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Mit völlig staubfreien Farben zum Lifestyle-Bad

News   •   Aug 23, 2019 14:23 CEST

Alte Farben, moderne Töne, neue Kombinationen: Im Badezimmer wird es bunt. Designexperte Frank A. Reinhardt von der Kölner Trendagentur far.consulting erklärt, warum Weiß als Standardfarbe im Badezimmer Konkurrenz bekommt, und nennt die aussichtsreichsten Kandidaten für den längst fälligen Machtwechsel an der Spitze der wasserfesten Farbskala. Die Musterbeispiele für farbige Lifestyle-Bäder sind im März auf der nur alle zwei Jahre stattfindenden Weltleitmesse der Sanitärbranche, der ISH in Frankfurt, zu sehen. In der von der Messe Frankfurt und der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) e.V. initiierten Ausstellung „Pop up my Bathroom“ zeigt die „Colour Selection“ die wichtigsten Farbtrends für das Badezimmer.

Warum kommt in das Badezimmer wieder mehr Farbe?

Das Bad wird nun einmal zunehmend als Lifestyle-Badezimmer wahrgenommen und auch so genutzt. Und auch wenn die Anforderungen an die Hygiene und die Wasserfestigkeit nicht ignoriert werden dürfen, kann das Badezimmer doch an Boden und Wand wohnlich gestaltet werden. Auf der Suche nach Gestaltungselementen, die dem klassischen Weiß kühler, aber vertrauter sanitärer Ausstattung eine warme Note hinzufügen können, griffen Badgestalter in den letzten Jahren gerne zu Holz oder Holztönen. Jetzt geht man da auch schon mal gerne einen Schritt weiter. Das Angebot entwickelt sich sukzessive mit dem Mut der Badgestalter. Ausgewählte farbige Sanitärprodukte oder Möbel mit farbigen Oberflächen unterstützen den Trend zum wohnlich gestylten Bad. Hinzu kommen Einrichtungsstücke wie ein Stuhl oder eine schöne Leuchte – fertig ist das Lifestyle-Badezimmer.

Als Creative Director und Verantwortlicher der VDS-Kampagne „Pop up my Bathroom“ haben Sie zur ISH 2019 insgesamt 12 Farbtrends identifiziert. Welcher Trend ist der Wichtigste?

Wir hatten ja bei beim letzten Pop up my Bathroom zur ISH 2017 den Top-Trend Individualisierung hervorgehoben. Dieser Trend ist nachhaltig und prägt natürlich nicht nur die Badplanung, sondern die gesamten Wohn- und Lebensumstände. Entscheidend ist, dass dieser Megatrend aufgrund eines neuen Verständnisses vom Bad als Private Spa und technischen Innovationen seitens der Industrie nun auch voll auf das Badezimmer durchschlägt. Dementsprechend sind die Auswahlmöglichkeiten zur spezifischen Badgestaltung sowohl bei den Sanitärherstellern als auch bei den Farb-, Parkett- und Fliesenangeboten eher noch gewachsen. Das ist aus Sicht des Badnutzers eine tolle Entwicklung, aber auch zunehmend eine gestalterische Herausforderung. Der größte gemeinsame Farbnenner ist heute definitiv das Grau. Im Bad ist die Mischfarbe eigentlich kein Neuling, denn da sich auch Farbtrends in Wellen bewegen, begegnete sie uns in den 80er-Jahren in Form der Sanitärfarbe Manhattan Grau. Nun ist die Farbe Grau wieder da – doch diesmal sind es gleich mehrere Grautöne, die moderner und zeitloser wirken.

Welche Gestaltungselemente prägen eigentlich den farblichen Gesamteindruck im Badezimmer?

Aktuell geben hier die Möbeloberflächen den Ton an. Noch sehen wir überwiegend weiße Keramik- oder Mineralwaschtische, doch es sind die Möbel, die den Raumeindruck prägen. Farbige Armaturen und Accessoires unterstützen eine raumbestimmende Farbe. Im Interior Design sind einfarbige Farbflächen gerade angesagt, Muster werden als Akzentgeber eingesetzt. So wird die Bedeutung der Farben in der Einrichtung erhöht und als dominant wahrgenommen. Und diese Einrichtungstrends übertragen sich auch ins Lifestyle-Badezimmer. Wir sehen aber auch, dass zunehmend Keramik-Produkte wie Waschtisch oder WC in farbigen Varianten ausgewählt werden. Dieser Trend kommt vor allem aus dem südlichen Europa.

