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Vegan im Gym: So stark wurde Moritz mit Tofu-Bolognese statt Steak

Blog-Eintrag   •   Jun 13, 2019 12:05 CEST

Moritz Schreiber beim Wettkampf - er trägt den Ethletic Fair Trainer.

„Was bringt ein Veganer, wenn um ihn herum 10.000 Leute ganz ‚normal‘ weiter Fleisch essen? Es geht ums Big Picture. Jeder muss seinen Teil tun.“

Um erfolgreicher Bodybuilder zu werden, muss man nicht jeden Tag Steak und Unmengen an Eiern essen, um genügend Proteine zu sich zu nehmen. Moritz Schreiber ist Powerlifter und ernährt sich seit sechs Jahren vegan, bei Wettkämpfen startet er gemeinsam mit drei anderen Athleten für die Vegane Gesellschaft Österreich. Wir haben mit dem Ethletic-Träger über seinen Sport und gesunde Ernährung gesprochen.

Name: Moritz Schreiber

Alter: 23

Wohnort: Wien

Hobbies: Kraftsport, Reisen, Sprachen

Ausbildung: Fitnessökonom

„Beim Powerlifting geht es darum in den drei Grundübungen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben in seiner Gewichts- und Altersklasse der Stärkste zu sein. Auf einem Wettkampf hat man pro Disziplin drei Versuche, wobei die besten drei je Disziplin zusammen gezählt werden.“

Mit dem Kraftsport hat Moritz als Teenager begonnen – ursprünglich wollte er bloß etwas Muskelmasse aufbauen, aber dann entdeckte er sein Potenzial fürs Powerlifting. Als das Ergebnis, auf das er am stolzesten ist, nennt er seinen 240 Kilogramm Deadlift bei der deutschen Juniorenmeisterschaft im vergangenen Jahr.

„Der Wettkampf lief eigentlich echt schlecht, weil ich meinen allerersten Versuch im Kniebeugen verhauen habe. Das Kreuzheben hat mich dann am Ende noch gerettet. Ich holte den vierten Platz in meiner Gewichtsklasse und war zufrieden.“

Moritz startet gemeinsam mit drei anderen Athleten für die Vegane Gesellschaft Österreich in Wettkämpfen. Dass er ‚plant-based‘ isst, ist in der Community nichts wirklich Außergewöhnliches mehr.

„Mittlerweile gibt es viele Leute die Kraftsport betreiben und vegan sind. Ich finde das klasse, da es endlich das falsche Bild, welches schon seit Jahren in den Köpfen der Gesellschaft schwebt, verändert. Auf Wettkämpfen wird schon mal der ein oder andere Witz gerissen, aber darüber kann ich auch lachen. Der Großteil findet es jedoch sehr cool, dass ich vegan bin.“

Auf Social Media folgt Moritz eher wenigen Leuten. Drei Bodybuilder, die ihm zufolge zeigen, wie muskulös man auch mit veganer Ernährung werden kann, sind Jon Venus, Nimai Delgado und Vegainstrength. Außerdem kann er uns die Youtube-Kanäle von Jasper Caven und Niko Rittenau ans Herz legen: „Sie gehen beide sehr wissenschaftlich ans Thema Ernährung heran und decken viele Mythen der veganen Ernährung auf.“

Ein Leben mit tierischen Produkten ist für den 23-Jährigen heute nicht mehr vorstellbar. Begonnen hat er seine Ernährungsumstellung 2013.

„Damals hat eine Freundin ein Bild von einem Schlachthof mit mir geteilt. Das hat alles angestoßen. Normalerweise macht man sich ja darüber, woher das, was man isst, herkommt, keine Gedanken. Aber mit 16 habe ich dann begonnen, mich damit auseinander zu setzen, und mir viele Dokus wie ‚Earthlings‘ angeschaut. Zuerst war ich für ein paar Wochen Vegetarier, nach einem Monat hab ich mich dann zu hundert Prozent vegan ernährt.“

Auf die Frage hin, ob er Schwierigkeiten hätte, etwa die von ihm benötigte Menge an Protein zu sich zu nehmen, kann Moritz nur lachen. Für ihn sei das noch nie ein Problem gewesen. Oft würden Leute schlichtweg zu wenig essen.

