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Onejiru: Einmal über Kenia nachgedacht

Blog-Eintrag   •   Dez 18, 2015 10:39 CET

Welche Veränderungen hast Du in Kenia wahrgenommen?

Die Veränderungen in den letzten 15 Jahren sind für mich persönlich sehr deutlich spürbar und sie betreffen die unterschiedlichsten Lebensrealitäten der KenianerInnen.

Das politische Bewusstsein der Menschen war schon immer sehr ausgeprägt. In den vergangenen Jahren wurde jedoch vor dem Hintergrund des Demokratisierungsprozesses zudem die Meinungsfreiheit deutlich gestärkt. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen Kritik an der Regierung öffentlich kundzutun, undenkbar war. Aus Angst vor Denunzierung konnte man damals nicht einmal dem Nachbarn trauen. Heute hingegen ist die Presse- und Meinungsfreiheit in der seit 2010 verabschiedeten Verfassung formal garantiert. Eine wichtige Errungenschaft, wie ich es von unterschiedlichen Stimmen erfahren konnte.

Das Bildungs- und das Gesundheitssystem indes sind für die “normale” Bevölkerung eine große
Herausforderung. Gute Bildung und Gesundheit können sich nur Menschen mit Geld „leisten“. Gerade diese beiden Bereiche verschlingen den größten Teil des Einkommens. Deutlich erschwert zusätzlich von der schlechten und korrupten Verwaltung. Ohne Geld geht nichts. Oft muss man für die gleiche, wenn auch selbstverständliche, Leistung mehrfach zahlen. Das zieht sich für die Bevölkerung wie ein roter Faden durch ihren Alltag.

Die Zusammenarbeit mit asiatischen Ländern ist für viele Menschen, mit denen ich sprechen konnte, Segen und Fluch zu gleich. Die Angst, dass das Land “ausgeplündert” wird, wie es die Kolonialisten im 19./20. Jahrhundert getan haben, schwingt in all diesen Gesprächen mit. Dass gerade die Zusammenarbeit mit China ein weitreichendes Problem sein könnte, ist kontroverser Diskussionsstoff: Qualifizierte ArbeiterInnen werden aus China ins Land bestellt. Für die KenianerInnen bleiben vielfach die kleinen und rechtlich unsicheren Jobs übrig.

Es findet so gut wie keine Integration statt und oft fühlen sich die Menschen diskriminiert. Gleichzeitig bieten diese „Restposten“-Jobs eine für die meisten unverzichtbare Einnahmequelle. Ein Dilemma.

An der wirtschaftlichen Entwicklung nehmen immer mehr Menschen teil, auch wenn die meisten noch immer im sogenannten informellen Sektor ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Die Schere zwischen arm und reich geht auch in Kenia sehr weit und deutlich auseinander. Gleichzeitig ist eine neue Mitte entstanden. Ein Bericht aus DIE ZEIT besagt, dass mittlerweile 45 % der Bevölkerung der Mittelschicht angehört. Der Durchschnitt in Afrika liegt bei 34 %.

Not und Mangel an Arbeitsplätzen macht daher erfinderisch. Die Eigeninitiative und Unternehmergeist der meisten ist deshalb sehr gefragt. Als besonderes Phänomen ist nicht nur das Recycling alter Mobiltelefone und ähnliches, sondern das „Upcycling“ von Materialien zu beobachten. Dabei werden Abfälle oder nutzlose Materialien in neue Produkte umgewandelt.

Die Digitalisierung in der Kommunikation hat einen sehr hohen Stellenwert. Das mobile Telefon ist zum unverzichtbaren Utensil geworden. Es ist die Verbindung zur Außenwelt. Es dient jedoch nicht nur der Kommunikation, sondern ist auch ein Geschäftsmedium. Mobile Zahlungssysteme wie M-PESA, die das Versenden und Empfangen von Geld über Handynetze ermöglichen, werden rege genutzt. Die Wege sind durch die mobile Kommunikation deutlich geschrumpft und in einem Land, in dem die Transportinfrastruktur mit dem Wachstum kaum Schritt hält, ist das ein sehr wichtiger Faktor auch für die Unabhängigkeit und die Verbesserung der Lebensqualität.

