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Festakt zum Jubiläum 50 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung

Pressemitteilung   •   Jan 20, 2017 18:35 CET

Bundespräsident Joachin Gauck hält die Festrede beim Jubiläum der Hanns-Seidel-Stiftung am 20. Januar 2017

München. Politische Bildung ist gefragt wie nie. Besonders seit den politischen Erdbeben der vergangenen Jahre, der Annexion der Krim, dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg Donald Trumps in Amerika, steigt das Interesse an demokratischer Kultur und politischem Wissen; Felder, auf denen sich die Hanns-Seidel-Stiftung seit einem halben Jahrhundert weltweit engagiert: Über 43.000 Seminare mit zirka 1,6 Millionen Teilnehmer hat die HSS seit ihrer Gründung allein im Bereich Politische Bildung abgehalten. Das stiftungseigene Institut für Begabtenförderung unterstützt derzeit 1.100 Stipendiaten, in der Entwicklungszusammenarbeit werden aktuell weltweit 100 Projekte in 65 Ländern durchgeführt. Auch in den Feldern Politikanalyse und Politikberatung engagiert sich die Hanns-Seidel-Stiftung ganz im Sinne ihres Stiftungsmottos „Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“.

Um fünf Jahrzehnte erfolgreiche Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung zu feiern, kamen am Freitag, 20. Januar, über 450 geladene Gäste in die Stiftungszentrale in München. In der Eröffnungsrede begrüßte die Stiftungsvorsitzende, Prof. Ursula Männle, den Festredner Joachim Gauck, den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, seine Amtsvorgänger Edmund Stoiber und Günther Beckstein sowie die ehemaligen CSU-Vorsitzenden Dr. Theo Waigel und Erwin Huber, außerdem die Präsidentin des Bayerischen Landtages Barbara Stamm und die stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion Kerstin Schreyer. Aus dem Deutschen Bundestag waren der Vizepräsident, Johannes Singhammer, sowie die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, angereist. Vom Europaparlament hatten Manfred Weber, der stellvertretende Vorsitzender der EVP-Fraktion, und die Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Prof. Dr. Angelika Niebler ihren Weg nach München gefunden.

In Prof. Männles Rede stand ein Zitat Hanns Seidels an zentraler Stelle, das heute so aktuell ist wie 1965, bei Seidels Rede im Landtag, und an die Aufgaben politischer Stiftungen gemahnt:

„Wer die politische Wirklichkeit aufmerksam betrachtet, kann nicht übersehen, dass die Idee eines freiheitlichen politischen Systems keineswegs als fester Erlebniswert im Bewusstsein unseres Volkes lebendig ist.“

Für Hanns Seidel sei es zentral gewesen, dass sich zusammen mit dem wirtschaftlichen Neuaufbau Nachkriegsdeutschlands auch ein politisch-moralischer Wiederaufbau vollziehen müsse. Bei dieser „Erziehungsaufgabe“ sollten für Seidel die politischen Stiftungen des Landes eine tragende Rolle spielen. Prof. Männle:

„Als Schule der Demokratie wollen wir auch künftig auf nationaler und internationaler Ebene Menschen aktivieren und befähigen, sich aktiv in die Gestaltung ihrer Gesellschaften einzubringen.“

Bundespräsident Joachim Gauck führte diesen Gedanken in seiner Festrede weiter aus und sprach vom Prinzip der Verantwortung, „… das uns mit anderen verbindet, mit Menschen anderer Bekenntnisse und anderer politischer Zielvorstellungen. […] Wer immer sich verantwortlich einbringt in unser Gemeinwesen, ist uns nahe. Er muss kein Freund, er kann ein politischer Gegner sein, aber er wird niemals Feind sein.“

Zentrales Thema seiner Rede war das zum Wort des Jahres gekürte „Postfaktische Zeitalter“. Gibt es wirklich eine neue Qualität des Widerwillens gegen „die da oben“ oder sind es nur die alten Lügen, die sich über moderne Kommunikationskanäle schneller und einfacher verbreiten lassen? Die Lüge in der Politik sei jedenfalls kein ganz neuer Hut, relativierte der Bundespräsident die öffentliche Aufregung über mögliche Einflussnahme auf die anstehenden Bundestagswahlen. Die Lüge sei „das Rezept aller Antidemokraten, […]. Wer behauptet, es gebe allenfalls eine gefühlte Wirklichkeit, tut das, um die Regeln neu zu bestimmen. […] Die Lüge als Mittel der Politik ist das Gegenteil dessen, was […] Roman Herzog einmal als Aufgabe der politischen Stiftungen bezeichnet hat: die Erziehung zur Demokratie.“

In der Abschlussrede zitierte Ministerpräsident Horst Seehofer seinen Amtsvorgänger Edmund Stoiber mit den Worten: „Gäbe es politische Stiftungen nicht, man müsste sie heute gründen.“ Dem Zweck des Vereines, nämlich die Förderung der demokratischen und staatsbürgerlichen Bildung des deutschen Volkes auf christlicher Grundlage, habe sich die HSS mit beeindruckendem Erfolg gewidmet.

„Ich gratuliere den 250 Mitarbeitern der Stiftung zu fünf Jahrzehnten Erfolgsgeschichte in Bayern, Deutschland und auf der ganzen Welt. Ob in München oder Kloster Banz, ob in Berlin, in Peking oder Washington: Die Angebote und Leistungen der Hanns-Seidel-Stiftung sind im In- und Ausland hoch geschätzt.“

Demokratie sei nichts Statisches, sie entwickle sich zusammen mit den Einstellungen und Erwartungen der Bürger weiter. Daraus seien die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

„Das gilt auch für die Arbeit der Stiftungen. Früher hieß der Auftrag für die Bildungsarbeit: Erziehung zur Demokratie. Heute muss der Auftrag lauten:
Teilhabe ermöglichen, Demokratie zu den Menschen bringen.“

Seehofer: „Auf die nächsten 50 Jahre!“

Hanns-Seidel-Stiftung

Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung

Die 1967 gegründete CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung ist eine politische Stiftung, die „im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“ politische Bildungsarbeit im In- und Ausland auf Grundlage christlicher Weltanschauung leistet. Sie ist benannt nach dem früheren Bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Hanns Seidel. Mit ihren Fachabteilungen ist sie in den Bereichen Politikberatung, Politische Bildung, Begabtenförderung und in der Entwicklungszusammenarbeit mit ca. 90 Projekten in rund 60 Ländern weltweit tätig. Mehr Informationen zur Arbeit der Stiftung im Internet unter www.hss.de