„Ich hatte in den gesamten sechs Jahren, die ich vegan lebe, noch keinen Mangelwert. Wenn man sich gesund ernährt – 60 bis 70% unverarbeitetes Essen sind super – und auch vor allem genug isst, dann ist es quasi unmöglich, durch eine vegane Ernährung Mangel aufzuweisen. Es sei denn natürlich, man gehört zu einer Risikogruppe.“

Seit geraumer Zeit supplementiert er Vitamin B12. Heute ernährt er sich insgesamt sehr bewusst, aber das war nicht immer so:

„Ich hab auf jeden Fall so meine Phasen durchgemacht und einiges ausprobiert. Eine Zeit lang habe ich nur Rohkost gegessen, dann mal kein Gluten mehr, keinen Zucker, kein Soja... Am Ende sitzt man da mit Reis und Bohnen. Diese ganzen Ernährungshypes kamen bei mir alle über Social Media an. Mit 16 oder 17 Jahren bist du halt noch naiv, hast wenig Ahnung, was eine ausgewogene Ernährung ist. Und dann hab ich den Youtubern einfach alles geglaubt und dachte mir, die wissen schon wovon sie reden. Aber so eine restriktive Diät würde ich wirklich keinem empfehlen.“

Begeisterter spricht Moritz hingegen davon, sich gründlich damit auseinanderzusetzen, was für Nährwerte das, was man isst, eigentlich hat.

„Selber habe ich jahrelang Kalorien und andere Nährwerte gezählt. Und ich kann wirklich jedem empfehlen, dass man für eine gewisse Zeit zu machen. Das ist eine Investition in sich selber. Es ist so wichtig, zu wissen, was man täglich zu sich nimmt. Wenn man also tem porär Buch führt, und sich dann auskennt, profitiert man davon ein Leben lang." Er warnt jedoch auch davor, es mit dem Ausleuchten des Essverhaltens zu übertreiben:

"Langfristig alles immer mitzuschreiben und zu tracken macht den Spaß am Essen kaputt.“

Auch beruflich hat Moritz viel mit Essen zu tun. Er hat dual Fitnessökonomie studiert und arbeitet nun für Freachly, eine Bloggerplattform, die lokale Unternehmen mit lokalen Influencern verbindet. Für seinen Job geht er mehrmals die Woche in neue Restaurants und probiert sich dort durch die veganen Menüs. Ein Lieblingslokal in Wien auszusuchen fällt ihm schwer, super gerne mag er aber die Burger im Swing Kitchen. Aber auch kochen tut der gebürtige Düsseldorfer gerne – manchmal auch vor laufender Kamera.

„Eins meiner absoluten Lieblingsrezepte ist das für eine vegane Bolognese. Dazu hab ich schon vor ein paar Jahren ein Youtube-Video gedreht. Das kommt immer sehr gut an, und ist super leicht zuzubereiten. Ansonsten mach ich auch immer Chili Sin Carne. Da ist es wichtig, den Tofu richtig gut anzubraten.“

Dass er vier Mal pro Woche trainieren geht, ist kein Grund für Moritz sich von Süßkram und anderen Leckerbissen fernzuhalten. Und auch so etwas wie einen ‚Cheat Day‘ hält er für Blödsinn.

„Da haut man sich dann doch auf einmal alles Ungesunde rein und übertreibt es total. Besser ist es, sich zwischendurch einen kleinen ‚Treat‘ zu gönnen. Ich würde sagen, dass gesundes Essen ungefähr 80% der Ernährung ausmachen sollte.“

Veganismus ist für Moritz längst nicht mehr nur eine Frage der Tierliebe. Das Thema Nachhaltigkeit ist ihm ebenso wichtig – auch bei seiner Kleidung.

„Die Sneaker von Ethletic waren mein Einstieg in das Thema Fair Fashion. Ich war immer ein treuer Converse-Träger und hab dann irgendwann Ethletic auf Instagram entdeckt. Wie man neue Marken heutzutage halt findet. Seitdem trainiere ich in den roten High Tops. Und seit neuestem trage ich im Alltag super gerne die Brodys in schwarz. Ich finde es toll, dass es Unternehmen gibt, die sehr transparent sind.“

Wie bei der Ernährung schient auch beim Thema Nachhaltigkeit für Moritz das Zauberwort ‚Balance‘ zu sein.

„Was bringt ein Veganer, wenn um ihn herum 10.000 Leute ganz ‚normal‘ weiter Fleisch essen? Es geht ums Big Picture. Jeder muss seinen Teil tun. Das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass der gute Grundgedanke da ist. Dass man einsieht, dass man sein Verhalten ändern muss. Und vor allem anderen muss sich auch politisch etwas tun.“

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Interview: Johanna Ohde

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