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Duisburger Delfinbaby gestorben - WDSF spricht von mangelnder Fürsorgepflicht und fordert Einschreiten der Aufsichtsbehörden

Pressemitteilung   •  Jan 04, 2016 16:06 CET

Die Delfingeburten der beiden Delfinweibchen Daisy und Delphi verkündete der Zoo am 22. und 24. Dezember gleichentags noch als Weihnachtsüberraschung. Heute erfolgte die Meldung über den Tod des Delfinbabys von Daisy das gestern morgen nach nur 13 Tagen gestorben war.

Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisiert schon seit längerem die hohe Todesrate bei den nicht nachhaltigen Zuchtbemühungen in den beiden von ursprünglich zehn verbliebenen Delfinarien im Duisburger Zoo und Nürnberger Tiergarten; so zuletzt in einem TV-Beitrag von SAT1. Nach Angaben des WDSF überlebten von jetzt 29 Nachzuchten bisher nur acht Tiere in Duisburg. Insgesamt über 60 Meeressäuger hätten ihren frühzeitigen Tod dort in Gefangenschaftshaltung gefunden. Innerhalb von fünf Jahren seien den Delfinen aufgrund einer Aktenanalyse durch das WDSF 24 verschiedene Medikamente und Heilmittel verabreicht worden.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Wir bedauern den Tod des Delfinbabys von Daisy außerordentlich. Noch mehr schockiert uns jedoch die Uneinsichtigkeit der Zooleitung, die überwiegend vergeblichen Nachzuchtbemühungen fortzusetzen. Es wird ohne Rücksicht auf die Sozialstruktur der sensiblen Delfine auf Teufel komm raus gezüchtet. Sobald die wenigen Delfinweibchen, die überhaupt überlebt haben, das geschlechtsreife Alter erreichen, werden sie in andere Delfinarien transportiert, um dort die Zuchtbemühungen fortzusetzen. Die katastrophalen Haltungsbedingungen in den kleinen Betonbecken mit fortlaufender Medikamentengabe grenzt an Tierquälerei."

Erst im August letzten Jahres war in Duisburg ein Delfinbaby der Delfinmutter Pepina nach nur einer Woche verstorben. Die Schwangerschaftsphase hatte der Zoo noch ausführlich auf seiner Homepage illustriert. Die Delfinmutter Pepina wurde während der Schwangerschaft mit Antibiotika und dem Antibakterium Nystatin behandelt.

Dass die Jungtiersterblichkeit bei Delfinen aufgrund des sich erst in den ersten Lebenswochen entwickelnden Immunsystems im Freiland ebenso hoch sei wie in Delfinarien, wie der Zoo behauptet, bestreitet das WDSF aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Nachweise.

Nachdem das WDSF in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf im Oktober 2014 ein Urteil gegen den Zoo Duisburg erwirkt hatte, dass der Zoo verpflichtet sei, fortlaufend die tiermedizinischen Berichte der Delfine zu veröffentlichen, findet sich der letzte Eintrag auf der Homepage des Zoos zur Delfinmutter Daisy am 10. Juni 2015 über eine von insgesamt drei Blutuntersuchung im gesamten Jahr 2015. Seit über vier Jahren seien Daisy entsprechend der Vermerke keine Medikamente verabreicht worden und es soll nach den Einträgen auch keine Ultraschalluntersuchungen gegeben haben, während bei der Delfinmutter Delphi alleine im Dezember sechs Ultraschalluntersuchungen anstanden.

Ortmüller: "Entweder hat der Zoo seine tierärztliche Fürsorgepflicht bei der Schwangerschaft von Daisy durch fehlende Kontrollen mit der möglichen Folge des jetzigen Todes des Delfinbabys völlig vernachlässigt oder die Einträge in den tierärztlichen Berichten wurden entgegen des Gerichtsurteils nicht vollständig aufgeführt. In beiden Fällen sind die Aufsichtsbehörden des Zoos beim Umweltamt der Stadt Duisburg, beim NRW-Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und als oberste Behörde beim Umweltministerium gefordert, die Nachlässigkeiten aufzuklären und gegebenenfalls zu ahnden."

