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Hochprozentiger Geschmack dank Nordseewasser

Pressemitteilung   •   Jan 13, 2016 16:57 CET

Auf Sylt reifen drei Whiskies. Watt, Wasser und Wellen sorgen dafür, dass sie das Aroma der Insel aufnehmen.

Ein guter Whisky schmeckt nach der Region, aus der er kommt, ein guter Whisky weckt Assoziationen an die Gegend, wo er gereift ist. Auf Sylt haben sich eine Hand voll Männer aufgemacht, deutschem Whisky das Insel-Feeling zu geben.

WATT

Wenn man Whisky dem Meer übergibt und ihn dem ewigen Spiel von Ebbe und Flut überlässt – was passiert wohl mit dem Whisky, fragten sich der Sylter Christoffer Bohlig, der Whisky- und Spirituosenhändler René Bobrink sowie Robert und Thomas Fleischmann von der Traditions-Destillerie „Blaue Maus“ aus Bayern. Wenn der Whisky also nicht am Meer reift, sondern gleich darin. Noch näher dran ist. „Das war ein echtes Experiment“, gesteht Bohlig, „was herauskommen würde, wussten wir auch nicht.“ Der Versuch war es wert – der „Sylter Tide Whisky“ kam beim Fach-Publikum gut an, professionelle Verkoster attestieren dem Watt-Whisky die erwarteten salzigen Noten sowie einen maritimen Charakter. „Die Lagerung am Meeresgrund beeinflusst den Geschmack unterschwellig. Verglichen mit dem Ausgangsprodukt hat der Tide-Whisky deutlich an maritimen Aromen gewonnen“, freut sich Christoffer Bohlig, nachdem sie die Fässer Ende August wieder geborgen hatten und endlich probieren durften. Die Männer hatten im vergangenen Frühling tatsächlich Fässer mit vier Jahre altem Whisky im Watt vergraben und diese ein halbes Jahr dem Regime der Natur und den Gezeiten überlassen. Längst liegen wieder Fässer im Watt, elf Stück wurden im Herbst vergraben. Im zeitigen Frühjahr werden sie wieder geborgen.

WASSER

Noch konsequenter ist die Methode aus Rantum: „Zugegeben, das war eine Schnapsidee“, sagt John-Meinert Petersen von der „Sylter Trading“ – er und ein paar Kumpels haben Meerwasser in den Whisky getan und lassen ihn damit reifen. „Dazu entwickelten wir zusammen mit einer kleinen Brennerei aus Westfalen ein Destillat, mit dem wir unser Experiment starten konnten.“ Monatelang tüftelten sie am Mischungsverhältnis, denn „…salzig oder gar versalzen soll der Whisky natürlich nicht schmecken.“ Als die Mischung passte, haben sie vierzig Fässer bestellt und im Backsteingebäude des Sylter Trading Kontors an der Rantumer Hafenstraße direkt am Deich eingelagert. „Wir sind dann in Gummistiefeln runter zum Weststrand und haben uns ein paar Eimer Sylter Nordseewasser geholt.“ Auf ein Fass kam ungefähr ein Glas Nordsee und für drei Jahre ist nun erstmal Ruhe im alten Sherry-Fass. „Das wird gut“, sagt Petersen, der natürlich doch zwischendurch probieren geht. „Die Farbe ist bereits nach einem Jahr honiggelb und der Geschmack gibt eine betörende Mischung von Kirschen, Pflaumen und leichtem Eichenholznoten wieder – und eine Minute später spürst Du Salz auf der Zunge.“ Leidenschaft zu Whisky trieb sie zu diesem Experiment und die Liebe zu Sylt natürlich auch. Und um schnelles Geld geht es nicht „…sondern um echten Insel-Genuss!“ Dazu braucht´s ein paar gute Ideen, die nahe Nordsee . . . und viel Geduld.

WELLEN

Alexander Sievers, Wein- und Spirituosenhändler aus Tinnum, begann bereits vor drei Jahren einen Sylter Whisky zu produzieren: „Crannog“ heißt er und ist sogar mit echter Insel-Gerste - von Bauer Runkel aus Kampen – hergestellt (und wie alle anderen auf dem Festland gebrannt), lagern tut er seitdem bei „Wein Heiliger“. Und seit neuestem auf dem Kutter „Angels Share“ im Hafen von List. „Dann sprachen mich im Frühjahr 2015 Anton Stetter und Hans Kemenater von der bayerischen Brennerei Slyrs an, ob wir nicht zusammen einen Sylter Whisky machen möchten.“ Warum den neuen Whisky, die zweite nun bei Slyrs gebrannte Linie, nicht gleich auf dem Meer lagern? „Näher am Meer als auf einem Schiff kann man kaum sein“, sagt er. Also kauften sich Sievers und die Slyrser einen alten Kutter, um den Whisky auf einem Schiff reifen zu lassen. „Durch die salzhaltige Luft und das permanente Schaukeln versprechen wir uns ein tolles Aroma und auch eine schnelle und intensivere Reifung, als in einem Fass, das still am Meer steht.“ In Büsum bauten sie die „Angels Share“ um – so heißt der Kutter; benannt nach dem Alkohol, der während der Reifung verdunstet und der den Engeln vorbehalten ist. Nun liegt die „Angels Share“ mit ihrer Fracht, das sind zurzeit drei Fässer und sollen aber bis zu 25 werden, im Hafen von List. „Ich bin sehr gespannt, ob der Whisky durch diese Lagerung mehr Meeresaromen aufnimmt“, sagt Alexander Sievers und freut sich: „Erstmals probiert wird frühestens Ende 2016.“ Dann bekommt der Whisky auch einen Namen. 

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