Müssen es denn unbedingt Sanitärprodukte sein, über die Farbe ins Badezimmer kommt?

Das ist eher eine Frage des Wollens oder des Könnens. Nehmen wir die Farbe Grün, die in der Einrichtung aktuell sehr wichtig ist. Außer Lackoberflächen bei Badmöbeln gibt es im Sanitärbereich derzeit kaum Produkte mit der Farbe Grün – ich glaube, da sitzt das aus den 70er-Jahren stammende Moosgrün-Trauma noch zu tief. Dabei gibt es heute ganz moderne Grüntöne, die eine tolle Atmosphäre im Raum schaffen. Bis ein Farbtrend sich durchsetzt und die Nachfrage groß genug ist, um von den Sanitärherstellern aufgegriffen zu werden, kann es natürlich ein wenig dauern. Hier übernehmen dann oft Wand und Decke eine wichtige Funktion. Auch Pflanzen, die für die Verwendung im Badezimmer geeignet sind, verstärken die grüne Optik. Und wenn wassersparende Armaturen, eine Zwei-Tasten-Betätigung beim WC und ein spülrandloses, gut zu reinigendes WC verwendet werden, ist das Badezimmer nicht nur optisch grün, sondern auch ökologisch sinnvoll gestaltet.

Sie sprechen bei Pop-up nur von Farben. Was ist mit Mustern?

Wie gesagt haben es Muster im Interior Design aktuell eher schwer – mit Ausnahme bei den Tapeten. Mit dem bewussten Einsatz von geeigneten Tapeten gibt es damit ein weiteres Gestaltungselement, um Wohnlichkeit ins Bad zu transportieren. Besonders aktuell sind geometrische Muster, aber selbst großgemusterte Motive sind hier durchaus en vogue. In der Regel werden solche Akzente an der Wand mit dem Waschtisch gesetzt. Wenn hier gezielt Muster gezeigt werden, erhält das Badezimmer auch gleich ein Thema – etwa eine exotische Pflanzenwelt, barocke Opulenz oder ein freundliches Landhaus-Thema. Auch mit Fliesen lassen sich Muster ins Bad bringen – hier sind es aber doch eher geometrische Muster oder Strukturen, zum Teil sogar in 3D, die Leben an die Wand und auf den Boden bringen.

Gibt es eine Trendfarbe, die für das Badezimmer eher untypisch ist?

Da fällt mir Schwarz ein. Das macht im Badezimmer erst auf den zweiten Blick Sinn. Der Farbtrend kommt aus dem Einrichtungsbereich und findet auch im Badezimmer immer mehr Liebhaber, denn Schwarz sieht edel, elegant und modern zugleich aus. Gerade im Materialmix mit Marmor – schwarzem, weißen oder besonders trendigem grünem Stein – oder auch mit Leder ist Schwarz ein gediegener Klassiker. In der rustikalen Kombi mit lackierten Metallmöbeln, Holz und Beton ist Schwarz aber auch ein passender Begleiter für den Industrial Style. Schwarz ist genauso zeitlos wie Weiß. Daher findet sich das Farbthema auch in klassischen Hotelbädern. Außerdem passt zu Schwarz auch die Trendfarbe Gold perfekt – gerne auch als herausragendes Zitat, zum Beispiel mit einer goldfarbenen Armatur.

Sie propagieren mehr Mut zur Farbe im Bad. Auf der anderen Seite bezeichnen Sie ausgerechnet Weiß als Trendfarbe. Ist das nicht ein Widerspruch?

Prinzipiell ist die Trendlandschaft ja durchaus widersprüchlich. Im Badezimmer spielt aber auch die Historie eine Rolle, in der Weiß als die Neutralfarbe schlechthin seit jeher Standard ist. Aber schauen wir auf den Kontext, wird schnell deutlich, dass Weiß auch noch ganz andere Qualitäten hat: Es hebt andere Farben, es neutralisiert Widersprüche zwischen Architektur und Möbel, es entgrenzt Räume. Das ist gerade für minimalistische Einrichtungskonzepte sehr wertvoll, und die verbreiten sich nach einer langen Landhaus- und Vintage-Phase wieder. Vor allem im Neubau sind Häuser im „Bauhaus-Stil“ populär. Der Look ist also nicht erst mit dem anstehenden 100-jährigen Geburtstags der Gestaltungsschule wieder in den Fokus gerückt. Der Bauhaus-Stil steht für Minimalismus und Klarheit. Die Farbe Weiß transportiert dabei die Werte des Bauhaus-Stils unmittelbar und ist eine ideale Plattform für additive Farbelemente. Aber auch in wohnlich abgetönten Varianten ist Weiß im Interior Design angesagt. Da Weiß im Badezimmer aber schon seit Jahrzenten die erste Farbwahl ist, wird dieser Trend im Badezimmer nur eben nicht so offensichtlich. Damit ist es einfach schwerer, Weiß im Badezimmer so zu verwenden, dass seine Modernität sichtbar wird.

