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Lass den Kasper raus - Potentiale und Barrieren von gelebter Kreativität im Unternehmensalltag

Blog-Eintrag   •   Jun 12, 2019 12:27 CEST

Infografik zur Experten-Befragung über Kreativ-Kultur im Unternehmenskontext © Superunion Germany

Kreativität wird die wichtigste Ressource für Unternehmen. Diese Erkenntnis setzt sich bei immer mehr Unternehmensvertretern durch, wie Studien von IBM und Adobe zeigen. Das wird höchste Zeit. Denn alle Faktoren, die künftig Unternehmenserfolg bestimmen, sind ohne Kreativität nicht zu realisieren: Innovationskraft freisetzen, differenzierende Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln, digitale Transformation gestalten. Laut einer Adobe Studie können kreativitätsfördernde Unternehmen ein stärkeres Umsatzwachstum als weniger kreative Unternehmen verbuchen. So etwa Adidas, das den Aufbau einer starken Kreativkultur als zentralestrategische Aufgabe versteht. Seit 2015 trägt die Firmenstrategie den Titel Creating the new. Adidas konnte seitdem Umsatz und Gewinn um durchschnittlich 9% bzw. 37% steigern. Das Unternehmen hat damit den Rivalen Nike hinsichtlich der Wachstumsraten übertroffen.

Aber was heißt Kreativität im Kontext von Unternehmen? Welche Rahmenbedingungen müssen Unternehmen schaffen, um Kreativität zu fördern? Und welche Barrieren stehen der Implementierung einer Kreativkultur im Weg?

Den Antworten auf diese Fragen nähert sich Superunion aus zwei Perspektiven. Wir haben Experten aus der Wissenschaft in qualitativen Interviews befragt. Und wir haben Unternehmer und Unternehmensvertreter in einer quantitativen Erhebung um Antworten aus der Praxis gebeten.

Organisatorische Kreativität beschreibt den Raum und Rahmen kreativer Wertschöpfung

Laut unseren wissenschaftlichen Experten ist Kreativität ein interaktiver Prozess, bei dem etwas Neuartiges entsteht, ohne zwangsläufig monetäre Ziele zu verfolgen. Das grenzt Kreativität von wirtschaftlich getriebener Innovation ab. Organisatorische Kreativität verbindet beide Zielsetzungen. Es beschreibt laut Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern Rahmenbedingungen, die eine inspirierende Atmosphäre sowie die Motivation und Fähigkeit fördern Neues zu schaffen.

Dabei geht es vor allem auch darum, eine Kultur der Sicherheit zu etablieren, die Individuen dazu ermutigt, “das freie Kind-Ich herauszulassen; mit Leichtigkeit und Spaß zu entwickeln, zu basteln, zu träumen und auch zu zerstören”, so der Experte für agile Führung, Frank Baumann-Habersack. Arbeitgeber müssen Mitarbeiter bewusst einladen, den inneren Kasper auch bei der Arbeit auszuleben. Dafür bedarf es Fähigkeiten, die jeder Mensch in sich trägt und jedes Kind im täglichen Spiel auslebt. Aber im Laufe des Erwachsenwerdens drohen diese Fähigkeiten durch ein von Logik, Deduktion und Effizienz getriebenes Bildungs- und Arbeitssystem zu verschwinden.

Kreatives Denken und Handeln sind keine Option, sondern essentieller Bestandteil von Unternehmenskultur

Dabei sind es gerade die Fähigkeiten zu forschen und zu experimentieren, die in einer dynamischen und digitalen Wirtschaftswelt Wachstum fördern und Überlebensfähigkeit sichern. Die Change-Expertin Professorin Martina Eberl prophezeit, dass die Zusammenarbeit mit Bestandskunden mittels tradierter Strukturen und Prozesse jetzt noch funktionieren mag „Stakeholder werden allerdings nach neuen Wegen der Zusammenarbeit und Kommunikation 'schreien'. Wer das ignoriert wird Gefahr laufen, aufgrund der veralteten Ansätze von der Konkurrenz überholt zu werden.“ Auch 44% der befragten Unternehmensvertreter sind sich sicher, dass weniger kreative Unternehmen zukünftig Probleme haben werden, mit dem Wandel Schritt halten zu können. Ganze 49% denken gar, dass es in Zeiten der digitalen Transformation und Globalisierung nur kreativen Unternehmen gelingen wird, früh genug auf neue Technologien, Trends und Nutzerbedürfnisse reagieren zu können.