Trotz der für die Menschen positiven wirtschaftlichen Entwicklung ist ein “Grummeln” zwischen den Völkern wahrnehmbar. Die politischen Unruhen in Kenia 2007/2008, in deren Folge schätzungsweise über 1.500 Menschen getötet wurden und 600.000 fliehen mussten, hat die KenianerInnen traumatisiert. Es gab im Vorfeld von Wahlen immer wieder Unruhen, jedoch haben diese eine deutlich andere Dimension erreicht. Bei diesen Unruhen spielte unter anderem die mobile Kommunikation eine unrühmliche Rolle. Innerhalb kürzester Zeit konnte dadurch landesweit die Stimmung aufgeheizt werden, was in verheerenden blutigen Auseinandersetzungen ihren Ausdruck fand. Das Trauma steckt tief, die Aufarbeitung oder gar die Versöhnung ist bisher ausgeblieben. So ist das Misstrauen untereinander ein großes Problem für den Frieden im Land. Nichtsdestotrotz ist die Hoffnung groß, dass alle KenianerInnen weiterhin an Frieden interessiert sind.

Der Frieden im Land wird auch von anderer Stelle massiv bedroht. Die Menschen mit denen ich gesprochen habe, sind durch die willkürlichen und todbringenden Angriffe der Al-Kaida nahen Terrororganisation Al Shaabab eingeschüchtert. Der im September 2013 von Al-Shabaab verübte Anschlag auf die Westgate Mall in Nairobi hat das Leben der ganzen Stadt nachhaltig beeinflußt.

Die Gelassenheit vieler Menschen ist der Angst gewichen. So ist jeder Mall- oder Restaurantbesuch von der Angst vor neuen Terroranschlägen geprägt.

Wie sind die Workshops (Rap + Fußball) vor Ort angekommen? Was bewirken die Workshops?

Der Unterricht in den staatlichen Schulen ist seit 2003 kostenlos. Damit haben sich aber die Kosten auf die Familien verlagert. Die Eltern müssen von der Schuluniform, über Lehrmaterialien bis hin zum Schultisch und Stuhl für alles selbst aufkommen. Das LehrerInnen-SchülerInnen Verhältnis liegt nicht selten bei 50:1.

Die Workshops sind daher in erster Linie eine sehr schöne Abwechslung vom Schulalltag. Die meisten Klassen, die wir besucht haben, waren überfüllt und die LehrerInnen pflegen einen sehr autoritären Stil. Der Unterricht selbst besteht vielfach aus auswendig lernen. Da bleibt meines Erachtens kaum Platz für eine individuelle, kreative Entwicklung.

Manchmal kam mir oft der Gedanke, dass die Kinder im Grunde genommen einer Art Drill unterworfen sind. So war es auch zu meiner Zeit, als ich noch in Nairobi zur Schule ging. Autorität und Funktionieren spielen im Alltag der Kinder eine große Rolle. Sie dürfen nicht enttäuschen, weil Bildung eben doch viel kostet.

So schaffen spielerisch ausgerichtete Workshops, wie sie Viva con Agua vor Ort durchführt, einen Raum, in dem sich die Kids austoben können. Das macht es dann auch so besonders, weil sie sich darauf freuen, etwas Neues zu erleben. Wenn das auch noch pädagogisch wertvoll ist, ist das ein wunderbarer Zugang, um Kreativität zu fördern und zugleich wichtige Skills und Know-Hows, auch in Bezug auf WASH (WAsser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene) zu vermitteln.

Wie können wir uns das Leben in Kenia vorstellen? Wie verändert sich „Afrika“?

Das Leben in Kenia ist mit Sicherheit in den letzten Jahren viel teurer und hektischer geworden. Mir ist aufgefallen, dass Stress und Bluthochdruck in den meisten Gesprächen oft als Krankheitsbilder genannt worden sind. Der Druck, in der Gesellschaft mitzuhalten, ist enorm. Die Möglichkeiten sich wirtschaftlich zu verbessern, sind für viele in greifbare Nähe gerückt. Dieser gewisse „wind of change” liegt in der Luft. Die Menschen wollen mehr, als nur ihre Subsistenz.

Die familiären Verhältnisse haben sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert. Früher bildete die Großfamilie den Kern und den Rahmen des Zusammenlebens. Heute ist die Karriere ein Lebensentwurf, den viele leben wollen. Die Globalisierung hat die afrikanischen und hier im speziellen die kenianische Metropole längst erreicht, auch wenn sich das in der Berichterstattung im „Westen“ noch nicht durchgesetzt hat.

Früher galt Europa noch als letzte Zuflucht, the place to be. Es sind jedoch auch viele Menschen mit leeren Taschen und gebrochenem Herzen aus Europa in ihr Land zurückgekehrt. So etwas spricht sich herum. Viele erkennen immer mehr das Potential und die Vorteile im eigenen Land zu leben. Ich wurde auch gefragt, weshalb ich noch in Deutschland bin. Das hätte früher kaum einer in Frage gestellt.

