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Delfinkalb stirbt nach nur einer Woche - WDSF kritisiert "Ferrari-Show" im Zoo

Pressemitteilung   •  Aug 24, 2015 12:21 CEST

Das Delfinkalb im Duisburger Delfinarium hat nur eine Woche in Gefangenschaft überlebt. Von 27 Nachzuchten im Duisburger Zoo gelang damit nur mit sieben Tieren die Aufzucht. Der Nürnberger Tiergartendirektor Dag Encke im Jahr 2013 anlässlich einer Bundestagsanhörung zu den Todesfällen im Delfinarium Duisburg: „Von den 26 Geburten waren fünf Totgeburten. Elf Jungtiere starben in den ersten 13 Lebenstagen. Ein Jungtier starb nach 67 Tagen. Ein Jungtier starb nach zwei Jahren. Ein Tier starb im Alter von elf Jahren."

Einen Tag vor dem Tod des Delfinkalbs fand im Zoo am Samstag in der Nähe des Delfinariums eine Ferrari-Show statt. Einen ersten Fototermin mit den "eleganten Flitzern" gab es bereits am vergangenen Mittwoch. "Hat der unerträgliche Lärm zum Tod des Delfinbabys beigetragen?", fragt das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF). In der Richtlinie zur Tierhaltung (Säugetiergutachten) heißt es nach Angaben des WDSF: "Tiere sind so zu halten, dass den biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung getragen wird. Die Haltung orientiert sich an den natürlichen Lebensbedingungen, den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und tiergartenbiologischen Erfahrungen....Die Tiere sind vor übermäßigem Lärm zu schützen." Der Zoo selbst hatte die Ferrari-Show auf seiner Facebook-Seite angekündigt und sprach dort von einem "PS-starken Event".

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Es ist skandalös, dass der Zoo-Direktor Achim Winkler unmittelbar nach der Geburt des Delfinbabys eine Ferrari-Show in der Nähe des Delfinarium zugelassen hat. Auch für die anderen Tiere ist diese lautstarke Kulisse sicherlich unerträglich. Das grenzt an Tierquälerei. Aus Tierschutzsicht bedauern wir das Ableben des Delfinbabys aus tiefstem Herzen." Nach vom WDSF ermittelten über 60 verstorbenen Meeressäugern im Duisburger Delfinarium fordert die Tierschutzorganisation erneut einen Nachzuchtstopp und die Beendigung der "katastrophalen Delfinhaltung".

Der Zoo Duisburg in einer ersten Stellungnahme zum Tod des Delfinbabys: "...Die Tatsache, dass auch im Freiland aufgrund des nicht gegebenen Immunitätsstatus neugeborener Delfine eine dramatisch hohe Jungtiersterblichkeit als populationsregulierender Faktor gegeben ist, stellt für den Zoo keinen Trost dar, zumal die Zoomitarbeiter nun wieder befürchten müssen, sich gegenüber haltlosen Anschuldigungen selbsternannter Delfinschützer behaupten zu müssen. ..."

Im Freiland liege die Jungsterblichkeit allerdings definitiv nicht so "dramatisch hoch" wie in Gefangenschaft im Duisburger Delfinarium mit nun rund 75 Prozent, wie der Zoo zu vermitteln versuche, meint das WDSF. Die Todesrate im Delfinarium sei allerdings dramatisch, sagt der WDSF-Geschäftsführer. Der Hinweis des Zoos auf die "nun befürchteten haltlosen Anschuldigungen selbsternannter Delfinschützer" stelle dem Zoo ein Armutszeugnis aus und lasse jede Sachlichkeit und Einsicht fehlen, so das WDSF. 

Der Streit zwischen dem Zoo und dem WDSF geht weiter. In der vergangenen Woche hatte der Zoo Duisburg auf seiner Homepage die Behauptung aufgestellt, dass sich das WDSF gegenüber einem Radiosender geäußert hätte, dass es sich bei dem Delfinkalb um eine Inzucht handeln würde. Gegen diese Unterstellung hat das WDSF eine einstweilige Verfügung vor Gericht beantragt.

Das WDSF kooperiert international mit Wissenschaftlern, Politikern, anderen Organisationen und Wal- u. Delfinschützern. Das WDSF ist keine Mitglieder/Spenden-Organisation und unabhängig von anderen Institutionen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen die WDSF-Aktionen. Aufgrund des notariellen Gesellschaftsvertrages beziehen weder die WDSF-Geschäftsführung noch andere Personen Gehälter oder Zuwendungen. Der Verwaltungsaufwand ist daher äußerst gering. Das WDSF arbeitet in seinem Kuratorium ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern, Fachleuten, Wissenschaftlern und (Meeres-)Biologen zusammen.

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