Kreativität kann sich in der wirtschaftlichen Realität kaum entfalten – Befragte identifizieren eine zentrale Barriere

Wir haben bei unserer Befragung ein interessantes Paradox entdeckt: Unternehmensvertreter sind sich der Relevanz ganzheitlich gelebter Kreativkultur bewusst. 84% der Befragten sagen, dass organisatorische Kreativität einen maßgeblichen Einfluss auf den langfristigen Erfolg eines Unternehmens hat. Aber nur 51% meinen, dass dieser Ansatz auch gelebt wird. Und 46% stufen die Bereitschaft von Unternehmen, Mitarbeitern Zeit zum Experimentieren einzuräumen als gering ein. Woran liegt das?

Viele Versuche, kreative Prozesse zu integrieren scheitern bereits an einer Unternehmenskultur, in der die Freiheit zu Scheitern nicht vorgesehen ist. In diesem Kontext lässt sich eine besonders hemmende Barriere erkennen: Angst. Viele der Befragten haben tatsächlich diesen Begriff verwendet. Nicht Unsicherheit. Arbeitnehmer haben Angst, aufgrund von Fehlern Ablehnung, Ausgrenzung oder Sanktionenzu erfahren. Diese angstbehaftete Kultur entsteht durch den Fokus auf kurzfristige finanzielle Erfolge sowie als starr wahrgenommene Strukturen und Prozesse. Im Ergebnis scheint das Festhalten am Altbewährten attraktiver (da sicherer und effizienter) als das Entfachen kreativer Funken.

Organisatorische Kreativität: ein Balanceakt zwischen Freiheit und Struktur

Dabei sind es laut Professorin Martina Eberl diese kreativen Funken, die es zu entfachen gilt. Laut Sozial- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Dieter Frey entstehen Ideen potenziell überall und zu jeder Zeit und nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr. Dafür braucht es eine entsprechende Kultur, in der individuelles Engagement und auch kritische Beobachtungen nicht nur zugelassen werden, sondern durch Anreize oder Unterstützung aus den oberen Hierarchien gefördert werden. Mitarbeiter brauchen Gestaltungsfreiraum, der sich durch Vertrauen zwischen Leadership und Mitarbeitern kennzeichnet. Dieser Freiraum alleine reicht jedoch nicht aus. Wissenschaftler und Unternehmensvertreter sind sich einig: Es bedarf zudem klare Strukturen und Prozesse. Das können zeitliche Vorgaben sein. Denn sie geben Mitarbeitern ein Gefühl der Sicherheit und Orientierung. Diese Mischung aus Freiraum und nachvollziehbaren Strukturen treibt eine wertstiftende Umsetzung voran.

Zalando, Europas führende Online-Plattform für Mode, fördert Kreativität über die smarte Verbindung dreier Initiativen: Zunächst lädt die Open Innovation Plattform Ideas.board Mitarbeiter dazu ein, Ideen mit der Organisation zu teilen. Sobald Ideen auf Interesse stoßen, können sie im Rahmen der Hack Week mit einem interdisziplinären Team spielerisch weiterverfolgt werden. Erweist sich eine Idee als vielversprechend und umsetzbar, können im Rahmen des intrapreneurial Programms Slingshot anschließend der Use Case und Business Case weiter validiert werden. Durch dieses Zusammenspiel aus Experiment und prozessualem Rahmen skaliert Zalando seinen Start-Up-Spirit auf heute über 15.000 Mitarbeiter.

