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James Dyson Award 2016: Ein Messgerät zur Diagnostik von Euterentzündungen bei Milchkühen gewinnt Designpreis

Pressemitteilung   •  Sep 09, 2016 10:00 CEST

mamelle - Messgerät zur Diagnostik von Mastits bei Milchkühen

Janina Hünerberg, Studentin der Muthesius Kunsthochschule Kiel, gewinnt mit einem Messgerät zur Diagnostik von Mastits bei Milchkühen den James Dyson Award in Deutschland. Das neuartige medizinische Messgerät "mamelle" beschleunigt die Diagnostik von Euterentzündungen bei Milchkühen um mehrere Tage und hilft so, den Behandlungsprozess zu optimieren und den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

Mastitis, eine Entzündung der Milchdrüse, ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Milchkühen und führt zu einer erhöhten Keimbelastung der Milch bis hin zum Tod des Tieres. Der aufwändigen Diagnostik von Milchproben im Labor folgt meist eine zu späte Behandlung der Kühe mit vermehrtem Antibiotikaeinsatz. Die diesjährige Gewinnerin des James Dyson Award in Deutschland, Janina Hünerberg, Studentin der Muthesius Kunsthochschule Kiel, hat mit ihrem Projekt dieses Problem gelöst.

mamelle“: neuartiges Messgerät zur schnellen Diagnostik von Euterentzündungen bei Milchkühen

Hünerberg hat ein funktionales und formschönes Design erarbeitet, welches Tierärzte und Landwirte bei ihrer Arbeit unterstützt. Bei der Entwicklung legte Hünerberg besonderen Wert auf die Benutzerfreundlichkeit und eine einfache und sichere Milchprobenentnahme. Hygienisches Arbeiten im Kuhstall ist eine Herausforderung, da Feinstaub und Bakterien die Milch verschmutzen können. Es musste ein handliches Gerät entwickelt werden, in das während der Probenentnahme so wenige Umweltkeime wie möglich gelangen können und das eine Messwertausgabe direkt am Gerät zulässt. Mit einem Landtierarzt, einer Landwirtin und einer Biochemikerin prüfte Hünerberg die aktuelle Diagnostiksituation und technische Möglichkeiten.

In mehreren Tests wurden diverse Produktstrukturen an verschiedenen Kuhrassen mit individuellen Eutern auf Funktionalität und Ergonomie getestet. Entstanden ist ein mit Silikon überzogenes, abwaschbares Gerät, welches gleichzeitig zur Probenentnahme, Messung und Messwertanzeige dient. Eine weitestgehend einhändige Bedienung lässt Freiraum für Interaktionen mit der Kuh und eine natürliche Melkbewegung von Hand erlaubt eine sanfte Milchprobengewinnung am durch die Entzündung schmerzempfindlichen Euter. Innerhalb weniger Sekunden bekommt der Tierarzt ein genaues Ergebnis und kann sofort die passende Behandlung einleiten. Die Kuh kann schnellstmöglich genesen und der Einsatz von Antibiotika wird auf das Nötigste reduziert.

Echte Probleme und ausgezeichnete Lösungen

Jurymitglied Stefan Eckstein, Präsident des Verbands Deutscher Industrie Designer, meint zum Siegerprojekt: „Mamelle hat uns durch die problemlösende Idee der schnellen Diagnose bei Euterentzündungen überzeugt. Das Produkt geht technisch und gestalterisch neue Wege. Es bietet einen echten Mehrwert für Landwirte in Deutschland, ebenso wie auch international. Wir sind überzeugt, mit „mamelle“ einen großartigen Gewinner des James Dyson Awards 2016 gefunden zu haben und wünschen Janina Hünerberg weiterhin viel Erfolg mit ihrem Projekt.“

Neben „mamelle“ wurden von der Jury aus den insgesamt 57 eingereichten Projekten vier weitere Einreichungen unter die fünf besten Einreichungen gewählt:

2. Platz: Espire – Lackierer-Atemschutzmaske
Espire ermöglicht ein komplett neues Design einer Lackierer-Atemschutzmaske. Die Luftzufuhr geschieht über einen Filter, der sich an der Oberseite der Maske befindet. Der Luftstrom wird von der Oberseite der Maske zum Auslassventil am Kinn geführt. Ein Trennschutz zwischen Sichtfenster und Mund stellt sicher, dass der Sichtbereich des Visiers beschlagfrei bleibt. Carlos Schreib, Produktdesign/Weißensee Kunsthochschule Berlin
3. Platz: Bee2Bee – Bestäubung von Monokulturen durch ein neues Bild des Imkerns.
Bee2Bee ist ein mobiles, leichtes und schnell aufbaubares Kultursystem für Bienen. Es dient den Völkern als Bienenstock in einer sich verändernden und unattraktiv werdenden Landschaft. Mittels digitaler Vernetzung werden die Bienenvölker überwacht, sodass rasch auf Krankheiten der Insekten reagiert werden kann. Julian Schwarze, Produktdesign/Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
4. Platz: Su
Su ist ein Erste-Hilfe Gerät, welches nach einem Kreislaufzusammenbruch eingesetzt wird, um zu verhindern, dass der Patient an einer verschluckten Zunge erstickt. Ein Blasebalg wird zusammen gedrückt und die Kunststoffspitze an die nach hinten gefallende Zunge gehalten. Durch das Öffnen des Blasebalgs entsteht Unterdruck, der die Zunge an die Kunststoffspitze saugt und sie zurück in den Mundraum führt. Alex Röhring, ecodesign/Akademie für Gestaltung Köln
5. Platz: Glaucus – Intelligentes Fischernetz
Ausgestattet mit modernster Sonar- und Sensortechnologie wird Glaucus im Fanggebiet zu Wasser gelassen. Das Fischernetz sucht selbstständig nach Fisch, kesselt Fischschwärme mit Luftblasen ein, zählt diese und ermittelt Fischsorten und Größen durch ihre Silhouetten. Bei großem Beifang wird der Prozess abgebrochen und die Fische freigelassen. Andrea Meyer, Muthesius Kunsthochschule Kiel

Jury mit renommierten Experten aus Design und Technologie besetzt

Die nationale Jury war auch 2016 wieder hochkarätig besetzt. Mit Stefan Eckstein, Präsident des Verbands Deutscher Industrie Designer, Professor Axel Kufus von der Universität der Künste Berlin, Professor Peter Naumann von der Hochschule München und Regine Bönsch, Ressortleiterin Elektronik, Energie und Bau der VDI nachrichten entschieden renommierte Designexperten und eine versierte Beobachterin technischer Entwicklungen über den Gewinner des James Dyson Awards.

Der James Dyson Award

Der James Dyson Award richtet sich an Studierende und junge Absolventen im Bereich Produkt- und Industriedesign und in den Ingenieurwissenschaften. 2016 wird der Wettbewerb in 22 Ländern durchgeführt, darunter Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Irland, Italien und Japan. Neben der Chance für alle Teilnehmer, ihre Ideen namhaften Experten aus der ganzen Welt vorzustellen, winken den Gewinnern des JDA attraktive Geldpreise. So erhält der internationale Gewinner £30,000, um seine Erfindung weiter zu entwickeln. Weitere £5,000 gehen an den Fachbereich des Preisträgers. Die nationalen Gewinner erhalten ein Preisgeld von jeweils £2,000. Partner des James Dyson Award in Deutschland sind der Verband Deutscher Industrie Designer (VDID) und der Rat für Formgebung. Alle eingereichten Projekte werden von Jurys auf nationaler Ebene und Dyson Ingenieuren eingehend geprüft. Die nationalen Gewinner des James Dyson Award nehmen am internationalen Ausscheidungswettbewerb teil. Am 27. Oktober 2016 folgt die Prämierung des internationalen Preisträgers. Bis zur Bekanntgabe des Gewinners können sich Interessierte auf Facebook und auf Twitter auf dem Laufenden halten. Mehr Informationen unter www.jamesdysonaward.org.