Homepage Zoo Duisburg:

Tiermedizin Daisy: http://www.delfinarium-zoo-duisburg.de/akte.php?name=Daisy&jahr=2015

Tiermedizin Delphi: http://www.delfinarium-zoo-duisburg.de/akte.php?name=Delphi&jahr=2015

Tiermedizin Pepina: http://www.delfinarium-zoo-duisburg.de/akte.php?name=Pepina&jahr=2015

Das WDSF kooperiert international mit Wissenschaftlern, Politikern, anderen Organisationen und Wal- u. Delfinschützern. Das WDSF ist keine Mitglieder/Spenden-Organisation und unabhängig von anderen Institutionen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen die WDSF-Aktionen. Aufgrund des notariellen Gesellschaftsvertrages beziehen weder die WDSF-Geschäftsführung noch andere Personen Gehälter oder Zuwendungen. Der Verwaltungsaufwand ist daher äußerst gering. Das WDSF arbeitet in seinem Kuratorium ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern, Fachleuten, Wissenschaftlern und (Meeres-)Biologen zusammen.

Kommentare (4)

    Vielen Dank für diese traurige Information, die sich im Duisburger Zoo leider stetig häuft.
    Es sollte ein generelles Verbot dieser Anlagen und Nachzuchten geben. ... Tiere, insbesondere Delfine und Wale sind ausschließlich in ihrem Habitat, dem Meer/Ozean aufzufinden. Darüber gibt es zahlreiche, interessante, hervorragende Filmdokumentationen ... Eingesperrt, unter Ausbeutung, ein Leben lang, ist nicht zumutbar ...

    - Manuela Causemann - 04.01.2016 16:22 CET

    Wir sind sehr traurig.
    Es war abzusehen, dass das schwierig wird.
    Wenn man sich ein bisschen auskennt, kann man sich nur noch wundern, wie verantwortungslos hier das Auslaufmodell "Delfinarium" auf Kosten dieser armen Kreaturen aufrecht erhalten wird. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier aus rein kommerziellen Motiven diese Delfine ausgebeutet werden.
    Wir fordern weiterhin eine Schliessung aller Delfinarien weltweit.
    Ich hoffe dass der juristische Nachweis gelingt, dass die Verantwortlichen für diese Quälerei bestraft werden.
    Liebe Eltern bitte überlegt Euch, ob ihr nicht lieber auf den Besuch solcher Delfinarien verzichtet.
    Spendet das Geld besser zum Schutz der Meeressäuger.

    - Sebastian Lentz - 04.01.2016 21:14 CET

    Stellt die Nachzuchten ein und erspart den Delfinen die Gefangenschaft und die Trauer um ihre Babys jedem totem Delfin bleibt die Gefangenschaft erspart.schliesst die Delfinarien so wird auch das Elend von Taiji eingeschränkt oder noch viel besser beendet. Da es keine profitgier mehr gibt.

    - Dagmar Weisheit - 05.01.2016 14:30 CET

    Diese Zuchtprogramme gehören VERBOTEN und zwar weltweit.Es ist doch mittlerweile hinreichend bekannt, dass sich Meeressäuger in Gefangenschaft nur unter Medikamenteneinsatz halten und züchten lassen. Alle Tiere gehören in die Natur und nicht wie Verbrecher in Gefangenschaft. Es gibt so wundervolle Dokus, welche die Tiere in ihrem Element zeigen, welche sehr gut erklärt werden und die den Tieren nicht schaden. Warum also einen alten Zopf weiterflechten, der im Grunde Qual ist. Tolle Alternativen wären E-Zoos, hier sollte man anknüpfen.

    - Stefanie - 06.01.2016 10:41 CET

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