Im Unternehmen gelebte Kreativität braucht positive Erlebnisräume

Bei der Implementierung einer Kreativkultur ist es Professorin Eberl zufolge wichtig „zu verstehen, dass Kreativität nicht erzwungen werden kann. Sie steckt in allen Menschen und muss Mitarbeitern über Erfahrungsräume wieder zugänglich gemacht werden.“ Diese sollten sinnstiftende, reale Projekte darstellen, von denen Mitarbeiter eine gewisse Erfolgsgarantie oder Strahlkraft erwarten können. Durch das gemeinsame und gewünschte Ausleben von Kreativität kann positive Energie innerhalb der Teams entstehen. Das treibt eine nachhaltig gelebte Kreativität voran.

Das MakerLab von Adidas lädt alle Mitarbeiter ein, ihre Entdeckerlust zu entfachen, um unkonventionelle Designs und Produkte zu entwickeln. Mitarbeiter werden befähigt, mit ihrer kreativen Schaffenskraft und Neugierde in Berührung zu kommen. Im Lab werden manifestierte Vorstellungen mittels Tools, Werkbänken und Workshops bewusst zerschlagen. Das Einnehmen neuer Sichtweisen wird zudem durch die Vernetzung von Mitarbeitern unterstützt. Externe Partnerschaften mit Ateliers, Studios, Universitäten führen das Prinzip dieses MakerLab Netzwerks fort. Das Ziel ist dabei stets, aus einer Idee ein Projekt werden zu lassen.

Methodologie und Umfragendesign

Für die Erhebung der Daten wurden zwischen Dezember 2018 und Januar 2019 sowohl qualitative Experteninterviews (n=3) als auch eine quantitative Online Umfrage mit Unternehmensvertretern (n=39) auf Kunden- und Agenturseite durchgeführt.

Folgende Experten teilten mit uns ihr Wissen in Form von Interviews:

Prof. Dr. Martina Eberl, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der HWR Berlin mit einem Schwerpunkt auf Organisationslehre, Führung und Change Management

Prof. Dr. Dieter Frey, Leiter des Center for Leadership and People Management an der LMU München

Frank Baumann-Habersack, Autoritätsforscher im Kontext Führung, als freier Doktorand an der Universität Bremen sowie Berater und Mediator

Autorinnen:

Kathleen Ix, Strategy and Innovation Director, Superunion Hamburg

Nadine Nadler, Strategy and Innovation Director, Superunion München  

Superunions Creative Culture Boost

Wir bei Superunion sind davon überzeugt, dass Kreativität als Teil der Unternehmens- oder Markenstrategie langfristig zu einem klaren Wettbewerbsvorteil führt.

Mit unserem Ansatz Creative Culture Boost unterstützen wir Unternehmen bei der Einführung, dem Aufbau und der Verankerung einer kreativitätsfördernden Kultur. Wir befähigen sie damit, Chancen frühzeitig zu erkennen und in einzigartige, relevante Lösungen umzusetzen.

Im Rahmen unseres Creative Culture Booster Training-Formats schaffen wir in einem 2-tägigen Workshop einen sicheren Raum. Der soll es ermöglichen, mit hinderlichen Prozessen, Strukturen und Einstellungen zu brechen. So ebnen wir den Weg für neue Ansätze und Ergebnisse, die sowohl für das Unternehmen als auch für den Kunden einen Mehrwert schaffen. Diese Erlebnisräume setzen positive Energien frei. Die benötigen Einzelpersonen, Teams und Organisationen, um gemeinsam nachhaltige interne und externe Veränderungen zu meistern.

Dabei achten wir darauf, dass jedes Unternehmen und auf der DNA der Organisation/Marke und den inhärenten Stärken auf, um nachhaltige Ansätze und Lösungen zu ermöglichen.

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