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Kinderhilfswerk "Inter-National Children Help (ICH)" steigt aus Delfintherapie aus

Pressemitteilung   •  Apr 28, 2015 07:29 CEST

Nach intensiven und umfangreichen Verhandlungen mit dem Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) übermittelt das deutsche Kinderhilfswerk „Inter-National Children Help (ICH)“ nach seinem Ausstieg aus der Vermittlung von Delfintherapien und Spendenaktionen aus Tierschutzgründen bei jeder Anfrage seit April 2015 eine entsprechende Stellungnahme.

In den letzten Jahren hat der Verein ICH nach eigenen Angaben über 100 Kindern eine Teilnahme an einer Delfintherapie mit speziell eingeworbenen Spendengeldern in Spanien und der Türkei ermöglicht. Einverstanden war der Präsident des Hilfswerks, Dieter F. Kindermann, bereits bisher schon nicht mit Fernreisen für die betroffenen Kinder aufgrund der stressigen Zeitverschiebung mit langen Reisezeiten und hohen Kosten für die Eltern.

In einer Stellungnahme des ICH heißt es nun: „Wir haben das Thema Tierschutz, damit auch Artenschutz, in unseren Fokus genommen und nach langen Diskussionen, die wir auch in Fachkreisen geführt haben, entschieden, Delfintherapien nicht mehr zu fördern.“ Alternativ will man andere tiergeschützte Therapien wie zum Beispiel mit Pferden (Hippotherapie) und Tauchtherapien in Deutschland verbunden mit Familienurlauben zusammen mit Geschwisterkindern für behinderte Kinder fördern.

Die Delfintherapie war zuletzt intensiv in die Kritik des WDSF geraten. Die Bild am Sonntag hatte nach einer WDSF-Recherche über den Missbrauch von Delfinen aus der grausamen und blutigen Delfintreibjagd im japanischen Taiji für Zwecke der Delfintherapie im tunesischen Friguia Park durch den deutschen Therapeuten und Buchautor Branko Weitzmann berichtet. Der Präsident des ICH, Dieter F. Kindermann, hatte vor Jahren in einem Vorwort für ein Buch von Branko Weitzmann die Delfintherapie noch beworben und arbeitete mit Weitzmann bisher eng zusammen. Nachdem das WDSF mit Geschäftsführer Jürgen Ortmüller dem ICH-Präsidenten Dokumentationen über die katastrophalen und kommerziellen Hintergründe der Delfintherapie vorgelegt hatte, distanziert sich der ICH-Verein nun von der Förderung der Delfintherapie in seiner Stellungnahme aus Tierschutzgründen.

Ortmüller vom WDSF: „Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für den Delfinschutz. Immer wieder sterben Delfine in den beengten Pools in Gefangenschaft aufgrund katastrophaler Haltungsbedingungen und werden oft durch Wildfänge wieder ersetzt. Dass Delfine aus der grausamen Delfintreibjagd in Japan für Zwecke der Delfintherapie missbraucht werden ist umso tragischer. Je weniger Vermittler von Delfintherapien es gibt, um so besser geht es den Delfinen in Freiheit und auch den betroffenen Familien, die sich meist der irrtümlichen Vorstellung hingeben, dass eine Delfintherapie eine heilende Wirkung haben könnte. Wir sind dem Kinderhilfswerk ICH für seinen Ausstieg aus der Förderung der Delfintherapie und seine Stellungnahme sehr dankbar.“ 



Die Delfintherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen mangels wissenschaftlicher Grundlagen und aufgrund von Verletzungsgefahren nicht bezuschusst. Eltern von behinderten Kindern bemühen sich oft, mit Spendenaufrufen die Kosten für eine Delfintherapie aufzubringen. Nach Angaben der Bundesvorsitzenden des Vereins „Autismus Deutschland“, Maria Kaminski, gegenüber dem WDSF reichen die Spendengelder meist nicht für die Kosten eine Delfintherapie aus, die schnell 15.000 Euro erreichen. Allzu häufig müssten Eltern sich daher zusätzlich verschulden, um eine Delfintherapie überhaupt möglich zu machen.



Das WDSF kritisiert die Organisationen und Vermittler von Delfintherapien auch aus diesem Grund. Ortmüller: „Eltern von behinderten Kinder greifen verständlicherweise nach jedem Strohhalm, um ihren Kindern zu helfen. Es müssen aber nicht die stressigen, kostenintensiven und manchmal auch für Mensch und Tier gefährlichen Delfintherapien sein. Es gibt tiergestützte Therapie-Formen mit domestizierten Tieren, die ohne Wildtiere wie den Delfinen auskommen und den Familien zumindest eine Hilfe verbunden mit einem Urlaubserlebnis sein können.“

Das WDSF kooperiert international mit Wissenschaftlern, Politikern, anderen Organisationen und Wal- u. Delfinschützern. Das WDSF ist keine Mitglieder/Spenden-Organisation und unabhängig von anderen Institutionen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen die WDSF-Aktionen. Aufgrund des notariellen Gesellschaftsvertrages beziehen weder die WDSF-Geschäftsführung noch andere Personen Gehälter oder Zuwendungen. Der Verwaltungsaufwand ist daher äußerst gering. Das WDSF arbeitet in seinem Kuratorium ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern, Fachleuten, Wissenschaftlern und (Meeres-)Biologen zusammen.

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