Die Jugend tritt heute deutlich selbstbewusster und selbstsicherer auf. Es werden, auch wegen der prekären Arbeitsmarktsituation, ständig neue Möglichkeiten gesucht, finanziell unabhängig zu werden, neue Geschäftsmodelle entwickelt. Man spürt ihren Drang am globalem Leben teil zu nehmen. Sie kleiden sich hip, auch wenn die meisten „Mitumba“ kaufen müssen. Das sind die Altkleider und Schuhe, die jeder überall für wenig Geld kaufen kann. Viele diskutieren über die Märkte, die durch die Altkleider kaputt gemacht worden sind, eine durchaus legitime Kritik.

Es gibt aber auch Stimmen die von den Vorteilen berichten, dass gerade dadurch Einkommensquellen generiert werden konnten. Dadurch, dass sich die meisten diese Bekleidung leisten können, wurden die Klassenunterschiede, die an der äußeren Erscheinung ausgemacht werden konnten aufgehoben. Nach dem Prinzip „Kleider machen Leute“ hat sich im Straßenbild entsprechend viel geändert. Auch das trägt zum Selbstbewußtsein vieler bei. Heiß ersehnt werden neue, qualitativ hochwertige Bekleidung. Auch hier gibt es motivierte und innovative kenianische DesignerInnen, die sich mit den afrikanischen und europäischen Metropolen messen wollen.

Das Leben in Nairobi wird, wie in jeder aufstrebenden Stadt, auf eine harte Probe gestellt. “Schätzungen zufolge soll sich der Anteil der städtischen Bevölkerung in Kenia bis zum Jahr 2030 auf 60% verdoppeln und der Wasserbedarf dabei vervierfachen”. Die Luftverschmutzung, der Rauch und der Gestank von verbranntem Plastik, die hohen Wohnungsmarktpreise, der Infarkt in den Straßen, nicht enden wollende Staus zu fast jeder Tageszeit, unzuverlässiger Nahverkehr und die korrupte Polizei, die ihr Auskommen in den Straßen oder bei jeder anderen Gelegenheit aufbessert - all das gehört zum Alltag der meisten Menschen. Aber die Bewohner Nairobis haben einen gepflegten Humor, zu dem sich immer mehr die Geduld gesellt.

Was brauchen die Menschen vor Ort in Bezug auf WASH?

Die Menschen sind, was das Thema WAsser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene (WASH) anbelangt, sensibilisiert. Sie wissen worum es geht und kennen die Konsequenzen, zumal sie es jeweils auch in der eigenen Familie schon erlebt haben, dass Kinder oder Familienmitglieder durch schlechte Trinkwasserversorgung krank werden. Die Umsetzung dessen stellt meines Erachtens das große Problem dar. Auch weil es an allen Ecken und Enden an allem fehlt.

Die größten limitierenden Faktoren sind der Zugang zu sauberem Trinkwasser und die fehlende sanitäre Versorgung. Es gehört zum Alltag der Menschen, dass man den Wasserhahn an den Wasserstellen aufdreht und aus dem Wasserhahn kommt schlichtweg kein Wasser heraus. Kenia gehört nach internationalen Standards zu den wasserärmsten Regionen weltweit. Die Wasserknappheit stellt somit ein großes Problem im ganzen Land dar. Klimawandel und Dürren sind zwei Beispiele für Ursachen.

Viele Menschen leben in den stadtnahen “Slums” auf engstem Raum, zahlen auch für eine noch so kleine Behausung Geld. Sie fühlen sich oft nicht für die Aufwertung ihrer Umgebung verantwortlich. Es gibt zu dem eine kaum funktionierende Müllbeseitigung oder ein Abwasserentsorgungssystem. „Im nationalen Durchschnitt werden lediglich die Abwässer von 9% der Bevölkerung halbwegs angemessen entsorgt“2 .

In Kibera leben Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Manchmal wurde mir gesagt, dass sich die meisten an diese Lebensumstände, wie wir sie in Kibera erlebten, gewöhnt haben. Sie werden in Kibera geboren, wachsen dort auf, ziehen ihre Kinder groß, bis sie dann selbst Platz machen für deren Nachkommen. Das wird durchaus mit Humor erzählt. Lebenshaltungskosten in Kibera sind im Landesvergleich relativ niedrig, auch wenn das Wasser im Vergleich teurer ist. Es gibt außerdem durchaus eine Verbundenheit mit dem Ort, ein Gefühl von Heimat. Womöglich alles Gründe, weshalb viele trotzdem nicht wegziehen wollen oder können?!