Übernimmt Farbe im Bad auch andere Funktionen als reine Dekoration?

Farbe ist auch Orientierung. Wichtige Funktionen wie Waschtisch, Stauraum oder Hygiene können in einem Familienbad mit Farbe zoniert werden. Helle Flächen oder bewusst eingesetzte Farbkontraste erleichtern den Alltag im Badezimmer. Das gilt natürlich nicht nur für kranke Menschen oder solche mit Handicaps, wird aber von Herstellern auch gezielt eingesetzt. Hewi zum Beispiel hat ein Waschtisch mit roter Markierung für Demenzkranke im Programm. Hier können Badplaner mit Farbe täglich wiederkehrende Abläufe für die Badnutzer optimieren. Und in Kombination mit einer professionellen Lichtplanung entstehen nicht nur emotionale Licht-Szenarien, sondern auch funktionale Lichtanwendungen, wie zum Beispiel das dezente Fußbodenlicht für den nächtlichen Toilettengang.

Welche Farben sind im Badezimmer sonst noch wichtig?

Wir haben bei der Pop up my Bathroom „Colour Selection“ insgesamt 12 Farbtrends lokalisiert und benannt. Ich persönliche finde zum Beispiel die Wiederkehr von Blau im Badezimmer interessant. Farbtrends bewegen sich ja in zeitlichen Wellen. Blau war in den 70er- und 80er-Jahren ein großes Thema. Nun kommen ganz moderne Blau-Varianten ins Badezimmer – teils auch mit Metallic-Effekten, wie zum Beispiel bei der Badewanne BetteLux Oval Silhouette in Blue Satin. Bei den Lackoberflächen gibt es diverse Blautöne, wie etwa im Sys30-Programm von burgbad. Prinzipiell passen auch Pastell-Töne sehr gut ins Badezimmer – es wirkt dann besonders luftig und fröhlich, also perfekt für den Start in den Morgen. Die Badgestaltung kann sogar so weit gehen, dass gleich mehrere Farben zu einem bunten Bad gemixt werden. Das wird ein Top-Trend auf der ISH 2019.

Welche Farbe wählen denn Trendsetter?

Die Avantgarde kleckst, gerne auch mit Primärfarben. Freie Geister, die sich nicht gern auf Trends festlegen lassen, malen sich mit mehreren unifarben gehaltenen, starken Farbakzenten vor neutralem Hintergrund quasi ihr eigenes buntes Mondrian-Bad. Da will sich künftig niemand auf kuschelige Farbharmonien einlassen, hier sind eher starke Statements jenseits vom Mainstream angezeigt.

Wer es aber doch lieber wohnlich mag im Bad: Welche Farben unterstützen den Trend zum Lifestyle-Badezimmer?

Neben dem modernen Grau, dass ideal mit anderen Farben und Natur-Materialien kombiniert werden kann, ist es in der Tat die Braun-Palette. Helles Holz und hier vor allem helle Eiche bringt sofort Gemütlichkeit ins Bad. Im Zusammenspiel mit Accessoires in ergänzenden aktuellen Akzentfarben – etwa in Petrol, Türkis, Orange, einem ins Beige gehenden Altrosa („Millennial Pink“), Ultraviolett oder mit zu Olive und Braun passenden Senftupfern – wird das Badezimmer mit völlig staubfreien Brauntönen zum Lifestyle-Bad.

Und wenn man sich nicht so gerne auf eine Farbe festlegen will?

