltern nicht ausreichend genug verdienen, um dich im Studium finanziell zu unterstützen. Um den Anspruch geltend zu machen, darfst zu Beginn des Bachelors maximal 30 Jahre alt sein, zu Beginn des Masters maximal 35 Jahre alt. Vorsicht: ein Master-Studiengang ist förderfähig, wenn er auf einem Bachelor-Studiengang aufbaut – ein nicht-konsekutiver Master wird unter Umständen aber nicht gefördert.

Nebenjobs
Mit studentischen Nebenjobs ist Bafög momentan nur bedingt vereinbar: Damit das Bafög ungekürzt fließen kann, dürfen Studenten nicht mehr als 5400 brutto Euro pro Jahr, also rund 450 Euro pro Monat dazuverdienen. Wer einen Werkstudentenjob mit bis zu 20 Stunden pro Woche hat, überschreitet diese Grenze auch bei dem Mindestlohn sehr schnell und verliert seinen Bafög-Anspruch im schlimmsten Fall.

Elternunabhängiges Bafög
Gut für alle, die schon vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und gearbeitet haben: Wer nach dem 18. Lebensjahr und vor Beginn des Studiums schon fünf Jahre gearbeitet oder eine dreijährige Ausbildung gemacht und danach noch drei Jahre gearbeitet hat, hat Anspruch auf elternunabhängiges Bafög, das pauschal ausgezahlt und nicht zurückgezahlt werden muss.

Schwindende Empfänger-Zahlen
Dass 2016 weniger Studenten Bafög erhalten haben, ist ein Fakt – aber die Ursachensuche bisher reine Spekulation. Vermutet werden als Gründe eine angenommene Angst der Studenten vor Schulden nach dem Studium, die Beschränkung des möglichen Einkommens aus studentischen Jobs auf 450 Euro pro Monat sowie die Antragsstellung. Insbesondere die recht aufwendige, oftmals langwierige Beantragung wird als Grund angegeben, dass Studenten das Gefühl haben, besonders bedürftig zu sein. Doch wen diese Gründe davon abhalten, geschenktes Geld zu beantragen, der hat noch nicht verstanden, dass Bafög eine staatliche Unterstützung ist, kein Armutszeugnis.
Trotzdem schwer zu glauben: das sollen die Gründe sein, warum weniger Studenten Bafög empfangen?

Deine Meinung ist gefragt: 
Welche Erfahrungen hast du beim Bafög-Antrag gemacht?
Welches Image hat die staatliche Förderung aus deiner Sicht?
Ist das Elterneinkommen zu niedrig angesetzt und der Antrag tatsächlich zu kompliziert?

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