Was die Meisten konkret in Bezug auf WASH brauchen ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung. Es braucht aber auch ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung und die Bereitschaft sich gemeinsam verantwortlich zu fühlen. Bezahlbarer Wohnraum gehört ebenso dazu.

Aber am allermeisten braucht es ein politisches Umdenken. Eine Frau, die die Verantwortung in der Politik sieht, erzählte mir, dass Kibera ein riesiger Wahlbezirk ist. Indem die Politik nur Hoffnungen weckt, diese aber nicht erfüllt werden, können die Menschen paradoxerweise besser instrumentalisiert werden. Weiterhin sagte sie, dass die NGOs die Arbeit nicht alleine meistern können.

Die Politik sich aber genau darauf ausruht und so ihrer eigenen Verantwortung nicht nach kommt. Deshalb ist ein Dialog auf Augenhöhe, bei dem die Bedürfnisse und die Möglichkeiten sondiert werden, unerlässlich. Dazu gehören auch der Schulterschluss und die Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung, den vielen verschiedenen NGOs und der Regierung.

Wie verändert sich die Rolle und das Leben der Frau dank verbesserter WASH- Infrastruktur?

Die Frauen, mit denen ich gesprochen habe, sind dankbar oder träumen von einem Zugang zu sauberem Trinkwasser. So vieles wird dann plötzlich möglich, wenn sie nicht den halben Tag oder länger mit Wasserholen beschäftigt sind. Die meiste Arbeit im Haushalt und die Versorgung der Familie lasten auf den Schultern der Frauen.

Mit dem Zugang zu sauberem Trinkwasser könnten neue Einkommensquellen entstehen, sich neue Perspektiven eröffnen, die die Lebensqualität der Frauen verbessern. Eine Frau sprach sogar davon, dass sie ihre Schulbildung nachholen könnte, weil sie dann mehr Zeit hätte. Und das wiederum könnte ihr zu einem besseren Job und Auskommen verhelfen, die ihr erlauben würden ihre Kinder auf eine bessere Schule zu schicken, damit sie einmal ein besseres Leben haben.

Wie man sieht hängen sehr viele Hoffnungen daran, was wir hier im „Westen“ oft als selbstverständlich und gegeben hinnehmen. Wir müssen uns nicht darüber Gedanken machen, wo das Wasser herkommt oder ob das Wasser unsere Familie krank macht. Es läuft einfach.

Was haben die Workshops bewirkt? Wie war die Stimmung während der Projektbesuche? Was löst Viva con Agua vor Ort aus?

In Kibera haben wir einige WASH Workshops, die wir mit Fußballtraining gepaart haben, durchgeführt. Gemeinsam mit Doreen Nabwire, der ehemaligen kenianischen Nationalspielerin und ihrem sich sozial engagierendem Verein „Girls Unlimited“ haben wir ein WASH Fußball Turnier organisiert. Mit von der Partie waren außerdem „One Fine Day Films“, die gemeinsam mit VcA und ihren SupporterInnen ein Foto-Workshop zum Thema WASH begleitet haben.

Mit Einwegkameras ausgestattet, haben Schulkinder ihre Sichtweise der Dinge zum Thema WASH fotografiert. Dieser Workshop gefiel den Kindern sehr gut, weil er handwerklich war und sie sich kreativ einbringen konnten. Es ist ein Folge- Workshop in Deutschland mit Gleichaltrigen an einer Schule geplant. Die Auswertung der Bilder und die Ergebnisse werden in der nächsten Millerntor Gallery 2015 und in einer Gallery in Nairobi zu sehen sein. Im Zentrum steht der Austausch der gewonnenen Erkenntnisse.