Bei unserem Trendkonzept muss nicht unbedingt ein bestimmter Trend-Farbton im Mittelpunkt stehen. Im Gegenteil: Farbkonzepte mit Farbharmonien oder Farbklängen sind sehr angesagt. Sie verleihen einem Badezimmer auch bei mutiger Farbwahl eine ruhige Ausstrahlung. Eine Farbe übernimmt hierbei die Vorherrschaft in der Gestaltung, und drei bis vier andere ergänzen sie zu einem harmonischen Gesamtbild. Wer eine spannungsvolle Farbgebung bevorzugt, liegt hier richtig. Die richtige Kombination zu finden, ist aber nicht leicht, auch wenn es bereits Apps gibt, die genau diese Farbharmonien darstellen, zum Beispiel von Adobe oder NCS. Dennoch kann es sich hier lohnen, einen Profi ranzulassen, insbesondere, wenn es dabei um mehr als ein bisschen Wandfarbe geht und man auch in die Lichtgebung investieren will.

Licht und Farbe müssen ganzheitlich geplant werden?

Wenn wir über Farbe reden, müssen wir auch über eine professionelle Lichtplanung sprechen. Es ist überraschend, wie Farben sich im Tagesablauf verändern – vom morgendlichen Sonnenschein bis hin zur Nutzung am Abend. Doch mit moderner LED-Technologie erfährt das Bad in Sachen Lichtplanung eine neue Entwicklungsstufe.

Wird die Planung eines Lifestyle-Badezimmers nicht zunehmend komplexer?

Mit der Farbe und dem Lifestyle-Badezimmer kommt eine zusätzliche Planungsebene in die Badplanung. Steht am Anfang einer Badplanung die Analyse der Bedürfnisse der Badnutzer im Vordergrund, werden im zweiten Schritt das Interior Design und die persönlichen Geschmackswelten festgelegt. Das kann man vergleichen mit der Umsetzung einer Website: Erst werden die Anforderungen und die inhaltliche Struktur definiert, und dann erst macht man sich Gedanken um das Layout. Inhalt und Gestaltung sind getrennt – so geht es im Planungsprozess nicht drunter und drüber. Diese Vorgehensweise hat auch den Vorteil, dass sich ein Lifestyle-Badezimmer, sollte man sich satt gesehen haben, nach ein paar Jahren auch mal updaten lässt.

Bleibt zum Schluss noch die Frage, wie denn Ihr Badezimmer aussieht?

Tatsächlich haben wir gerade unser Badezimmer neu gebaut und haben auf Funktionalität und Lifestyle Wert gelegt. Wir freuen uns auf eine bodenebene, große Dusche (Kaldewei, Kermi), eine Badewanne von Kaldewei, die das Wasser Grad-genau automatisch einlaufen lässt, und auf ein Dusch-WC (Geberit), das uns jeden Tag einen neuen Standard der Intim-Hygiene bringt. Der große Waschtisch bietet viel Bewegungsfreiheit und Stauraum, sodass wir uns selbst bei einem stressigen Morgenstart nicht familiär überwerfen. Der in die Wand eingelassene Spiegelschrank (Keuco) ist echt cool, würde beim nächsten Mal aber sicherlich mit einer Spiegelheizung gekauft. Bei der Gestaltung haben wir nicht nur auf Wandfliesen im Bereich von Vorwandelementen gesetzt, sondern auch mit einer Holzvertäfelung gearbeitet. Diese bringt zusammen mit einer außerhalb des Spritzbereichs angebrachten Tapete Wohnlichkeit ins Badezimmer. Eine Outdoorlampe (Fatboy) in der abstrahierten Form eines Kronleuchters unterstützt das noch. Bei der Farbwahl waren wir ein bisschen mutig: ein Altrosa ist die führende Farbe im Zusammenspiel mit Greige, Weiß und Eiche.

Pop up my Bathroom

Pop up my Bathroom, eine Initiative der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS) und der Messe Frankfurt zur ISH, ist eine experimentelle Plattform für Architekten, Badplaner, Interior Designer und Journalisten. Hier soll untersucht und gezeigt werden, welche Möglichkeiten das Bad als ästhetischer und funktionaler Raum für die Menschen noch bereithält. Zum einen können sich Fachleute hier über neue Entwicklungen informieren, zum anderen sollen die hier entwickelten Entwürfe in Bilder umgewandelt werden, die weltweit verstanden werden. Auf dem von rund 1 Mio. internationalen Usern besuchten Blog können sich Profis und interessierte Endverbraucher über die Pop up my Bathroom-Trends sowie über neue Entwicklungen in diversen Sanitärbereichen informieren. Zur ISH 2019 veröffentlichte die VDS das Trendbuch „Colour Selection“ - das Prinzip der zwölf Trend-Farbräume zeigt die enorme Bandbreite auf, die im Lifestyle-Bad möglich ist.

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