Die Stimmung bei den Workshops war gelöst und von Neugier auf allen Seiten geprägt. Alle hatten sichtlich Spaß dabei. Der Ehrgeiz der Kinder war groß, die ihnen gestellten Aufgaben auch zur eigenen Zufriedenheit zu lösen. Die durch VcA geschaffene Austausch-Plattform wurde gerne genutzt. SupporterInnen aus den verschiedenen künstlerischen Bereichen sowohl aus Kenia als auch aus Deutschland taten sich zusammen, tauschten sich aus und schmiedeten gemeinsame Zukunftspläne, wie ein VcA-Kenia aussehen könnte. Die signalisierte Bereitschaft aufzunehmen und die Energie zu bündeln wäre meines Erachtens erstrebenswert, auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Die Projektbesuche waren ein weiteres großes Highlight dieser Reise. Wir fuhren nach Kajiado und Makueni District in den Süden Kenias und besuchten dort, die von Viva con Agua und der Welthungerhilfe (WHH) geförderten WASH Projekte. Wir haben vor Ort verschiedene Formen der Wassergewinnung -von „Rock Catchment“ über Tiefbrunnenbohrungen-, die von der Beschaffenheit der Landschaft abhängen, kennengelernt. In Kajiado haben wir eine „Maasai Community“ besucht und einen Einblick in den Alltag erhalten, der maßgeblich auch vom fehlenden Zugang zu sauberem Trinkwasser bestimmt wird. Die kilometerweiten, teilweise gefährlichen Wege, die zurück gelegt werden müssen, um an verschmutztes Wasser zu gelangen.

Wir wurden in den verschiedenen Projektgebieten, mit großen Ehren empfangen. Es wurden Theaterstücke, Lieder und Tanzchoreographien aufgeführt. Es wurde gerappt und ich konnte zur großen Erheiterung insbesondere der älteren Damen Lieder von meiner Großmutter zum Besten geben. Auch wir wurden zum Tanz aufgefordert. Besonders gute PerformerInnen wurden mit Schmuck behangen und reich beschenkt. Der Respekt und die Freude dieser Begegnungen waren uns allen ins Gesicht geschrieben.

WASH, Kunst, Kultur, Sport, Musik - geht das alles überhaupt zusammen? Und dann auch noch über Ländergrenzen und die Kontinente hinaus?
Was ist Deine Vision von Viva con Aguas Handeln und Impact?

WASH über Kunst, Kultur, Sport, Musik zu vermitteln – das geht für mich sehr gut zusammen, weil es sich dabei um universelle Bedürfnisse und Sprachen handelt. JedeR kommt mit diesen von Kreativität geprägten Disziplinen irgendwie in Berührung. In vielen Ländern scheint sich leider die Meinung durch zu setzen, dass kreative Fächer und damit Kreativität keinen Mehrwert für die Gesellschaft hätten und deshalb in den Schulen abgeschafft werden oder staatlich nur wenig bis gar keine Zuwendung bekommen.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Das konnten wir auch in unseren Workshops hautnah beobachten.

Zum Beispiel brauchen festgefahrene Verhaltensweisen überall auf der Welt innovative Ideen. Kreativität, Sport, Musik, Kunst und Kultur sind erwiesenermaßen wichtige Motoren für eine gesellschaftliche Entwicklung. Sie stiften Gemeinschaftssinn und Identität und fördern zu dem die Kommunikation und damit ein friedliches Zusammenleben. Das wiederum stärkt die Zivilgesellschaft, die vom bürgerschaftlichem Engagement lebt. Freiwillige Zusammenschlüsse wie Viva con Agua können sich bilden, in denen die Bürger die Teilhabe- und Mitgestaltungsmöglichkeit nutzen können und sie übernehmen damit die Verantwortung für das Gemeinwohl.

Viva con Agua geht somit mit einem guten Beispiel voran. Durch Kunst, Kultur, Sport und Musik wird der Zugang zum Wesentlichen leichter und das über Ländergrenzen und Kontinente hinaus. Zugleich kann dabei eine große Öffentlichkeit hergestellt werden. JedeR, der mit dem Thema WASH in Berührung kommt, versteht sofort die Wichtigkeit und die Notwendigkeit. Der Dialog mit Kindern und Jugendlichen, den Viva con Agua durch Kunst, Kultur, Sport und Musik pflegt, ist dabei im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig und somit zukunftsfähig.

Sängerin Onejiru, geb. in Nairobi, aufgewachsen in Wanne-Eickel und längstens Hamburgerin, ist Mitgründerin und Sprecherin der Band und des Projektes SISTERS. Sie tourte nicht nur mit Helge Schneiders Band Firefuckers und sang auf Alben von Jan Delay, der Sam Ragga Band und Matthias Arfmann, sondern reiste nun auch gemeinsam mit Viva con Agua, Marteria & Maeckes durch Kenia.

Gemeinsam mit verschiedenen Künstler*innen hat Onejiru wunderschöne Songs wie „Today“ in Äthiopien oder „Asegis-Together as one“ mit Viva con Agua Kampala in Uganda geschrieben. Seit November ist sie zur ehrenamtlich tätigen Stiftungsbeirätin für Interkulturalität berufen worden und möchte Viva con Agua diesbezüglich stetig intensiver unterstützen und beraten.

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